E-Reader Tschüss, Buch

Alte Bücher und Originalausgaben haben Charme, aber unsere Autorin findet E-Books einfach praktischer

Ich lese, seit ich als kleines Mädchen meine ersten Buchstaben entziffert habe. Wie alle Bücherjunkies träume ich von einer eigenen Bibliothek mit deckenhohen Holzregalen, Kamin und einem "Eames Lounge Chair". Die Bücher stehen dort sauber nach Autoren sortiert und ich rutsche auf beweglichen Leitern zwischen Isabel Allende und Stefan Zweig hin und her. Tatsächlich lebe ich in einer Wohnung mit begrenztem Platz und randvollen Regalen, in denen es sich eine Jennifer Egan schräg liegend auf einer Sophie Kinsella bequem machen muss. Nicht mal ein Reclam-Heft hat hier noch Platz. Bücher wegwerfen? Niemals. Aber wie löse ich das Problem? Die Antwort war so einfach wie erschreckend: mit einem Kindle. To kindle bedeutet entfachen, entflammen, entzünden. Wie treffend. Erst dachte ich an brennende Bücher, dann wurde mein Interesse entfacht, schließlich war ich Feuer und Flamme für dieses Teil. Gelodert hat lediglich meine Umwelt, die mich als Verräterin brandmarkte. Als Kindle-Besitzer muss man sich auf Reaktionen gefasst machen wie "Ist es nicht viel schöner, umzublättern, an Büchern zu riechen?". Das Haptik-Argument kommt häufig. Dabei ist der E-Reader leicht, liegt angenehm in der Hand und fühlt sich besser an als manch billiges Taschenbuch. Trotz aller Begeisterung nervt mich einiges: Der Lesefortschritt wird in Prozent angezeigt, ein Klick bringt mich auf die nächste Seite (als schneller Leser klickt man ständig), und es wird immer nur eine Seite angezeigt. Andererseits wiegt dank Kindle selbst ein 800-Seiten-Wälzer so viel wie eine Novelle. Endlich kann ich mir ungebremst Bücher zulegen, ohne Angst haben zu müssen, dass in meiner Wohnung kein Platz mehr für Schuhe ist. Ob Kindle, Kindle Keyboard oder Kindle Touch – je nach Modell speichern die Dinger bis zu 3500 Bücher. Lieblingsstellen lassen sich markieren, es werden auch die von anderen Lesern angezeigt. Bei fremdsprachigen Romanen ist das Wörterbuch nur einen Klick entfernt, und sollte die Lesebrille unauffindbar sein, lässt sich die Schriftgröße an die eigene Dioptrienzahl anpassen. Zudem kann man bei Amazon fast alle Klassiker kostenlos herunterladen.

Mein Kindle wird mir nicht die Bücher ersetzen, ist aber die perfekte Ergänzung. Ich brauche nie wieder Angst zu haben, dass mir der Lesestoff ausgeht! Wie oft habe ich auf eine warme Jacke im Urlaubsgepäck verzichtet, damit mehr Bücher in den Koffer passen. Der Satz "Ich habe nichts mehr zu lesen!" ist gestrichen, ich kann jederzeit einen neuen Roman downloaden, WLAN vorausgesetzt. Jetzt warte ich darauf, dass jemand etwas ähnlich Geniales für übervolle Kleiderschränke erfindet.

von Martina Kink

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