Es muss ein komischer Anblick gewesen sein: Wände und Böden mit Folie abgedeckt, überall Handwerker, Staub, Lärm – und mittendrin im Chaos liegt Herbert Kopp mit einem Oberschenkelhalsbruch auf einer Matratze. Von dort dirigierte er in den Neunzigerjahren Umbau und Erweiterung der Wohnung hoch über dem Münchner Dreimühlenbach, die seine Frau Annette und er seit den Siebzigern, damals beide Studenten an der Münchner Kunstakademie, bewohnen. Über die Jahre ist das 180 Quadratmeter große Altbau-Juwel zu einer Bühne für ihre gemeinsamen Leidenschaften geworden: Zeitschriften und Bücher, wohin man blickt. Hinzu kommt eine bedeutende, mehr als 600 Werke umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst, darunter Gemälde von Freunden wie Albert Oehlen und Günther Förg, mit dem Herbert Kopp früher eine Malerfirma betrieb. Entsprechend unkonventionell ist auch die Einrichtung mit Vintagemöbeln aus aller Welt, Erbstücken, Selbstentworfenem und Fundstücken wie dem Thonet-Stuhl im Arbeitszimmer. "Eines Morgens schaue ich zum Fenster raus, da lag ein Riesenstapel", erzählt Herbert Kopp, "und da seh ich den Stuhl und dachte mir, den nehm ich."
Jetzt sitzt er dort mit seinem Skizzenbuch und entwirft zu ohrenbetäubendem Rap Ohrringe und Anhänger, während Annette das gemeinsame Juweliergeschäft Cada (zu den Kunden zählen Patti Smith und Angelika Taschen) in Münchens nobler Maffeistraße leitet. Cada, das steht für Creativity, Art, Design und Anarchy. Eine Philosophie, die sich auch in der Wohnung widerspiegelt: hier ein Bett aus rosa Seidensatin im schwülen Hollywood-Regency-Stil, dort ein Bild von Daniel Richter, auf dem ein Mann mit der Knarre herumballert. Oder die Fendi-Sessel, bezogen mit, Achtung, Teddystoff, kurz: eine Wahnsinnsmischung. "Ich bin fürs Bequeme und für Wärme", sagt Herbert Kopp, nebenbei übrigens auch Vorstand im Kunstverein und Farbberater von Architekten. "Ein Raum soll immer sagen: Du bist hier herzlich willkommen!" Ist dem Paar auf jeden Fall geglückt.
Weitere Informationen zu den Bildern:
Gleich getaktet:
Annette und Herbert Kopp unter einem Bild von Philip Guston.
Ankleide:
Der Fahrradhelm in der Ankleide mit Toile-de-Jouy-Tapete ist keine Deko. Herbert Kopp ist begeisterter Rennradfahrer.
Heels Angel:
So ein altes Eichenparkett hält was aus: Annette Kopp im Flur, die Gucci-Schuhe sind ein Geschenk ihres Mannes Herbert. Schwarzweißzeichnungen von Richard Phillips, Collage von John Bock.
Sammlung Kopp: Wohnzimmer:
Im Wohnzimmer zwei Skulpturen von Tal R, blaue Figur von Mike Kelley, Keramik von Annettes Mutter.
Sammlung Kopp: Arbeitszimmer
Im Arbeitszimmer ein Werk des Malers Albert Oehlen.
Das Gästeapartment:
Ins Gästeapartment gelangt man über eine Tapetentür in der Ankleide; die Vasen stammen von Annettes Mutter, einer Keramikkünstlerin.
Mehr Kunstfreiheit:
Herbert Kopp (hier im Fendi-Sessel, hinter ihm Werke des Künstlers Andy Hope 1930, früher bekannt als Andreas Hofer) hätte lieber farbige Wände. "Aber dann müsste ich jedes Mal umstreichen, wenn die Kunst wechselt, da bin ich ein fauler Sack."
Bibliothek:
In der Bibliothek steht eine Skulptur von Paul McCarthy.
Arbeitszimmer:
Arbeitszimmer mit Thonet-Stuhl
