Beauty-Spezialisten

Die 5 Weisen der Schönheit

Beauty-Experten? Ach was! Diese Frauen und Männer sind Koryphäen auf ihrem Gebiet. Sie wissen einfach alles über Haut, Haare und Nägel.

Veröffentlicht am 21.03.2018

Die Wissenschaftlerin

Dr. Sabine Gütt (53) ist Kosmetologin und seit über 20 Jahren Expertin für Produktentwicklung und Behandlungskonzepte. Sie berät die Beauty-Industrie, entwickelt Trainingskonzepte für Kosmetikerinnen, führt Fachschulungen durch. Kurz: Die Frau aus Hamburg gilt in Deutschland als Koryphäe.

Dr. Sabine Gütt.

Der Frau macht keiner was vor: Dr. Sabine Gütt ist Wirkstoffexpertin und weiß, was die Haut braucht (und was nicht). 


Ein Kosmetik-Hype, der verschwinden wird

Einige der sogenannten Organic-Linien. Erstens weil es viele Unverträg­lichkeitsreaktionen gibt, das zeigen der Produkt-Rücklauf und die Fülle an Reklamationen. Und zweitens weil die kosmetische Wirkung im Vergleich zu Hightech-Produkten nicht überzeugt – besonders für die Regeneration älterer oder stark beanspruchter Haut.

Ein Pflege-Tabu

Vor „Product-Hopping“ kann ich nur warnen. Bei Pröbchenjägern und Alleskäufern gelangen zu viele unterschiedliche Konservierungs- oder Wirkstoffe in die Haut. Dadurch können Irritationen entstehen. Gesichtspflege braucht ein Konzept. 

Die spannendste Neuheit

Biomimetische Pflege, sprich Kosmetika, deren Zusammensetzung sich an der Hautbeschaffenheit orientiert, und die etwa Aminosäuren, Peptide, natürliche Wachstumsfaktoren, Ceramide, Sphingolipide, Elastin, Hyaluronsäure und Kollagen enthalten. Nur auf Naturkosmetik und pflanzliche Rohstoffe zu setzen ­finde ich einseitig.

Völlig überschätzt

Zusatzstoffe in Pflege- und Reinigungspräparaten. Ein Beispiel: In Augen-Make-up-Entferner und Hydro-Gelen steckt oft blauer Farbstoff. Er soll Frische und Feuchtigkeit suggerieren. Dabei sorgen gerade künstlich zugesetzte Farbstoffe dafür, dass die Haut sensibel wird – das Immunsystem springt sofort an. Generell haben Aromaten, also alles, was riecht oder Farbe gibt, ein erhöhtes allergisches Potenzial.

Der Haarspezialist 

Axel Meininghaus (63) leitet in zweiter Generation die „Meininghaus Akademie“ in Forchheim. Sie gilt seit 60 Jahren als beste Aus- und Weiterbildungsstätte für Friseure. Etwa 30 000 Schüler haben inzwischen die Schule absolviert, 5000 davon eine Meisterprüfung abgelegt. In München, Bamberg und Forchheim gibt es auch die „Meininghaus Friseure“.

Axel Meininghaus.

Die Friseur-Akademie von Axel Meininghaus gilt als beste Fortbildungsstätte in Deutschland.


Woran man einen guten Salon erkennt 

An strukturierten Abläufen. Von der Anmeldung über die ­Behandlung bis zur Verabschiedung muss eine klare Choreografie erkennbar sein. Funktioniert bei einem eingespielten Team ohne Hektik und lange Wartezeiten.

Häufigster Pflege-Fehler 

Viele Frauen überfrachten ihre Haare. In Shampoos, Conditionern, Kuren und Stylingprodukten stecken Pflegestoffe und Silikone. Zu viel davon und die Haare fallen nicht mehr schön. Deshalb öfter mal ein spezielles Reinigungsshampoo verwenden. 

Ein Profi-Trick 

Durch Mischen oder Verdünnen funktionieren Styling­produkte oft besser. In kurze, luftgetrocknete Haare gebe ich immer einen Mix aus leicht festigendem Creme-Gel und ein paar Tropfen Wasser, um Textur reinzubringen. In langes Haar knete ich vor dem Lufttrocknen eine Mischung aus Stylingcreme und leichtem Gel, nur wenn es geföhnt wird, nehme ich pures, flüssiges Gel. 

So bekommt langes Haar Volumen 

Mit einer Rundbürste aus Naturborsten unter Zug gegen die Wuchsrichtung föhnen und Strähnen auskühlen lassen.

Die Top-Kosmetikerin 

Christiane Lingner (51) ist medizinische Kosmetikerin und seit 28 Jahren im Job. In ihren beiden Berliner Instituten behandelt sie mit Babor-Produkten. Die gelernte Krankenschwester hat diverse Zusatzausbildungen im Bereich der Kosmetologie und Dermatologie.

Christiane Lingner.

Die Berliner Kosmetikerin Christiane Lingner schwört auf Mikrodermabrasion.


Die beste Behandlung 

Mikrodermabrasion – eine geniale Erfindung. Ich kombiniere sie am liebsten mit Ultraschall: Das Abrasionsgerät trägt Hornschüppchen ab und verfeinert das Hautrelief, in der Tiefe sorgt der Ultraschall für eine Mikromassage, die den Stoffwechsel anregt. Die Haut sieht sofort frisch und glatt aus, die Poren feiner.

Was nicht in die Hände von Kosmetikerinnen gehört 

Botox und Filler! Dabei kann zu viel schiefgehen, das sollten nur Ärzte machen. Ich würde mir eine gesetzliche Regelung in Deutschland wünschen. 

Was sich verbessert hat 

Hautanalysen werden immer exakter. Ich benutze dazu einen 80-fachen Zoom und häufig auch ein Visia-­Gerät. Es macht beispielsweise Couperose, UV-Schäden oder bakterielle ­Sekrete sichtbar. So kann man die Kundin noch gezielter behandeln. 

Völlig überschätzt 

Die Jetpeel-Behandlung; sie ist ein klassisches Red-Carpet-Treatment mit kurzfristigem Effekt. Die Haut wird durch viel Feuchtigkeit auf­geschwemmt und wirkt praller, der Einfluss auf tiefere Hautschichten ist zweifelhaft.

Der Nagelexperte 

Frank Schäberle (37) ist seit rund 20 Jahren Experte für Nagelpflege und Nageldesign, er hat unzählige Wettbewerbe gewonnen und gehört in Europa zu den Besten. Der gelernte Schreiner landete zufällig im Beauty-Business und ist inzwischen als Artistic Director von Alessandro für Produktentwicklungen und weltweite Schulungen zuständig.

Frank Schäberle.

Mann mit Fingerspitzengefühl: Nagelprofi Frank Schäberle. 


Das Wichtigste in meinem Job 

Geduld und Präzision. Bei Wettbewerben arbeite ich schon mal zwölf Stunden an einer Hand – allein das Modellieren der Kunstnägel und die Dekoration dauern Stunden. 

Bester Tipp für schöne Nägel 

Immer die passende Feile verwenden. Dafür orientiert man sich an der Gritzahl, sie gibt die Schleifkörnchen pro Quadratzentimeter an. Je höher, desto feiner. Feilen mit einer Gritzahl
von 200 bis 240 sind ideal, um Naturnägel schonend zu kürzen. Niedrigere nur für sehr feste oder Kunstnägel. 

Die richtige Pflege 

Nägel bestehen aus toten Hornzellen, deshalb sollte man sie mit Arganöl, Shea- oder Mangobutter pflegen. Das macht sie geschmeidig und verhindert, dass sie brüchig werden. Handcremes enthalten meistens Anti-Aging-Wirkstoffe und Feuchtigkeitsbooster wie Hyaluronsäure – das ist nichts für Nägel. Deshalb verwendet man idealerweise zwei verschiedene Cremes.

Das skurrilste Erlebnis 

Einmal kam eine Kundin im Grufti-Look zu mir und brachte tote Fliegen mit, die ich in die Acrylmasse ihrer Kunstnägel reinbasteln sollte. Das sah dann aus, als seien die Fliegen in Bernstein gegossen. Ein bisschen schräg, aber die Dame war happy. 

Der wichtigste Trend 

French Manicure erlebt ein Comeback, Natürlichkeit ist wieder angesagt. Lange und spitze Nägel sind out, ebenso schrille Farben. Was bleibt, sind UV-Lacke, ihre Haltbarkeit ist einfach unschlagbar.

Die Dermatologin 

Professorin Michaela Axt-Gadermann (50) ist Dermatologin. An der Hochschule Coburg unterrichtet die Ärztin Ganzheitliche Gesundheitsförderung. Sie beschäftigt sich außerdem mit den Zusammenhängen zwischen Attraktivität und Gesundheit, gesunder Darmflora und Haut, Lebensstil und Hautalterung.

Prof. Michaela Axt-Gadermann.

Detox? Das schafft der Körper allein, sagt Dermatologin Michaela Axt-Gadermann.


Überraschendste Erkenntnis 

Viele wissen nicht, dass der Darm Stoffe produziert, die auch in Cremes stecken. Zum Beispiel Ceramide, Hyaluronsäure und Antioxidantien. Außerdem ist er für den Hormonstoffwechsel zuständig, hält ihn in Balance und schützt so vor Akne und Hautalterung. Ein gesunder Darm macht schön.

Was Trend werden könnte 

Probiotische Kosmetik, sie enthält teilweise lebende, teilweise abgetötete Bakterien oder Bakterieninhaltsstoffe. Die sorgen für ein gutes Hautklima und helfen ihr, sich zu regenerieren. 

Auf was man verzichten kann 

Detoxcremes finde ich unnötig. Unser Körper hat funktionstüchtige Entgiftungsorgane: Leber, Niere, Haut und Darm. Vernünftige Ernährung und ein gesunder Lebensstil bringen mehr. Durch Detoxcremes und -tees können wir sie weder ersetzen noch unterstützen.

Was ich dringend empfehle 

Schutz gegen Infrarotstrahlung des Tageslichts! Das ist kein Marketing-Gag, sondern wichtig. Sie ist ebenso gefährlich wie UV-Strahlen, dringt ­sogar tiefer und leichter ein und schädigt kollagene und elastische Fasern. Es gibt zwar keinen Filter, der sie abhält, aber Antioxidantien-Komplexe in Sonnenschutzprodukten verringern ihre schädliche Wirkung.

Bester Hautpflege-Tipp 

Keime halten die Haut gesund. Die Hautflora besteht aus Bakterien, Viren und Pilzen, die Stoffe produzieren, die unsere Haut braucht. Außerdem trainieren sie das Immunsystem. Wer sehr oft duscht und sich dabei von Kopf bis Fuß einschäumt, wäscht einen Großteil der Hautbewohner runter und wird auf Dauer anfälliger für Allergien und Ekzeme.