Buchhandlung des Jahres 2017

Die 10 besten Bücher des Jahres

Die „Schatulle“ von Ute und Sabine Gartmann wurde 2017 zur besten Buchhandlung gekürt. Welche Bücher sie ihren Lesern dieses Jahr besonders ans Herz gelegt haben, verraten sie hier.

Veröffentlicht am 20.12.2017
Bücher des Jahres.

Das sind die Bücher des Jahres, ausgewählt von der Buchhandlung Schatulle.


Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann"

Beim nächsten Zoobesuch gibt es Streit mit den Kindern: zuerst zum Gorilla („Gute Nacht Gorilla“ aus dem Moritz Verlag) oder zum Okapi, einer der Hauptfiguren aus Mariana Lekys Roman. Immer wenn Selma nämlich von ihm träumt, stirbt binnen des nächsten Tages einer der Bewohner des Dorfes. Das Buch ist zugleich witzig und traurig, ungemein liebevoll in wunderbarer Sprache erzählt. Das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhändler!

Dumont, 20 Euro.


Jan Schomburg: „Das Licht und die Geräusche"

Tschick hat Gesellschaft bekommen: Die Geschichte um Johanna, Boris und Ana-Clara ist ein klassischer Entwicklungsroman. Nicht stringent linear erzählt, sondern in Sprüngen - die Erzählung folgt den Gedanken von Johanna. Deutschland, Portugal und Island sind die „Drehorte“ - Liebe, Familie, Leben und Tod die zentralen Themen. Das einzig Blöde am Roman ist, dass man wieder mal erkennt, dass man nicht mehr jung ist.

dtv, 20 Euro. 


Lucinda Riley: „Die Perlenschwester"

Verschneite Wochenenden gibt es genug. Gut für dicke Schmöker mit Suchtpotential. Genau darum handelt es sich bei den Büchern von Lucinda Riley: Erzählt wird pro Buch die Geschichte einer der Adoptivtöchter von Pa Salt, der zu Beginn des ersten Bandes stirbt. Die Schwestern folgen Hinweisen auf ihre ursprüngliche Identität, der Leser folgt nach Brasilien, Norwegen, England und Zürich – der neue Teil handelt von der vierten Schwester!

Goldmann, 20 Euro.


Yaa Gyasi: „Heimkehren"

Ausgehend von zwei ghanaischen Schwestern vor rund zweihundert Jahren werden abwechselnd die Geschichten ihrer Nachkommen in Ghana und den USA beschrieben: Kolonialismus, Missionierung, Sklaverei und Suche nach Identität sind die Hauptthemen, um die sich die Erzählungen drehen. Toll geschrieben. Empfehlung: Es nicht nur häppchenweise vor dem Einschlafen lesen und den Stammbaum am Ende des Buches anschauen. Und wer nicht gerne liest: Das Hörbuch ist ebenso großartig!

Dumont, 22 Euro.


Colson Whitehead: „Underground Railroad"

Trump meets Tarrantino. Genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint dieser Roman über das schwarze Kapitel der amerikanischen Geschichte: Sklaverei. Cora flieht von einer Plantage der Südstaaten, der Leser reist mit ihr in der fiktiven Underground Railroad quer durch die USA, verfolgt von einem Sklavenjäger, der sie wieder nach Hause bringen soll. Anhand gut recherchierter Lebensläufe erzählt Whitehead diese Geschichte.

Hanser, 24 Euro.


Sylvain Prudhomme: „Ein Lied für Dulce"

Der Roman spielt in Guinea Bissau, Westafrika. Am Vorabend eines Putsches wird der Tod von Dulce, der Leadsängerin der Gruppe Mama Djambo bekannt. Coutu, der Gitarrist, ist traurig und erinnert sich an die letzten 30 Jahre: Bilder der damaligen Geliebten, triumphale Konzerte, Träume, Hoffnungen und Scheitern des Befreiungskampfes. Ein perfektes Buch für alle, die sich für Geschichte, für Politik, für Afrika und vor allem für Musik interessieren!

Unionsverlag, 20 Euro.


Scott Bergstrom: „Cruelty"

Gwens Mutter ist vor 10 Jahren ermordet worden. Seitdem lebt sie allein mit ihrem Vater, der, weil er für das Auswärtige Amt arbeitet, oft beruflich unterwegs ist. Während einer seiner Dienstreisen stehen plötzlich 2 Männer vor Gwens Tür und eröffnen ihr, ihr Vater arbeite für die CIA und sei bei einer Mission verschwunden. Entführt? Untergetaucht? Tot? Es entwickelt sich eine atemberaubende Reise über alle Kontinente, Gwen muss einfach herausfinden, was passiert ist …

rowohlt polaris, 15 Euro.


Olga Grjasnowa: „Gott ist nicht schüchtern"

Der Roman beginnt in Syrien. Die Hauptpersonen sind Amal und Hammoudi, beide sind jung, gebildet, haben ihr Auskommen, haben Freunde. Doch plötzlich verändert sich die politische Situation – beide sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die Flucht über das Mittelmeer, die spätere Ankunft in Deutschland – wie sollen sie sich zurechtfinden? Eindringlich, nachdenklich und nicht sentimental – deshalb so empfehlenswert.

Aufbau, 22 Euro.


Jane Gardam: „Letzte Freunde"

In dem 3. Buch über Feathers, (Ein untadeliger Mann) seine Frau Betty (Eine treue Frau) und seinen Erzfeind Terry Veneering steht letzterer im Mittelpunkt. Er gilt als Emporkömmling, um seine Familie ranken sich Gerüchte: war sein Vater Zirkusartist oder Spion? Wie gelang es ihm (trotzdem) zu einem der besten Juristen des Empires zu werden? Wieder gelingt es Gardam anhand der Lebensgeschichte einer Person pointiert, humorvoll und boshaft eine ganze Gesellschaft zu beschreiben.

Hanser Berlin, 22 Euro.


Carmen Korn: „Töchter ihrer Zeit"

Anhand von vier Frauen, die alle Anfang 1900 geboren wurden, wird die Geschichte des 20. Jahrhunderts lebendig. Zwei von ihnen werden Hebammen, eine Volksschullehrerin und eine heiratet reich. Die Beziehungen untereinander, der berufliche Werdegang, die einzelnen Schicksale – alles das wird so lebendig erzählt, mit sorgfältig recherchierten Einzelheiten unterlegt, dass man nicht umhin kann, auch den 2. Teil der Trilogie „Zeiten des Aufbruchs“ zu lesen.

Kindler, 20 Euro.