Büro-Typologie

Die kleine Kollegen-Kunde

Das Büro ist ein vielfältiges Ökosystem. Hier koexistieren die verschiedensten Arten von Mitarbeitern und Schreibtischen (meist) friedlich nebeneinander. Eine Typologie der bekanntesten Vertreter.

Veröffentlicht am 01.03.2018

Die Blenderin

Gerade mal ein Vierteljahr ist sie im Betrieb und schon liegen auf ihrem Tisch Einladungen, französische Modemagazine, edle Kopfhörer und wichtig aussehende Unterlagen mit dem Vermerk „Chefsache“. Diese Sachen sind effektvoll platziert, und jeder sieht sie, denn die Blenderin ist selten da. Termine! Zum Mittagessen geht sie nur aus strategischen Gründen. Ihre Schreibtisch-Deko macht deutlich, dass sie nach Höherem strebt und dieser Tisch sowieso nur Durchgangsstation nach oben ist. Chefs fallen regelmäßig auf diesen Trick rein ... leider. 

Die Pedantin

Ihr Schreibtisch ist nicht nur aufgeräumt. Die Stifte sind gespitzt, das Telefon in exakt vermessener Reichweite, die Tastatur desinfiziert. Ihr Maileingang zeigt nie etwas anderes an als 1 oder 0. Wer sich hier mal eben einen Kugelschreiber leiht, darf sich auf eine pampige Rundmail mit der Betreffzeile „An denjenigen, der heute bei mir ...“ freuen. Spötter behaupten, dass die Pedantin mehr Zeit für die Sterilisation ihrer Umgebung aufwende als für die Arbeit. Stimmt nicht. Sie arbeitet nur eben sehr effizient und hat sich außerdem abgewöhnt zu blinzeln. 

Illustration Pedantin-Schreibtisch.

Auf Pedanten-Schreibtischen herrscht Zucht und Ordnung.


Das Phantom

Arbeitet der überhaupt noch hier? Der Schreibtisch sieht jedenfalls genauso aus wie damals beim Einzug: zwei herrenlose Kabel, ein paar vergilbte Namensschilder und ein lange verstorbener Gummibaum. Hier arbeitet das Phantom, das längst eine beneidenswerte Phase der Besitzlosigkeit erreicht hat. Sein einziges Utensil ist der Rechner, der Nutzen von irgendwelcher Deko oder ausgedruckten Seiten hat sich ihm noch nie erschlossen. Er ist in der Lage, vier Stunden lang in der gleichen Haltung auf die Tastatur einzutippen. Den armen Gummibaum oder die Aussicht aus dem Fenster hat er noch nie wahrgenommen. Genau wie den Rest der Belegschaft. 

Illustration Phantom-Schreibtisch.

Saß da nicht mal wer?


Der Messie

Warum sieht sein Schreibtisch aus wie ein kollabierter Altpapiercontainer? Der Messie arbeitet das Gleiche wie alle. Aber irgendwie funktionieren die Gezeiten der anderen Schreibtische bei ihm nicht, bei ihm ist immer Flut. Man munkelt, im Laufe der Jahre wären ganze Teeküchen-Einrichtungen und zwei Praktikanten an seinem Platz verschollen. Er selbst kann nur in dieser Umgebung arbeiten, alles andere käme ihm unprofessionell vor. Niemand möchte neben ihm sitzen. Geht auch nicht, weil er die Fläche längst annektiert hat. Weil keiner sein Chaos aufräumen möchte, ist er nahezu unkündbar. Auch eine Methode ... 

Illustration Messie-Schreibtisch.

Der Messie-Schreibtisch: ein bürointernes Bermuda-Dreieck.


Die Versorgerin

Sie ist unentbehrlich, besonders in stressigen Phasen wird ihr Platz zum Anlaufpunkt des ganzen Stockwerks. Dann holt sie Süßigkeiten, Tee, Brötchen und Likör aus den Tiefen des Schreibtisches und benimmt sich auch sonst wie eine Kaffeehaus-Besitzerin. Ihre Schubladen und Taschen – ein endloser Quell von ungesunder Nahrung, sie selbst spricht in diesem Zusammenhang gern von soul food. Diäten sind ihr Lieblingsthema und sie weiß immer, was es nächste Woche in der Kantine gibt. Unentbehrlich, die Frau. 

Illustration Versorger-Schreibtisch.

Hier gibt´s immer was: Snacks, Likörchen, gute Ratschläge.