Selbsttest: Dating-Events

Hulapalu im Single-Hotel

Wer keine Lust mehr auf Tinder hat: In Oberösterreich gibt es ein Hotel, das sich auf Singles spezialisiert hat. Wen man da trifft? Unsere Autorin ist hingefahren.

Veröffentlicht am 29.05.2018


Bademäntel. Überall Bademäntel. Einzeln, in Grüppchen, in der Lobby, an der Bar, im Restaurant. Eine leichte Swingerclub-Panik befällt mich, als ich im Aviva in Sankt Stefan am Walde einchecke. Gleich startet die „Wellness-­Beratung“, sagt die Dame an der Rezeption, „und um 14 Uhr gibt es einen Aufguss in der finnischen Sauna.“ Ein Hauch von Er­leichterung.

Ich bin in einem Single­-Hotel. Ge­schäftsführer Christian Grünbart sagt, es sei das einzige dieser Art in Europa. Eigene Alm, Craft-Beer-Brau­-Boutique und „Mehrblick“ auf die Al­penkette. Erste Lektion: Ab 1000 Hö­henmetern ist man per Du. Man verzichtet auf die üblichen Verkupplungs­methoden wie Speeddating oder Flirt­seminare. Stattdessen: Wandern, Faszien­-Stretching, wine tasting. So weit, so sympathisch. „Es ist wie beim Roulette“, sagt Grünbart, „man kann hier zusam­menkommen, muss aber nicht.“ Heißt: Ich könnte um 15 Uhr zum Wasserball, genauso gut aber am Pool in dem Ratge­ber „Die Kunst, allein zu reisen ... und bei sich selbst anzukommen“ blättern, der auf jedem Nachttisch liegt.

Ich entscheide mich gegen beides und greife beim nachmittäglichen „Sweet & Sour“­-Snack zu Obst. Zweite Lektion: Essen verbindet. Neben mir winkt A., 48, Bäuchlein, Schirmmütze, und be­grüßt mich im „Hotel California Öster­reichs“. A. ist Stammgast, quartiert sich seit acht Jahren alle drei Monate hier ein und sagt: „Klar, irgendwann muss man wieder fahren. Aber man checkt nur körperlich aus, nicht emotional.“

Beim „Make Friends"-Dinner am Abend setzt sich C. neben mich. Lustig ist das deshalb, weil sich C. das letzte Mal in der Grundschule neben mich gesetzt hat. Vor einer Woche habe er seinen Job geschmissen und sei hierhergefahren. Ich hätte mich „ganz passabel“ gehalten, attraktive Frauen gebe es hier sonst keine, bis auf die brünette Bedienung, aber beim Personal wisse er nicht so genau... Bei der anschließenden „Disco Night“ entpuppt sich C. nach einer Flasche Rot­wein dann als ganz passabler Discofox­-Tänzer, bis F. abklatscht.

F., 42, Immobilienmakler, zurückwei­chender Haaransatz, meint, er habe sich gerade ein zweites Pferd gekauft und deshalb eine Gerte im Kofferraum. Mein Stichwort, um plötzliche Ermüdung vor­zutäuschen und an die Bar zu taumeln, wo M. lehnt. Um etwaige Gerten­-Anekdoten gleich im Keim zu ersticken, packe ich meinen Liebestöter aus, sage, ich sei Jour­nalistin und auf Recherche, was zwischen „Hulapalu“ und „Atemlos“ anscheinend wie die Aufforderung zur Beichte wirkt: Er sei seit 17 Jahren verheiratet, zwei Kinder, zum vierten Mal hier und hoffe, dass diese Midlife­-Krise bald vorbeigehe. Ich hoffe, dass ich Aspirin eingepackt habe.

Am nächsten Tag fallen sich beim Aus­checken glückliche Menschen mit Rest­alkohol in die Arme, tauschen Visitenkar­ten, und dann begreife auch ich endlich: Es muss ja nicht immer gleich die große Liebe sein. Nicht hier, nicht heute. Und: Ich habe mich gut amüsiert. Der treue F. hat mich noch zum Bahnhof gefahren. Die Gerte blieb im Kofferraum und im Zug denke ich: Körperlich ausgecheckt, aber noch nicht emotional.