Dating-Events: Teil 2

Der Single-Coach

Die Liebe finden – bequem auf dem Sofa? Das verspricht ein spezielles Online-Seminar. Unsere Autorin hat den Selbstversuch gewagt.

Veröffentlicht am 01.06.2018


Den sechswöchigen Online-Kurs „Schluss mit Single. Dein Weg in eine Beziehung" zu buchen kostet ein bisschen Überwindung – und 279 Euro. Im Erfolgsfall also nicht mal so teuer … Neugierig melde ich mich auf frag-marie.de an. Ab jetzt bekomme ich von Single-Coach Marina Mernke sechs Wochen lang E-Mails mit Input, Übungen und Videos. Die heißen „Wie dein Unterbewusstsein deinen Beziehungswunsch sabotiert“ oder „Die, die mich wollen, will ich nicht“. Bei fast allen Themen fühle ich mich irgendwie angesprochen und mache wie früher ab jetzt wieder täglich: Hausaufgaben.

„Stell dir vor, dein neuer Partner kommt zu Besuch. Geh durch deine Wohnung und überprüfe, was du verändern würdest.“ Ich entferne ein paar Haare im Waschbecken, ein Foto meines Ex-Freundes und bekomme plötzlich einen Schreck: Hilfe, nein, ich will nicht, dass irgendwer seine Sachen hier abstellt oder seine Klamotten in meinen Kleiderschrank quetscht! Der Widerstand, der bei mir aufkommt, irritiert mich. Kann es sein, dass ich gar keinen Freund möchte und alleine eigentlich ziemlich glücklich bin? Die Übung stößt zumindest etwas in mir an, was ich zuvor nicht wahrgenommen habe: Ich bin gar nicht offen für jemand Neues. Noch nicht.

Bei einer anderen Übung entdecke ich, dass ich einen sogenannten „sabotierenden Glaubenssatz“ habe. Er lautet: „Alle guten Männer sind bereits vergeben.“ Die Aufgabe dazu: Nimm deinen Glaubenssatz und widerlege ihn anhand von Beispielen. Zu „Ich bin unattraktiv“ wäre der Beweis für das Gegenteil, dass mir jemand irgendwann mal ein Kompliment gemacht hat. Aber so sehr ich mich auch bemühe, mir fällt leider kein einziger Kerl ein, den ich gut finde und der noch zu haben wäre. Vielleicht hilft die Anleitung „In drei Schritten zum Glück": 1. Lächeln!

Die meisten Männer seien schlicht schüchtern. Wichtiger Zusatz: Ein Lächeln ist kein Heiratsantrag. Amüsant, denn genau das scheine ich zu befürchten, weshalb ich mein Gesicht häufig lieber im Schal vergrabe, anstatt einem Mann im Supermarkt zuzulächeln. Was, wenn er denkt, ich will was von ihm? Was, wenn er eine Freundin hat? Oder noch schlimmer: eine Fistelstimme? Bis ich das alles zu Ende gedacht habe, ist er mit seiner H-Milch schon längst über alle Berge ... 2. Fühle dich anziehend! Na ja, mal mehr, mal weniger, oder? 3. Gelegenheiten schaffen. Also nicht nur auf dem Sofa abhängen und warten, bis der Richtige klingelt. Relativ unwahrscheinlich, klar.

Der Kurs führt vielleicht nicht zwangsläufig zu einer erfüllten Beziehung, aber er schafft die besten Voraussetzungen für eine großartige Beziehung zu sich selbst. Und damit fängt ja bekanntlich immer alles im Leben an.