Beziehungsproblem: Eifersucht

Der Gift-Cocktail für die Liebe

"Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft" – den Spruch kennen wir alle. Seid ihr auch manchmal grundlos, oder fast schon krankhaft, eifersüchtig? Wo das ungesunde Gefühl herkommt und wie wir die sogenannte "Verlustangst" überwinden ...

Veröffentlicht am 23.04.2018
Eifersucht: Mann flirtet mit einer anderen Frau

Eifersucht ist in vielen Beziehungen ein großes Problem.


Definition: Was ist Eifersucht?

Eifersucht ist nichts anderes als eine schmerzhafte, emotionale Reaktion und Verhaltensweise gegenüber einer Bezugsperson. Der Duden beschreibt das Gefühl so: "Die Angst, jmds. Liebe an einen anderen Menschen zu verlieren". In der Psychologie spricht man oft von Verlustangst, einer Mischung aus Misstrauen, Neid, Angst, Ärger, Wut, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen, bis hin zu Hass.

"Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft"

Franz Grillparzer (1791 - 1872), Österreichischer Schriftsteller

Eifersucht zeigt sich meist gegenüber dem Ehepartner, Lebensgefährten oder auch der besten Freundin. In der Regel sind es Menschen, die uns Nahe stehen und von uns am meisten geliebt werden. Selbst kleine Kinder, und sogar Tiere, können eifersüchtig reagieren. Das schmerzhafte Gefühl entsteht dann, wenn wir die Bezugsperson mit einer dritten Person zu vertraut erleben und uns dabei ausgeschlossen fühlen. Der eigentliche Grund ist zu dem Zeitpunkt oft (noch) unklar …

Gründe: Woher kommen Verlustängste?

Sie sind meist auch ein Ausdruck von Unzufriedenheit. Oft liegen die Ursachen für Eifersucht in der Kindheit begraben. Aber auch aktuelle Ereignisse, sowie schlechte Erfahrungen in Beziehungen mit anderen Menschen, verstärken Verlustängste. Wir fühlen uns ausgegrenzt, nicht genügend wertgeschätzt. Experten sehen eine Tendenz zu eifersüchtigem Verhalten bei folgenden Faktoren:

  • Dauerhafter Liebesentzug
  • Zu wenig Aufmerksamkeit
  • Geringe Zuwendung/Zuneigung
  • Ständig "das dritte Rad am Wagen“ sein
  • Untreue des Partners (Seitensprung)
  • Mangelndes Vertrauen
  • Eigene Unsicherheit
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Führen einer Fernbeziehung
  • Fehlendes Selbstwertgefühl

Die Gründe, die zu Eifersucht führen, sind meist schlimm genug. Oft werden sie aber durch andere Personen noch gefördert. Es wird quasi „Öl ins Feuer gegossen“. Zum Beispiel, wenn uns die beste Freundin gesteht: „Die Sekretärin Deines Mannes hat aber eine tolle Figur". Da hören wir doch die Alarmglocken gleich lauter läuten, oder?

Auch die (sozialen) Medien verschaffen uns eher unrealistische Vorstellungen zu dem Thema. Wir lesen Schlagzeilen über den Promi, der ständig fremdgeht, sich aber in der Öffentlichkeit als Gentleman präsentiert. Sehen uns den Film über den untreuen Familienvater an, der drei Geliebte gleichzeitig managt und die Ehefrau keinen blassen Schimmer davon hat. Werden überschüttet von Serien, in denen seltsame Dreiecksbeziehungen geführt werden, alle Beteiligten zufrieden damit sind und niemand eine Spur von Eifersucht zeigt. Kein Wunder, dass wir uns da fragen: "Könnte mir das nicht genauso passieren"?

Anzeichen: Wie äußert sich Eifersucht?

In Paar-Therapien gibt rund ein Drittel aller Paare Eifersucht als Hauptproblem an. Ein bisschen davon hat allerdings noch keiner Beziehung geschadet! Im Gegenteil, die meisten von uns würden behaupten, sie hält eine Partnerschaft "am Laufen". Also müssen wir unterscheiden zwischen gesunder und ungesunder Eifersucht. Schlimmstenfalls kann sie nämlich tatsächlich zur "Sucht" werden. Folgende Symptome treten dabei verstärkt auf:

  • Unkontrollierte Wutausbrüche
  • Starke Verlust- und Bindungsangst
  • Ständiger Kontrollzwang
  • Permanente Unsicherheit
  • Unbegründetes Misstrauen
  • Entwicklung von Hass
  • Permanente Traurigkeit
  • Häufiges Gefühl der Erniedrigung
  • Ständige Angespanntheit
  • Herzrasen oder Engegefühl im Brustbereich

Wenn diese Anzeichen dauerhaft und mehrfach vorkommen, sprechen Psychologen von "Eifersuchtswahn" oder "krankhafter Eifersucht". Ist das der Fall, denken wir z. B. ständig darüber nach, ob der Partner uns fremdgeht. Dabei deuten wir bestimmte Verhaltensweisen als Hinweise oder suchen gleich selbst Beweise dafür.

Es kommt sogar oft soweit, dass wir heimlich seine Nachrichten lesen, ihm hinterherspionieren oder Kontrollanrufe tätigen. Bei so einer ausgeprägten Symptomatik schrecken wir auch nicht davor zurück, dritte Personen, wie Freunde, oder gar einen selbst engagierten Privatdetektiv, nach dem Partner auszufragen. Was wir dabei völlig vergessen: Ein derartig verstärktes, eifersüchtiges Verhalten ist für unseren Schatz ebenfalls eine Belastungsprobe …

Partner: Wie geht er damit um?

Eifersucht gilt auch als "Gift-Cocktail" für die Liebe. Wohl dosiert macht sie unseren Partner vielleicht sogar stolz, gibt ihm Anerkennung und Bestätigung. Krankhafte, permanente Verlustangst (wie oben beschrieben), macht den armen Typ aber mit der Zeit fertig. Im Grunde genommen möchten wir unserer Bezugsperson nur klarmachen, dass wir sie nicht verlieren möchten. Allerdings erreichen wir damit genau das Gegenteil: Wir vertreiben unseren Partner, da er die Situation und unser Verhalten irgendwann nicht mehr aushält. Liebeskummer ist damit vorprogrammiert.

"Eifersucht ist nicht der Zweifel an der Bezugsperson, sondern an uns selbst.“

Es kommt zu Streitigkeiten. Wir verdächtigen unseren liebsten Menschen (grundlos), werden womöglich aggressiv, machen ihm Vorwürfe oder sind ständig misstrauisch. Unsere Unterstellungen werden immer bösartiger und schränken ihn so immer mehr ein. Das Zusammenleben wird unerträglich. Wendet sich der Partner dann irgendwann ab, fühlen wir uns in unserer Eifersucht hingegen noch bestätigt.

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Eifersucht: Mann versucht sich vor seiner Frau zu rechtfertigen.

Auch der Partner ist bei Eifersucht oft vollkommen überfordert.


Tipps & Tricks: Wie Eifersucht überwinden?

Permanente Verlustängste belasten und machen auf Dauer sogar krank. Einsicht ist jedoch der erste Schritt zur Besserung! Allerdings sollten wir Eifersucht nicht versuchen zu bekämpfen, sondern nur das richtige Maß finden. Wie bereits erwähnt, ist gegen eine gesunde Form nichts einzuwenden. Um die optimale Mitte zu erreichen, hilft es, folgende 3 Ratschläge (am besten in derselben Reihenfolge) zu beherzigen:

  1. Gedanken steuern & zurückrudern

Überrennt uns plötzlich (wieder) das Eifersuchtsgefühl, gehen wir auf die Suche nach Beweisen! Und zwar nicht für die angebliche Untreue des Partners, sondern unserer eigenen "verrückten" Gedanken. Wissen wir tatsächlich, dass unsere Bezugsperson jemand anderes mehr liebt als uns? Hat sie das wortwörtlich gesagt oder reden wir es uns vielleicht ein?

Selbst wenn dem so ist, machen wir uns immer klar: Wir sind dadurch nicht weniger liebenswert! Denn unseren eigenen Wert vom Verhalten eines anderen Menschen abhängig zu machen, gibt der Eifersucht nur noch mehr Raum.

  1. Bewusstsein schärfen & hinterfragen

Nun haben wir unser plötzlich auftretendes "Gedankenkarussell" erstmals etwas beruhigt. Wir sind quasi einen Schritt zurückgegangen. Fragen wir jetzt nach dem Ursprung, wie z. B.:

  • Woher kommt dieses Gefühl?
  • Was steckt wirklich dahinter?
  • Wer oder was ist für die Eifersucht verantwortlich?
  • Hat sie tatsächlich was mit meinem Partner zu tun?
  • Was hat Verlustangst dagegen mit mir zu tun?
  • Warum reagiere ich jetzt plötzlich eifersüchtig?
  • Gab es schon mal einen ähnlichen Anlass?
  • Besteht wirklich ein Grund oder durchlebe ich ein Muster?
  • Welcher Anteil in mir ist überhaupt eifersüchtig?
  • Ist es die erwachsene Frau oder eher das kleine Mädchen (von damals)?

Oft wird uns durch diese weiterführenden Fragen bewusst, dass keine akute Gefahr besteht. Das macht uns ruhiger und gelassener. Denn die Bezugsperson mag zwar der Auslöser für Eifersucht sein, den Nährboden dafür bereiten wir uns selber – und zwar in Form eines angeknacksten Selbstwertgefühls. Dieses gilt es in nächster Zeit aufzubauen …

  1. Selbstvertrauen bekommen & stärken

Der dritte und letzte Schritt ist oft der langwierigste und schwerste: Machen wir uns bewusst, was wir Wert sind! Worin unsere Stärken liegen. Und warum unsere Bezugsperson gerade uns liebt. Manchmal hilft es, sich solche Punkte aufschreiben, um sie besser zu verinnerlichen. Es geht darum, uns mit der Zeit innerlich so stark zu machen, dass uns keine Verlustängste mehr einholen.

Denn mit einem gesunden Selbstwert verschwinden gleichzeitig viele Selbstzweifel und damit auch die Gedanken und Gefühle rund um die Eifersucht. Eine Person mit starkem Selbstvertrauen weiß, dass sie selber klar kommt – mit oder ohne Partner, mit oder ohne Eltern, mit oder ohne (beste) Freundin. Wenn wir erst mal so weit sind, machen uns Gedanken über den Verlust der Bezugsperson (die letztendlich das unangenehme Gefühl hervorruft) nicht mehr so viel aus. Wir wissen, wir stehen auf eigenen Füßen und brauchen niemand anderen, um glücklich zu sein. Und erst recht nicht die Eifersucht!

Literatur: Mehr über Verlustangst erfahren?

Autor: Rebecca Kapfinger