Erfolg im Job

… und ich mache hier die ganze Arbeit!

Ungleiche Bezahlung, langweilige Aufgaben und immer werden die anderen befördert. Wie man aus diesen fünf häufigen Job-Fallen souverän rauskommt, erklärt Coaching-Expertin Sabine Asgodom.

Veröffentlicht am 25.01.2018
Illustration Kolleginnen.

Die „liebe” Kollegin ist auf der Sonnenseite des Büros. Was tun?


Ich mache den gleichen Job wie meine Kollegin – und sie verdient mehr

Kennen Sie Bruno S. Frey? Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler hat herausgefunden: Wer mehr Geld bekommt als die Kollegen, schreibt das den eigenen Fähigkeiten zu – wer schlechter abschneidet, fühlt sich vom Chef unfair behandelt. Dabei liegt die Ursache, sorry, meistens bei einem selbst. Verhandelt man etwa beim Einstieg zu niedrig, holt man den Rückstand schwer auf. „Suchen Sie das Gespräch mit dem Chef“, rät Job-Coach Sabine Asgodom. Statt mehr Geld zu verlangen, lieber ansprechen, dass man mehr Verantwortung übernehmen will. Im Idealfall steht am Ende eine Zielvereinbarung und auf der Gehaltsabrechnung mittelfristig ein höherer Betrag.

Bis zu fünf Prozent sind mit ein, zwei Jahren auf einer Position möglich, so die Expertin. Eine Alternative sind geldwerte Vorteile wie die Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr. Blocken Vorgesetzte über Monate oder Jahre alle Versuche ab, bitte nicht extra reinhängen, sondern nach was Neuem umsehen, sagt Sabine Asgodom und empfiehlt, bei der nächsten Stelle geschickter zu verhandeln: „Die Frage nach dem früheren Gehalt mit einem knappen ‚Angemessen‘ beantworten und 30 bis 40 Prozent mehr verlangen, um ein Plus von zehn bis 20 Prozent rauszuholen.“

Manche Leute dürfen sich bei der Chefin alles rausnehmen

Ein vertrautes Verhältnis, Sonderrechte, Fehler, die schneller verziehen werden – werden emotionale und professionelle Ebene vermischt, hat man es mit einer schwachen Führungskraft zu tun, sagt die Expertin. Trotzdem wurmt es, nicht zum inner circle zu gehören? Menschlich nachvollziehbar, beruflich aber der bessere Weg. Oft leben solche Grüppchen von seltsamen Machtmechanismen und Psychospielchen. Außerdem sind Gefühle bekanntlich wie Wellen, sie kommen und gehen: Wer heute bei so einem Vorgesetzten oben ist, kann morgen unten sein. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Fähigkeiten, bieten Sie Lösungen für fachliche Probleme an. Von der Rolle als Expertin auf Ihrem Gebiet profitieren auch Sie. Spätestens dann, wenn es einen Wechsel in der Chefetage gibt.

Ich arbeite viel weg, befördert werden die anderen

Glückwunsch, Sie haben erkannt, dass in der Berufswelt nicht allein Leistung zählt, ein wichtiger Schritt. Sicher haben Sie auch schon festgestellt: Es wird nicht besser, wenn man sich immer mehr Arbeit aufhalst, in der Hoffnung, Kollegen und Vorgesetzte könnten einen für megakompetent halten. Warum kommen Sie trotzdem nicht weiter? Wahrscheinlich hakt es bei der Eigen-PR, vermutet Sabine Asgodom.

„20 Prozent der Arbeitszeit sollte man fürs Selbstmarketing verwenden“, etwa bei internen, aber auch externen Veranstaltungen des Unternehmens. Aus Kontakten und Netzwerken ergeben sich Aufstiegschancen. So etwas wie ein Beförderungs-Automatismus existiert aber nur bei Beamten. In Unternehmen gehört Glück und Geschick dazu, die nächste Stufe zu erreichen. Was man außer Networking tun kann: Klarmachen, dass man sich mehr zutraut, und Feedback geben lassen. Womöglich sieht der Chef Defizite, die man selbst gar nicht auf dem Schirm hat.

Illustration Vorgesetzte

Vorgesetzte wirken – besonders in Verhandlungen – oft übermächtig. Trotzdem sollte man sich trauen, seine Wünsche zu äußern. 


Vollzeit trotz Kind und trotzdem bekomme ich nur langweilige Aufgaben

Egal ob Mütter in Voll- oder Teilzeit arbeiten, „ihnen wird weniger zugetraut“, weiß der Job-Coach. Gefühlt wirbt heute zwar jeder dritte Konzern in Deutschland mit dem Label „familienfreundlicher Arbeitgeber“, aber am Ende entscheidet die einzelne Führungskraft: Hält sie Frauen mit Kind grundsätzlich für überforderte Muttis, kann man sein volles Job-Pensum noch so straff durchziehen, um pünktlich rauszukommen – am Ende kriegt man das mangelnde Vertrauen doch wieder zu spüren und ärgert sich doppelt. Sabine Asgodom rät, ein Strategiegespräch zu führen, Interesse an spannenden Aufgaben zu signalisieren und Ideen anzubieten, wie sich das umsetzen ließe. Es ändert sich nichts? ­Bleiben zwei Möglichkeiten: entweder in die innere Job-Emigration gehen (schlechte Lösung) oder Arbeitgeber recherchieren, bei denen Kinder tatsächlich nicht als Kompetenz-Manko gelten. Die gibt es. Wirklich.

Niemand nimmt mich ernst, weil ich die Jüngste und Einzige mit Jahresvertrag bin

Der Mensch zählt nicht umsonst zu den Primaten: Seinen Platz in der Herde muss sich jeder Neuankömmling erarbeiten, auf dem Affenfelsen genauso wie im Büro. „Sich einem Team anzupassen ist nicht die schlechteste Erfahrung“, findet die Expertin. Als Anfänger müsse man eben noch einiges lernen. Dafür haben Sie einen frischen Blick, sind motiviert und flexibel. Bleibt es bei besseren Praktikantenjobs, hilft auch hier ein Gespräch: Was sind meine Aufgaben? Wie soll die Lernkurve verlaufen? Welche Perspektiven bieten sich? Wichtig ist eine realistische Einstellung und die Bereitschaft, Reibung auszuhalten. Macht man außerdem den Job gut, kommt der Respekt schon noch und mit ihm womöglich ein Anschlussvertrag.

Sabine Asgodoms Buch „Eigenlob stimmt – Erfolg durch Selbst-PR" ist bei Econ erschienen.