Familienbande: Rolf und Adele Seelmann-Eggebert

Adel und Adele

Am 19. Mai haben Prinz Harry und Meghan Markle geheiratet – Adels­spezialist Rolf Seelmann­ Eggebert war dabei. Seine Tochter Adele kann mit den Royals wenig anfangen.

Veröffentlicht am 11.06.2018
Familie Seelmann-Eggebert.

„My home is my castle“ – nach dem Lieblingsmotto der Briten lebt Rolf Seelmann-Eggebert auch in seinem Zuhause in Hamburg. Zu Gast: Tochter Adele. 


Rolf Seelmann-Eggebert, 81

Als ich 1968 ARD-Korrespondent für Westafrika wurde, hätte ich selbst nicht gedacht, dass ich irgendwann mal als der Adelsfachmann in Deutschland gelten würde. Damals sind wir mit zwei kleinen Kindern nach Abidjan an die Elfenbeinküste gezogen. Ohne meine Familie hätte ich das nicht gewagt. Sie hat alles mitgemacht, wir sind durch dick und dünn gegangen, das rechne ich ihr hoch an. Afrika hat uns alle von Anfang an fasziniert, auch weil man dort viel mehr auf sich selbst angewiesen ist als in Deutschland. Diese Erfahrung hat uns als Familie stark zusammengeschweißt. Bis heute – und das wird Ihnen Adele sicher bestätigen – ist Afrika für uns alle ein Sehnsuchtsort. Als wir damals gerade wieder zurück in Hamburg waren, wurde dann plötzlich eine Korrespondentenstelle in London frei.

Wieder ein Umzug mit der ganzen Familie. Adele standen Tränen in den Augen, als wir die Elbe mit der Fähre runterfuhren. Ihr ist das sehr schwergefallen. In meiner Zeit in England merkte ich, dass über die Monarchie in Deutschland nur unter dem Stichwort „Affären“ berichtet wurde, das weckte meinen Ehrgeiz. Schließlich ist die Krone ein Symbol, sie steht für Einmaligkeit – besonders in Krisenzeiten erfreuen sich die Leute an ihr. Ich habe die Queen schon oft getroffen, bis heute mache ich einen viel zu tiefen Diener vor ihr, das konnte ich mir nie abgewöhnen. Adele interessierte sich allerdings nie sonderlich dafür, dass ihr Vater ein „Königsfritze“ ist ... 

Auf Meghan Markle wurde ich schon aufmerksam, als sie mit großem Engagement vor den Vereinten Nationen über Gleichberechtigung sprach. Damals gingen alle noch davon aus, dass aus ihrer Beziehung zu Prinz Harry nichts werden würde, aber ich dachte, hoppla, sie könnte die richtige Partnerin für ihn sein. Sie ist kompetent und durchsetzungsfähig, so jemand wird nicht wie ein Opferlamm vor den Altar geführt.

Das war bei Diana anders, sie musste sich damals richtig durchkämpfen. Was eine Prinzessin sonst noch braucht? Ein freundliches Wesen. Sie darf sich ihr Lächeln unter keinen Umständen nehmen lassen. Das britische Publikum ist daran gewöhnt, dass die königliche Familie omnipräsent ist. Dass sie und Kate von der Presse zu Rivalinnen erklärt werden, halte ich für dämlich, aber das passiert ja überall, wo es zwei Prinzen gibt, die heiraten. Mein britischer Kleidungsstil hat sich übrigens ganz unabhängig von meinem Interesse am Königshaus entwickelt. Seitdem ich einmal als Schüler vier Wochen in England verbracht habe, bin ich dem Humor und Laissez-faire der Briten verfallen. Seit dem Brexit verstehe ich das Land allerdings nicht mehr, aber das geht wohl vielen so. 

Rolf Seelmann-Eggebert.

Für seine Familie ist er der „Königsfritze“: Rolf Seelmann-Eggebert. 


Adele Seelmann-Eggebert, 53, die Tochter

Viel mehr als der Adel hat Afrika unsere Familie geprägt. Bis heute ist der Kontinent ein Stück Zuhause für mich, ich habe sogar dort geheiratet. Die weite, karge Landschaft, in die man kilometerweit schauen kann, liebe ich sehr. Was unsere Eltern uns vermittelt haben, ist Weltoffenheit. Mir ist das besonders während der Flüchtlingskrise bewusst geworden, denn anders als viele Leute habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie entstanden ist.

Unser Vater war als Reporter viel unterwegs, oft kam er nur kurz nach Hause, um sich frische Hemden zu holen. Ich habe damals nicht viel von seiner Arbeit mitbekommen. Das ist ein Grund, warum wir gerade gemeinsam an seinen Erinnerungen schreiben: Ich will mehr darüber erfahren, was er damals alles gemacht hat. Mein Vater lebt für seine Arbeit, sie prägt seine ganze Identität. Das ist einerseits beneidenswert, andererseits setzt es die Latte sehr hoch.

Ich war 14, als wir nach London gezogen sind. Es war, als sei ich von „Unsere kleine Farm“ in ein Sex Pistols-Konzert gebeamt worden. Ich fühlte mich wie ein Fisch im falschen Teich. Ich war schüchtern, sprach kaum Englisch, hatte die falschen Klamotten und kannte die angesagten Bands nicht. Später wurde ich Punk, färbte mir die Haare, lief mit Bomberjacke und Doc Martens herum. Mit meinem Vater lieferte ich mir Diskussionen über Atomkraft – und um die Frage, wie groß die Löcher in meinen Jeans sein dürfen. Wir haben uns auf Fünf-Mark-Größe geeinigt.

Es fing mit Lady Di an, dass er zum Adelsexperten wurde, ich habe das damals nicht verfolgt. Im Gegenteil, meine Freunde und ich waren von der Frau total genervt. Einmal hat mir ein Friseur einen Diana-Haarschnitt verpasst – ich habe die Krise gekriegt. Wer meinen Namen hört, denkt, ich kenne mich mit Königshäusern aus, dabei habe ich keine Ahnung davon. Inzwischen bin ich allerdings milder geworden. Als die Queen zu ihrem vorletzten Staatsbesuch in Berlin war, habe ich meinen Vater dorthin begleitet. Stellen Sie sich vor: Ich habe sogar einen Knicks gemacht. 

Adele Seelmann-Eggebert.

Früher Punk – heute macht Adele Seelmann-Eggebert für die Queen sogar einen Knicks. 


Biografien

Rolf Seelmann-Eggebert, geboren am 5. Februar 1937 in Berlin. Bevor er als TV-Experte für europäische Königshäuser bekannt wurde, war er ARD-Korrespondent in Afrika und London sowie Programmleiter des NDR. Er ist seit 54 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Hamburg. Hobbys: Geige, Dirigieren, Lesen.

Adele Seelmann-Eggebert, geboren am 18. November 1964 in Göttingen, wuchs in Afrika und London auf und studierte Geschichte und Französisch in Edinburgh. Sie arbeitet in der Medienbranche als Producerin, Kuratorin und Autorin, ist verheiratet und lebt in Berlin. Hobbys: Schwimmen, Kino, Reisen.