Interior-Trend: Schreibtische

Zu Tisch

Ob Designklassiker von Egon Eiermann oder Türblätter vom Sperrmüll: Sechs Power-Ladies stellen ihre wichtigsten Komplizen vor – ihre Schreibtische.

Veröffentlicht am 27.02.2018

Marcella Prior-Callwey, 42, Verlegerin

Möbel mit Geschichte
Ich arbeite an einem Jugendstil-Tisch mit Intarsien und Ledereinlage, unzähligen Schubladen links und rechts. Er ist ein Erbstück meines Urgroßvaters Georg, dem Verlagsgründer. Zugegeben, etwas anachronistisch, aber er leistet seit über 100 Jahren gute Dienste. Klarer Vorteil: jede Menge Stauraum – auch für meine tägliche Ration Vollmilchschokolade. 

Persönliche Erinnerungen
Vor drei Jahren haben wir ein Buch über das „Tantris“ herausgebracht. Seitdem habe ich einen Abguss der Fabelwesen, Markenzeichen des Sterne-Restaurants, zur Erinnerung an dieses Projekt auf dem Tisch.

Atmosphäre
Schon im Studium konnte ich besser lernen, wenn es aufgeräumt war. Heute versuche ich, jeden Montag frische Blumen zu besorgen und mein Büro wohnlich zu gestalten. 

Marcella-Prior-Callwey-Home-Office.

Marcella Prior-Callweys Schreibtisch ist ein Stück Firmengeschichte - und bietet jede Menge Stauraum für Schokolade.


Charlotte Meyer, 43, Interior-Designerin

Mix der Kulturen
Mein chinesischer Schreibtisch stammt aus einem Züricher Antiquitätenladen und steht jetzt im Münchner Homeoffice. Er passt sich seit zwölf Jahren wechselnden Räumen und Umgebungen an. Auch mit der neuen Wandfarbe („Mazarine“ von Little Greene) kommt er bestens zurecht.

Design als Motivation
Ich habe mich 2013 selbstständig gemacht und mir als Ansporn den „Lily“-Stuhl von Fritz Hansen geleistet. Oft hocke ich aber auch am Boden. Auf Sisal kommen Stoffmuster gut zur Geltung, zudem bringt es Ruhe in den Raum.

Profi-Dilemma
Während ich für meine Kunden in München, Kitzbühel und Stockholm Konzepte erarbeite, schiebe ich meine eigene Einrichtung auf die lange Bank. Die Bilder sollten längst hängen ... Aber: Einrichtung muss langsam wachsen, sonst hat sie keine Persönlichkeit.

Charlotte Meyer.

Charlotte Meyer: "Einrichtung muss langsam wachsen, sonst hat sie keine Persönlichkeit".


Rinah Lang, 42, Illustratorin 

Rinah Lang.

Rinah Lang: "Ich mag den Mix aus Alt und Neu".


Die Arbeitsfläche
Ich brauche Platz für meine Zeichnungen und Collagen. Deshalb habe ich zwei Türblätter vom Sperrmüll aufgebockt. Macht vier Meter Arbeitsfläche in meinem Berliner Atelier. Edlere Tischplatten? Wären schnell voller Farbkleckse.

Vorlieben
Ich mag den Mix aus Alt und Neu. Mein Stuhl stand in einer Berliner Schule und stammt aus den 30ern. Die Dauerleihgabe eines Freundes. Meistens arbeite ich allerdings auf einem rückenfreundlichen, aber hässlichen Bürostuhl.

System im Chaos
Ja, es gibt eine Ordnung. Meine Papiersammlung ist nach Größen in Kästen sortiert, die in den alten Kontorregalen stehen, auch ein Straßenfund.

Devotionalien
Glücksbringer, Deko, Bürotasse sind nicht mein Ding. Das Persönlichste ist die Hampelfrau an der Wand – eine Art Porträt von mir selbst.

Lilian von Trapp, 30, Schmuckdesignerin 

Ziemlich massiv
Fünf Männer mussten den schweren Beton-Esstisch in die Wohnung tragen. Ich mag die Haptik und seine Robustheit, außerdem ist er groß genug für Besprechungen, etwa mit meiner Goldschmiedemeisterin.

Vintage-Liebe
Meine Stücke fertige ich aus Altgold und Vintage-Diamanten. Um Nachhaltigkeit geht es mir auch bei der Einrichtung. Der Stuhl von Knoll aus den 70er-Jahren ist ein Fundstück vom Antikmarkt und stand mal bei einem Sultan im Palast. Die Leuchte von Lumen hat meine Mutter vor fast 40 Jahren für ihre Praxis gekauft – sie funktioniert immer noch!

Das Motto
Unordnung blockiert, deshalb versuche ich, mich mit Schönem zu umgeben, angefangen bei Skizzenbüchern von Smythson bis zum Bild von Edmond Louis, ein Spezialauftrag und Geschenk an meinen Mann Zeno.

Lilian von Trapp.

Lilian von Trapp: "Es macht mehr Freude, Dinge in schönem, aufgeräumten Ambiente zu erledigen."


Mariana Leky, 44, Schriftstellerin 

Die Möbel
Mein Schreibtisch, ein Designklassiker von Egon Eiermann, ist die Dauerleihgabe eines Freundes, der sich an einem kleineren Modell wohler fühlt. Er wirkt ganz aufgeräumt, allerdings kommen im Laufe des Tages eine Menge Kaffee- oder Teetassen hinzu. Wirklich eine schlechte Angewohnheit.

Inspiration
Ich brauche Ruhe zum Schreiben. Im Café könnte ich nie arbeiten, Musik höre ich nur in Schreibpausen.

Rudi Carrell?
Den habe ich auf einer Lesung geschenkt bekommen. Das Foto auf dem Schreibtisch zeigt meinen Großvater, den ich nie kennengelernt habe. Er steht an einer Reling, schaut aufs Meer und sieht ziemlich lässig aus. Mein Labradoodle Eddie darf auch ins Arbeitszimmer.

Immer vor Augen
Meine Notizzettel und die orangefarbene Puderdose meiner Urgroßmutter. Ein Handschmeichler.

Mariana Leky.

Mariana Leky: "Ich schreibe nur zu Hause, Ideen kommen mir aber eher in Bewegung."


Natascha Kohnen, 50, SPD-Vizechefin 

Lieblingsplatz
Ich habe einen Schreibtisch im Münchner Büro, seit Kurzem einen in Berlin und zu Hause in Neubiberg einen Esstisch aus massivem Nussholz, an dem bei Einladungen 15 bis 20 Leute sitzen können und den ich vor 15 Jahren entdeckt habe. Das ist mein liebster Arbeitsplatz, an dem ich nach dem Abendessen in aller Ruhe Reden schreibe, wenn der Rest der Familie im Bett liegt.

Lichtblick
Am liebsten arbeite ich an meinem Laptop bei Kerzenlicht. Die Hängelampen „Nur“ von Artemide haben wir gekauft, weil ihre harmonische Form zum Nachdenken anregt.

Stets griffbereit
Neben den Kerzen steht immer ein Becher mit japanischem Sencha-Tee auf dem Tisch. Wenn ich bereits die Erleuchtung hatte, schenke ich mir ein Glas Rotwein ein.

Natascha Kohnen.

Natascha Kohnen hat sogar drei Schreibtische: einen im Münchner Büro, einen in Berlin und einen zu Hause in Neubiberg.