Kolumne: 100 Zeilen Liebe

Ex-Freundinnen

Vor Jahren hat sie ihn spektakulär schlecht behandelt. Jetzt will sie mit ihm einen Kaffee trinken. York Pijahn über sein Treffen mit der Ex.

Veröffentlicht am 06.04.2018
Date mit der Ex.

„Ihr Parfum riecht immer noch nach Gurke und Apotheke", bemerkt York Pijahn beim Treffen mit seiner Ex-Freundin.


Sie hat die tief stehende Sonne im Rücken, sodass ich ihr Gesicht kaum erkennen kann. Durch meine Sonnenbrille sieht alles orange aus. Wie in einer Longdrink-Werbung. Und dann kann ich es riechen: „Eternity“. Ich fand immer, dass „Eternity“ nach Gurke und Apotheke riecht. Sie nimmt es also immer noch. Eine Duftwolke wälzt sich über den Café-Tisch. Es ist viel zu viel, man kann sich ihr nicht entziehen. „Mann, wie lang ist das her!“, sagt Kathrin fröhlich. „Keine Ahnung“, sage ich, während ich ein Lächeln anknipse und denke: acht Jahre.

Laut meinem Freund Felix hat jeder irgendwann eine Beziehung, die einem die Seele zerknüllt. Eine Seelenzerknüll-Beziehung. In der man sich zum Deppen macht und sich spektakulär schlecht behandeln lässt. Man ist lebendig wie selten und total im Eimer zur selben Zeit. Man weiß, dass es nicht funktioniert, und kann trotzdem nicht anders. Man schaut einem Autounfall in Slow Motion zu. Bis man verlassen wird und sich fühlt, als habe ein LKW auf einem gewendet. Meine Seelenzerknüll-Beziehung heißt Kathrin - und sitzt einen Meter vor mir, in einem Hamburger Café in der Abendsonne.

Es ist wie beim Klassentreffen, nur dass man sich mal mehr geteilt hat als ein Klassenzimmer. Die Haare sind dunkler, sie trägt Ringe an den Daumen. Das ist neu und sieht nach Goa-Girly in der Räucherstäbchenberatung aus. Der Kaffee kommt und ich beginne wie auf Knopfdruck ein verbales Armdrücken um die Frage, wer das glücklichere Leben führt. Und für wen es seit der Trennung besser gelaufen ist. Ich schmücke eine Afrikareise, die schon vier Jahre her ist, zum Abenteuer meines Lebens aus. Kathrin zeigt Fotos von ihren zwei Kindern und erzählt von ihrem Mann, dessen Name ich sofort vergesse, weil ich mir überlege, mit welchem Detail aus meinem Leben ich die Kinderfotos toppen kann.

Ich blättere die ausklappbare Fotoleiste auf den Café-Tisch, die meine Freundin und ich in einer Fotobox gemacht haben und auf denen wir glücklich wie Welpen in der Hundefutterwerbung gucken. „Oh, die sieht aber nett aus“, sagt Kathrin freundlich. Ich denke „Ja, und sie ist auch viel toller als du Ethno-Daumenring-Schnalle“ und sage „Danke, finde ich auch“. „Sie sieht wirklich nett aus, ich freue mich für dich.“ Wenn sie es noch mal sagt, klingt es wie Mitleid, denke ich, meine Seele beginnt angriffslustig zu knurren.

Ex-Freundinnen zu treffen bedeutet, den Verstand auf ein Was-wäre-wenn-Karussell zu setzen. Wären wir heute noch zusammen, wie würde unser Leben aussehen, hätten wir einen Kombi, Katzen, eine gemeinsame Wohnung? Die Vergangenheit zieht kurz an einem vorbei und man fragt sich: Will ich dahin zurück?

Wir bestellen Bier in Flaschen und gehen die kurze Liste der gemeinsamen Freunde von früher durch. Wir schwimmen wie Korken auf der Oberfläche unseres Gesprächs. „Ich denke übrigens gern an damals“, sagt Kathrin ansatzlos. „Es ist vorbei, aber es war schön.“ Ich nehme die Sonnenbrille ab. Die Welt wechselt von orange in eine blaue Abendstimmung. Und meine Feindseligkeit zerbröselt wie ein alter Keks. „Ja“, sage ich und gucke mir ihr Gesicht über den Tisch hinweg an. Wie ein altes Foto, das zufällig aus einem Karton gefallen ist. Man kennt das Gefühl noch, aber es ist nur noch ein Echo. Eitelkeit und ein zerbeultes Ego. Wollen wir zahlen?

Felix sagt, dass man über die Seelenzerknüll-Beziehung zwar hinwegkomme, dass es aber trotzdem immer noch wehtun könne. Und das Wichtigste sei, dass man jetzt glücklich ist. Der Kellner kommt mit der Rechnung und fragt: „Zusammen oder getrennt?” Ich lege Geld für unsere Getränke auf den Tisch und denke: getrennt. Lieber Getrennt.