Radfahren

Mein verrücktestes Fahrraderlebnis

In der myself April-Ausgabe haben wir nach Ihren verrücktesten Fahrraderlebnissen gefragt – und jede Menge tolle Geschichten erhalten. Hier kommen die fünf ungewöhnlichsten Stories.

Veröffentlicht am 15.05.2018
Radfahrerin.


1.

Ich habe doch tatsächlich beim Fahrradfahren meinen späteren Mann kennengelernt. Wir beide waren am Starnberger See unterwegs. Er kam mir entgegen und konnte aufgrund der vielen Spaziergänger nicht im erforderlichen Maße ausweichen. So kam es, wie es kommen musste: Wir touchierten uns und fielen beide vom Rad. Er, ganz Gentleman, nahm die Schuld auf sich und lud mich, quasi zur Wiedergutmachung und um mein verstauchtes Handgelenk zu kühlen, zu einem leckeren Eiskaffee beim Italiener um die Ecke ein. Der Rest ist Geschichte. 

2.

Ich komme ursprünglich aus Ungarn und bin am wunderschönen Plattensee groß geworden. Wir wohnten damals ganz nah am See, direkt neben der Bahnlinie, wo ich wegen des damals geringen Verkehrsaufkommens bereits mit sechs Jahren alleine herumradeln durfte. Eines Tages war ich mit dem knallroten (und eigentlich viel zu hohen) BMX-Rad meines großen Bruders unterwegs, als ich plötzlich sah, dass ein Zug sich von hinten den Bahngleisen näherte. Mir kam die (aus heutiger Sicht) absolut verrückte Idee, mit der Lok ein Wettrennen zu veranstalten. Von außen betrachtet sah es wahrscheinlich ziemlich komisch aus, wie ich in meinem rosaroten Minikleidchen und mit zwei geflochtenen Zöpfchen auf dem viel zu großen Männerfahrrad ein bahnbrechendes Tempo hinlegte.

Womöglich hätte ich sogar einen Weltrekord im BMX-Schnellfahren (zumindest in meiner Altersklasse) aufgestellt, wäre ich nicht auf die Metallschranke für den Fußgängerverkehr an der nächsten Kreuzung zugeflogen, die meinem Rekordversuch ein jehes Ende bereitete. Das Endergebnis: ein dreifach gebrochener Ellenbogen, eine blutende Nase, zwei aufgeschürfte Knie, ein Fahrrad mit Totalschaden und ein sehr wütender Bruder. Meine Mutter konnte sich ihr Grinsen – trotz Schreck –  nicht verkneifen, als ich reumütig vor der Tür stand, ihr aber trotzdem mit strahlendem Gesicht berichtete, dass ich das Rennen gewonnen hatte.

3.

Ich war mit meinem Fahrrad auf dem Weg ins Fitnessstudio, als mir ein Autofahrer an einer Kreuzung die Vorfahrt nahm. Vor Schreck wäre ich beinahe gestürzt, zum Glück passierte mir aber nichts. Als ich bemerkte, dass der Autofahrer, der mich in diese Lage gebracht hatte, ebenfalls vor Schreck stehen blieb, ging ich schnurstracks auf sein Auto zu, riss die Fahrertüre auf und beschimpfte ihn: "Haben Sie keine Augen im Kopf? Sie glauben wohl, dass Sie, nur weil Sie ein teures Auto fahren, Vorfahrt haben!" Er stammelte eine Entschuldigung und gestand, dass er kurz nicht aufgepasst hatte. Zwei Jahre später haben wir geheiratet.

4.

Ich traf mich seit einiger Zeit mit meinem jetzigen Freund, als wir uns in der Goldenen Bar (München) verabredeten. Da ich anschließend noch mit einer Freundin ausgehen wollte (und natürlich den Mann beeindrucken wollte), trug ich Mörder-High-Heels und ein ziemlich knappes Kleidchen. Jeder, der schon einmal in einem solchen Outfit geradelt ist, weiß, dass so ein Ritt einer Mount Everest-Besteigung in Flipflops gleichkommt. Erschwerend kam hinzu, dass mir eine überdimensionale Handtasche um den Hals baumelte.

Ich schlug mich ganz gut durch den Münchner Feierabendverkehr und war stolz auf mich selbst, dass ich die Reise gemeistert hatte, bis ich auf meinen Freund traf, der mich zunächst fassungslos anstarrte und dann losprustete. „Schöne Unterwäsche hast du da“, wieherte er. Verdutzt schaute ich an mir herunter und bemerkte erst da, dass mir mein enges Kleid dermaßen nach oben gerutscht war, dass wirklich jeder meine Unterhose sowie Teile meines Popos sehen konnte. Abgeschreckt hat es ihn nicht, wir haben nun einen eineinhalbjährigen Sohn, mit dem ich heute in fahrradtauglicheren Outfits durch die Stadt cruise. 

5.

Als Kind habe ich es geliebt, mit meinem kleinen, roten Kinderrad an der Seite meiner Oma zu fahren. Wenn diese anmutige Frau hoch oben auf ihrem wunderschön braun glänzenden Hollandrad neben mir ins Grüne fuhr und dabei wie ein Schutzengel über mich wachte, machte mich das sehr glücklich. Die Jahre zogen ins Land, die Ausbildung und das Studium minderten den Kontakt und unsere gemeinsamen Ausfahrten hörten irgendwann auf. Nach dem Tod meiner Oma wurde ihr kleiner Haushalt schnell aufgelöst, ohne dass die nahen Verwandten nach Erinnerungsstücken Ausschau halten konnten.

Nach ca. einem Jahr machte ich auf einem Flohmarkt in der Heimatstadt meiner Oma eine unglaubliche Entdeckung. Da stand es einfach vor mir: Das wunderschöne Hollandrad meiner geliebten Oma! Für 20 DM nannte ich es wieder mein Eigen und fuhr es noch einige Jahre – trotz seiner veralteten Technik – zu ganz besonderen Gelegenheiten. Das Rad hat seinen Weg zurück zu mir gefunden und die Erinnerung an die anmutige Frau an meiner Seite, hoch oben auf ihrem Hollandrad, wird mir ewig bleiben.

Die Namen der Verfasser sind der Redaktion bekannt.