Raumdüfte von Saskia de Knegt

Ein Lichtblick

Wie die Holländerin Saskia de Knegt mit ihrem Unternehmen WOO Entwicklungshilfe betreibt – mit Durftkerzen und Raumsprays.

Veröffentlicht am 28.12.2017
WOO-Gründerin Saskia de Knegt

WOO-Gründerin Saskia de Knegt gibt Menschen eine neue Perspektive.


Man müsse auf eigenen Füßen stehen, selbst wenn man nicht laufen könne, sagt Saskia de Knegt. Klingt nach einer Phrase, ist aber keine. Die Frau weiß sehr genau, wovon sie spricht. Über Jahre war sie an einen Rollstuhl gefesselt, lange bevor sie WOO gründete, eine Lifestyle-Marke, die handgefertigte, nachhaltig produzierte Duftkerzen, Raumdüfte und Accessoires anbietet.

World of Opportunities

WOO steht für „World of Opportunities“, ein Unternehmen, das sozial benachteiligte Menschen (zu 90 Prozent Frauen) ausbildet, fair bezahlt und ihnen dadurch ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Aber es sei kein Charity-Projekt. „Man kauft die Produkte nicht, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, sondern wegen der Qualität“, erklärt die 55-jährige Niederländerin. Die Duftkerzen etwa stammen aus Vietnam. Die Frauen dort sammeln alte Flaschen, die sie reinigen, zerschneiden, sandstrahlen und mit einer Mischung aus Bienenwachs und nachhaltig produzierten pflanzlichen Ölen füllen.

Die Parfums liefert ein Schweizer Unternehmen, die Dochte kommen aus Deutschland. „Ich vernetze Menschen, die eine Chance brauchen, mit denen, die eine bieten können.“ Die Arbeiterinnen können ihre Familien mit dem Einkommen ernähren. Es sei etwa zehnmal höher als üblich. „Außerdem erleben die Frauen, dass sie nicht schwach und abhängig sind. Das gibt ihnen Würde und Stolz zurück.“

Vietnamesische Arbeiter bei der Herstellung von WOO-Produkten

Das Unternehmen WOO ermöglicht Arbeitern in Entwicklungsländern ein selbstbestimmes Leben.


Ein Leben zwischen Amsterdam und Ho-Chi-Minh-Stadt

Wie sich Schwäche und Abhängigkeit anfühlen, weiß Saskia de Knegt nur zu gut. Als 21-jährige Medizinstudentin wurde sie durch eine Virusinfektion in Afrika gelähmt. Fünf Jahre verbrachte sie im Rollstuhl, ohne in dieser Zeit in eine Opferrolle zu fallen. Wie die Frauen von WOO. Mit 26 Jahren kehrte sie an die Amsterdamer Uni zurück, studierte Medizin, hängte ein BWL-Studium in den USA an und wurde zur Expertin im Bereich „Healing Organisation“, bis sie 2006 schließlich nach Vietnam ging, um dort für die Vereinten Nationen in der Aids-Hilfe zu arbeiten.

Ihr Mann blieb in Amsterdam, die vier Töchter (die jüngste war damals ein Jahr alt) nahm sie mit. In dieser Zeit entstand die Idee für WOO. Wieder in Amsterdam entwickelte sie das Konzept. Ihr ging es um Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Werte, die in Vietnam traditionell keinen hohen Stellenwert haben. Der Anfang war hart, eine One-Woman-Show, die sie zunächst aus eigener Tasche finanzierte. Vor fünf Jahren war es dann so weit. WOO wurde mit großem Erfolg in Paris vorgestellt.

Berufung statt Job

Inzwischen hat das Team 30 Mitarbeiter, Saskia de Knegt pendelt weiterhin zwischen Amsterdam und Ho-Chi-Minh-Stadt und will in Europa, Asien und den USA expandieren. Offenbar braucht diese Frau keine Ruhephasen. Okay, einmal in der Woche gönne sie sich eine Massage, aber jeder andere Tag hat 18 Arbeitsstunden – es sei eben nicht nur ein Job, sondern eine Mission. Saskia de Knegt ist überzeugt, dass ein Mensch die Welt verändern kann. Klingt wieder nach einer Phrase, ist aber keine.