Rechte Szene

Liebe am rechten Rand

Wenn sich das eigene Kind in einen Rechtsradikalen verliebt, ist die Sorge groß, dass es selbst in die radikale Szene gerät. Wie kommuniziert man seine Bedenken? Unsere Expertin rät zu: Fingerspitzengefühl.

Veröffentlicht am 23.01.2018
Frag Frieda.


Meine Nichte zieht mit einem Rechtsradikalen zusammen, das schockiert mich. Meine Familie meint, ich würde mich da reinsteigern …

Seit wir uns verstärkt mit rechtsgerichteten Parteien auseinandersetzen müssen, bezeichnen wir deren Anhänger ziemlich schnell als Rechtsradikale, Rechtsextremisten oder Nazis. Nur sind die Begriffe genauso verschwommen wie das Gedankengut dahinter: Wer Ausländer ablehnt, muss nicht rechtsradikal sein, sondern hat eine problematische Einstellung. Und die haben erschreckend viele, wie die Bundestagswahl gezeigt hat. Umso nachvollziehbarer ist Ihre Sorge. Damit Sie Klarheit gewinnen, sollten Sie sachlich bleiben – mit professioneller Hilfe. In jedem Bundesland gibt es sogenannte Demokratiezentren, die Gespräche anbieten, Adressen finden Sie im Netz.

In der Beratung wird der Einzelfall analysiert: Welches Verhalten haben Sie wahrgenommen, welche Parolen, Aufkleber oder andere Symbole? Die Experten können sie einordnen, weil sie sich auskennen in der rechten beziehungsweise radikalen Szene, die sich regional unterscheidet. Viele Angehörige verspüren ein Gefühl der Ohnmacht, warten aber zu lange, bis sie sich Hilfe holen. Aus Scham oder weil sie hoffen, dass sich alles als Spleen herausstellt. Die Experten können Ihnen helfen, eine individuelle Kommunikationsstrategie zu entwickeln. Im Kern muss ein Gedanke stehen: Du als Mensch bist mir wichtig, aber diese Ideologie akzeptiere ich nicht. Es ist wichtig, den Kontakt zu halten – zur Nichte, zu deren Freund und zum Rest der Familie. Denn je zerstrittener diese ist, desto größer ist die Chance der rechten Szene, sich als attraktiver Familienersatz anzubieten.

Wenn Sie ebenfalls ein Thema haben, das Sie umtreibt – mailen Sie an: fragfrieda@myself.de.