Reise-Trend: Mexikos Südwesten

Auf nach Oaxaca

Der Südwesten Mexikos ist der neue Hotspot auf der Landkarte von Genießern, Abenteurern und Design-Liebhabern. Denn in Oaxaca lebt man im „ritmo de playa“ – hier hat es niemand eilig.

Veröffentlicht am 17.11.2017

Der Carrizalillo-Strand: Die 167 Stufen Abstieg lohnen sich.


Einmalige Natur

Eines vorab: Das Erdbeben im September hat Mexiko schwer getroffen. Auch in Oaxaca gibt es Schäden, das Epizentrum jedoch lag südlicher (siehe Karte). Zum Glück, denn spätestens seit die New York Times Puerto Escondido in der Provinz Oaxaca auf ihre Liste der Plätze, die man 2017 besuchen muss, gesetzt hat, ist der kleine Küstenort auf dem Radar der traveller aufgetaucht. Strände gibt’s wie Sand am Meer. An der Playa Zicatela etwa finden Weltklasse-Surfer gigantische Rohrwellen, zur paradiesischen Playa Carrizalillo führen zwar höllische 167 Stufen hinab, dafür belohnt die Bucht einen mit weißem Sand, türkisfarbenem Wasser, und manchmal paddelt sogar eine Wasserschildkröte vorbei.

Das überlaufene Tulum an der Ostküste ist da ganz schnell vergessen! Und im Landesinneren wartet ein echter Superlativ: Der Árbol del Tule in Santa María del Tule ist mit 46 Metern Umfang der dickste Baum der Welt und wird von den Ureinwohnern, den Zapoteken, als „Baum des Lebens“ verehrt. Ganz in der Nähe ziehen versteinerte Wasserfälle, die Hierve el Agua, Besucher in ihren Bann. Die Quellen oberhalb sehen wie ein bizarrer weißer Infinity Pool aus. „Am besten nimmt man einen Mietwagen und kommt erst nach 17 Uhr, wenn die Touristenbusse weg sind“, rät Pia Riverola, die spanische Fotografin hat lange in Oaxaca gelebt.

Das Erdbeben im September hat hauptsächlich Juchitán getroffen. Die Region um Oaxaca und Puerto Escondido wurde weitgehend verschont.


Sticht ins Auge: Pflanzenskulptur aus Orgelpfeifenkakteen im ethnobotanischen Garten.


Künstlertreff

Jessica Chrastil ist die Instanz in Oaxaca in Sachen Kunst. In der von ihr gegründeten Residenz „Pocoapoco“ wohnen Kreative aus der ganzen Welt. Besucher können sich für Ausstellungen, manchmal auch für ein Abendessen mit den Künstlern, anmelden. Ein weiterer Hotspot: „Casa Wabi“ in Puerto Escondido, Künstlerresidenz des japanischen Architekten Tadao Ando (die Bungalows sind auch für Touristen ohne künstlerische Ambitionen buchbar). Wer sich anmeldet, darf auf dem Areal lustwandeln.

Von der Wiederentdeckung der Handwerkskunst profitieren besonders Frauen, die noch in uralter Tradition Hüte, Körbe oder Keramiken fertigen. Moderne Interpretationen findet man zum Beispiel bei „Xaquixe“, einer Glasbläserei. Einen guten Einblick in die Designszene bietet das „Centro de las Artes de San Augustin“, 20 Kilometer nördlich von Oaxaca. Und wer shoppen will, dürfte im Mercado de Artesanías in Oaxaca fündig werden.

Plan fürs nächste Leben: Künstler werden und in der „Casa Wabi“ residieren.


Mayas ohne Massen

Abseits der Touristenströme hat man Ausgrabungen und Maya-Ruinen fast für sich alleine. „Monte Albán, die alte Hautstadt der Zapoteken, oder die Palastanlage Mitla sind genauso beeindruckend wie die Maya-Anlagen in Tulum“, findet Pia. Auch im ethnobotanischen Garten mit seinen 1400 einheimischen Pflanzenarten, von Künstler Francisco Toledo eher als Installation angelegt, lässt man nur kleine Gruppen hinein (Führungen auf Englisch, Dienstag, Donnerstag, Samstag um 11 Uhr).

Bei einer echten Fiesta mexicana tragen die Frauen Tehuana-Trachten aus üppig besticktem Samt.


Robinson-Feeling

An den meisten Stränden rund um Puerto Escondido werden Bootsausflüge angeboten. Einsame Buchten anlaufen – das geht nirgendwo einfacher. „Ein paar Stunden die Küste entlangschippern, eine Angel ins Wasser halten, einen huachinango oder eine Dorade fangen und anschließend am Strand in einer der kleinen Buden grillen lassen – für mich der perfekte Wochenendausflug“, schwärmt Pia Riverola. Wer den paradiesischen Zustand verlängern will, mietet im „Lagunas de Chacahua“-Nationalpark einfache cabañas und verbringt die Nacht dort (ab 7 Euro). Wenn dann noch das Plankton im Meer bei Vollmond leuchtet, will man nie wieder weg.

Quelle des Staunens: die versteinerten Wasserfälle und Naturpools Hierve el Agua.


Entdeckung für Foodies

„Criollo“ heißt der Laden von Enrique Olvera, der zu den Top-20-Köchen der Welt zählt. Kein Schild, keine Website – und doch wissen Gourmets, wie sie in die Calzada Madero kommen und vor allem, was sie dort erwartet. Eine moderne Interpretation der regionalen Küche: Tacos, Ceviche, Guacamole (Hauptgerichte für maximal 13 Euro). Überhaupt, Moles! Die Saucen mit bis zu 30 Zutaten sind Hauptdarsteller und Spezialität in der Küche Oaxacas. Star-Koch Alejandro Ruiz räumt ihnen auf seiner Speisekarte im „Casa Oaxaca“ viel Platz ein und verrät in Kochkursen alles über die Zubereitung sowie die Geheimnisse der Chilis, von denen es in Mexiko über 90 Sorten gibt.

Den Bogen raus: Restaurant unter den Kolonnaden des Hotels „Quinta Real“ in Oaxaca.


Oaxaca wird „Land des ewigen Frühlings“ genannt. Eis ist dennoch ein Hit.


Fiesta mit Mezcal

Wer scharf isst, verträgt auch starke Getränke. Mezcal ist die Spezialität Oaxacas und so was wie der ungezähmte Bruder des industriell hergestellten Tequilas. Schon morgens kommt hochprozentiger Agavenschnaps auf den Tisch, und im März oder April wird jährlich die „Mezcal Amarás Experience“ in den Feldern gefeiert, eine inoffizielle Party für Insider. Wer sich durchprobieren und zumindest einige der fast 3000 Familien-Destillerien, sogenannten palenques, kennenlernen möchte, wendet sich am besten an Alvin, er ist so eine Art Botschafter des Mezcal (mezcaleducationaltours.com). Wer etwas anderes trinken will, kann es mit einer ebenfalls typischen michelada versuchen, einem Mixgetränk aus Bier, Tomatensaft und Muschelsud.

„¡Salud!“ Mezcal trinkt man traditionell aus „jícaras“, kleinen Holzschalen.


Zehn Kilo Agavenherzen ergeben einen Liter Mezcal. Pias Favorit: „Mezcal Amores“.


Hübsche Hotels

Auch in Sachen Übernachtungsmöglichkeiten hat man hier nicht geschlafen. Neu eröffnet hat „Los Aman- tes“, ein charmantes Boutique-Hotel im Zentrum Oaxacas (ab 170 Euro). Von der Dachterrasse blickt man auf die Kirche Santo Domingo de Guzmán. Ganz für sich ist man in der „Casa Tiny“. Ein minimalistisches Architektur-Highlight für zwei – aus Beton mit Privatstrand in der Nähe von Puerto Escondido (über airbnb. com, ab 86 Euro). Ähnlich stylish, nicht ganz so einsam: „Hotel Escondido“ mit 16 Zimmern, sechs Kilometer entfernt und direkt am Strand gelegen (ab 240 Euro).

Einfach spitze! 4000 Kakteenarten ragen bizarr in den Himmel über der Wüste.


Pia Riverola, 28. Die spanische Fotografin hat ein paar Jahre in Oaxaca gelebt. „Das Licht, die Natur, die entspannten Leute und das Essen lassen mich immer wiederkommen.“