Schönheitsköniginnen

Meet Mrs. Germany …

Zwischen der dienstältesten und aktuellen Schönheitskönigin liegen fast 60 Jahre. Was sich in all den Jahrzehnten verändert hat?

Veröffentlicht am 26.05.2018

… 1957

Gerti Hollmann Daub, 80, dienstälteste Schönheitskönigin

Vor über 60 Jahren wurde Gerti Hollmann Daub zur Miss Germany gekrönt – ein Titel, der ihr Leben auf den Kopf stellte.


Die Misswahl im Jahr 1957

Das war ein gesellschaftliches Ereignis. Die Miss wurde vom Publikum und einer Jury gewählt. Ich war überglücklich, als ich gewonnen hatte. Die Zeitungen titelten „Grace Kelly wurde Miss Germany!“, weil ich ihr so ähnlich sah. 

Wie der Titel mein Leben verändert hat 

Ich reiste um die halbe Welt, flog nach Brasilien – das war der erste Lufthansa-Flug nach Südamerika nach dem Krieg –, wurde empfangen wie ein Staatsoberhaupt, mit rauschenden Festen, und bekam eine Privataudienz beim Papst in Rom. Der Titel brachte Prestige und tolle Erfahrungen, finanziell hat es sich aber nicht gelohnt.

Was richtig anstrengend war 

Ständig unterwegs, wenig Schlaf, immer gute Laune haben und dabei stets perfekt aussehen – der Druck ist immens.

Mein tägliches Beauty-Ritual 

Ohne Lippenstift und lackierte Fingernägel gehe ich nicht aus dem Haus. Ich lege großen Wert auf Pflege. Gesichts- und Augencreme massiere ich mit einer speziellen straffenden Technik ein. Ich bin staatlich geprüfte medizinische Kosmetikerin.

… 1995

Beate Almer, 47, Inhaberin einer Modelagentur

Damals und heute: Vor 23 Jahren holte Beate Almer den Titel. 


Was sich durch den Titel verändert hat 

Ich war Bauzeichnerin, wollte aber unbedingt beim Schönheitswettbewerb mitmachen. Ein Jahr danach wurde ich sogar Vize-Queen of the World. Später modelte ich für die Beautymarke Christine Kaufmann bei HSE24.

Das Beste an Jetset und Glamour 

Ganz ehrlich, die Aufmerksamkeit war großartig. Ich habe es sehr genossen, im Mittelpunkt zu stehen. Man steigt in den besten Hotels ab, reist viel, und Tagesgagen betrugen auch mal 1000 Mark. Wem würde das nicht gefallen? Heute liebe ich allerdings mein bodenständiges Leben in Südtirol.

Wie wichtig Schönheit ist

Wer gut aussieht, hat es leichter im Leben. Klingt oberflächlich, ich bin aber überzeugt davon. Um Erfolg zu haben, braucht man aber auch Grips und Geschäftssinn. Schönheit allein reicht nicht.

Einmal Miss, immer Miss

Nach einem Jahr wird neu gewählt, die Kontakte bleiben aber. An die Kunden, die mich früher gebucht haben, vermittle ich heute Models aus meiner Agentur.

… 2002

Katrin Wrobel, 40, Moderatorin und Schauspielerin

Katrin Wrobel war Zahnarzthelferin, bevor sie 2002 zur Miss Germany gekürt wurde. 


Wie es dazu kam 

Nach einem langen Arbeitstag in der Praxis habe ich mich aus reiner Neugier bei der Wahl zur Miss Neukölln angemeldet und sogar gewonnen. Dann ging’s weiter zur Miss Berlin und schließlich die Miss Germany-Wahl – realisiert habe ich das erst, als ich die Krone trug.

Miss Germany als Sprungbrett 

Schon als Kind spielte ich gern Theater, also nahm ich Schauspiel- und Moderationsunterricht. Der Wirbel um meine Person kam mir gelegen, so konnte ich meine Karriere anschieben. Ich kündigte den Vertrag mit der Miss Germany Corporation, um mich ganz auf meinen neuen Job zu konzentrieren.

Mein Schönheitsgeheimnis

Meine Hühner! Die schenken mir Gelassenheit. Mittlerweile lebe ich mit Mann und Tochter in einem uralten Haus mit Garten in Berlin. Babs, Berta und Barbara waren unsere ersten Hühner, mittlerweile sind es 22, dazu kommen Wachteln, Kaninchen und Fische. Das macht mich glücklich.

… 2018

Anahita Rehbein, 23, amtierende Miss Germany

Charmant, witzig, klug: Anahita Rehbein ist amtierende Miss Germany.


Die größte Herausforderung 

Vor dem Finale gibt es ein Camp, in dem sich alle 22 Teilnehmerinnen kennenlernen. Da geht es um Choreografien für die Show, aber auch darum, sich zu beweisen und herauszufinden, was man gut kann. Man steht dabei permanent unter Beobachtung – das ist hart.

Was sich an der Misswahl geändert hat 

Die Organisation hat die Regularien gelockert, das finde ich gut. Jetzt dürfen Bewerberinnen auch verheiratet sein und Kinder haben. Das ist zeitgemäßer.

Typische Vorurteile

Ich mag das Püppchen-Image nicht, trage gern lässige Klamotten und bin am liebsten ungeschminkt. Auch mein schwäbischer Dialekt ist mir wichtig. Als Miss repräsentiert man mehr als eine hübsche Hülle. Wir haben auch eine Vorbildfunktion.