Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Mein Chef bedrängt mich

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt. Umso wichtiger, dass man sich – egal, ob im Job oder Privatleben – dagegen zur Wehr setzt.

Veröffentlicht am 17.04.2018
Frag Frieda.


Alle wissen, dass mein Chef Frauen bedrängt – aber keiner sagt was. Mich hat er vor zwei Jahren massiv belästigt. Ich hab nie darüber gesprochen, aber seit der #MeToo-Debatte überlege ich, ob ich was sagen soll. 

Der Zeitpunkt scheint tatsächlich günstig. Wann, wenn nicht jetzt? Insofern ist die #MeToo-Bewegung ein Glücksfall, weil sie zeigt: Sie sind nicht allein. Endlich trauen sich Frauen, sich gegen sexuelle Belästigung zur Wehr zu setzen. Endlich wird über Strukturen diskutiert, die diesen Machtmissbrauch überhaupt erst ermöglicht haben. Doch bevor Sie die Flucht nach vorne wagen, sollten Sie überlegen, warum keine der Kolleginnen etwas unternommen hat: Hatten sie Angst um den Job? Hatten sie Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird? Und wie vertrauenswürdig ist der Betriebsrat – falls es so was gibt?

Auch wenn die Berichterstattung eine neue Transparenz suggeriert, sind die Firmenstrukturen ja nicht anders als vor zwei Jahren. Schließlich wurde das Fehlverhalten von allen geduldet. Stellen Sie sich also darauf ein, dass es ungemütlich wird. Am besten, Sie wenden sich an eine externe Beratungsstelle, um eine Strategie zu entwickeln – und besorgen Sie sich einen Anwalt. Möglicherweise finden Sie in der Firma auch Mitstreiterinnen. Grundsätzlich sollten Sie die Vorfälle schriftlich melden, etwa beim Betriebsrat, in der Personalabteilung oder bei der Geschäftsleitung. Alternative: Sie erzählen alles einer Vertrauensperson und protokollieren das. Zudem sollten die betroffenen Frauen Anzeige erstatten. Sexuelle Belästigung ist eine Straftat.