Dating-Events für Singles

Der Flirt-Spaziergang

Date to go: acht Kilometer um die Alster. Ob das was bringt? Unsere Autorin hat es ausprobiert.

Veröffentlicht am 08.06.2018


Es ist Mittwochabend, und in „Wechseln!“, mein nächster Partner ist Hamburg gießt es aus Eimern. Weil ich auf Kaffee-Entzug bin, hämmert in meinem Kopf eine Migräne – mittelgute Voraussetzungen also für den „Meetup"-Spaziergang um die Alster. Aber ich nehme es sportlich. Im ausgedienten Parka meines Sohnes stehe ich am vereinbarten Treffpunkt, bis genügend Teilnehmer eingetrudelt sind (leichter Männerüberhang). Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Nieselregen setzt sich das Gruppen-Blind-Date in Zweierpärchen in Bewegung. Vor uns liegen acht Kilometer, und ich denke: Im Pulk zu gehen fühlt sich an, als seien wir Pinguine auf Speed.

Der Nächstbeste gibt mir die Hand und fängt an zu quasseln. Er sei Makler, oder war es Versicherungsvertreter? Ich kann seiner Erzählung nur schwer folgen, weil ich die Paare vor, hinter, links und rechts von uns höre. Gruppenveranstalter Hamed hatte im Vorfeld gesagt, man müsse nicht reden, zuhören sei auch voll okay. Also höre ich zu. 

Nach zehn Minuten schreit Hamed „Wechseln!", mein nächster Partner ist ein junger Typ, der was mit Schiffen macht, und Stammgast. Er sagt, er sei 20. Ich denke: Oh, wie mein Sohn. Ob ich Sport mache? Yoga, sage ich. Würde seine Mutter auch machen. Und weil ich mich sowieso schon wie die Mutti im Funktionsanorak fühle, frage ich, ob er hier denn schon mal jemanden kennengelernt habe? „Ja, jedes Mal!“ Immerhin, denke ich, ein Optimist. Die große Liebe dürfte noch nicht dabei gewesen sein, sonst würde er mit ihr jetzt garantiert lieber auf dem Sofa knutschen, als freiwillig durch den Regen zu waten.

Vor mir liegen noch sieben Kilometer, auf denen ich erfahre, dass der Mathematikprofessor seit Kurzem getrennt ist und der Computerfachmann Berlin nicht so geil findet. Nach zwei Stunden erreichen wir den Parkplatz und verabschieden uns. Und ich muss sagen: Es ist gar nicht so blöde, die eigene Komforth9zone zu verlassen. Selbst wenn es einen durch seetiefe Pfützen führt und am Ende kein Date auf einen wartet – dafür aber ein glasklarer Geist.