Tratsch am Arbeitsplatz

Heimliche Lästereien dulden?

Wenn man Opfer von Lästereien im Büro wird, bringt einen das in die Bredouille. Unsere Expertin rät dazu, das nicht auf sich sitzen zu lassen, sondern offen anzusprechen.

Veröffentlicht am 01.06.2018
Frag Frieda.


Per Zufall habe ich eine Mail bekommen, in der eine Kollegin über mich lästert. Soll ich sie an­sprechen – obwohl der Text nicht für mich gedacht war?

Kaum etwas ist so unangenehm, wie beim Lästern erwischt zu werden. Ganz gleich ob man Opfer oder Täterin ist. Man möchte sich am liebsten unsichtbar machen. Doch das einzige Mittel gegen die Folgen einer heimlichen Lästerei ist, offen damit umzugehen. Sprechen Sie Ihre Kollegin auf die Mail an. Selbst wenn sie nicht an Sie adressiert gewesen ist, ist sie nun mal in Ihrem Postfach gelandet. Nichts zu sagen würde bedeuten, das Verhalten der Lästernden zu übernehmen, das Sie als unfair empfinden. Wagen Sie die Flucht nach vorne. Fragen Sie Ihre Kollegin, warum sie ihre Kritik nicht direkt äußert, ob es etwas zu besprechen gebe? Das stärkt Ihre Position.

Sie sind Handelnde und kein Opfer mehr und fordern damit den Respekt ein, der Ihnen zusteht. Solche Gemeinheiten kränken nicht nur, sie beeinflussen auch die Kollegen. Dass das einem vertrauensvollen Arbeitsklima schadet, dürfte der E-Mail-Verfasserin einleuchten. Sie haben also allen Grund, empört zu sein – sollten aber auch nicht zu streng sein: Wir lästern ja alle. Durchschnittlich 65 Stunden im Jahr, wie eine Studie herausgefunden hat. Und ehrlich gesagt hat Tratsch auch durchaus positive Seiten. Er hilft, uns selbst besser einzuschätzen und innerhalb einer Gruppe zu positionieren. Am Ende ist es ein urmenschliches Bedürfnis, Geschichten zu erzählen. Nur bitte, und das stellen Sie ja klar, nicht auf Ihre Kosten. 

Wenn Sie ebenfalls ein Thema haben, das Sie umtreibt – mailen Sie an: fragfrieda@myself.de.