Die Geschichte der Diät

Wie konnte es nur so weit kommen?

Dick oder dünn: die Diät – ein einziger Jo-Jo-Effekt. Von der Völlerei im antiken Rom bis hin zu Size Zero in den Nullerjahren: Hier kommt die kleine Chronologie der Schlankheitskuren.

Veröffentlicht am 12.04.2018

Antike bis Mittelalter 

Während die Griechen wie Athleten aussehen wollen und der Arzt rät, wenig zu essen, viel zu erbrechen, auf hartem Boden zu schlafen, Sport zu treiben und keinen Sex zu haben, veranstaltet man in Rom eine Fressorgie nach der anderen. Wer schlank ist, gilt hier als arm, krank und unfruchtbar. Schade, dass ab 380 n. Chr. der große Spielverderber Christentum das Sagen hat. Völlerei ist nun Todsünde. Bis ins Mittelalter ist der Dünne der bessere Gläubige. Wer trotzdem zunimmt, lässt sich im 11.  Jahrhundert in den heißen Sand Süditaliens eingraben, um die Kilos auszuschwitzen.

Rubensfrauen.

1635 – Runde Sache: Wer im Spiegel nur Dellen und Hüftgold sieht: Gratulation! Rubens hätte ein Kunstwerk daraus gemacht. 


Renaissance bis 19. Jahrhundert 

Todsünde? Whatever. Der Renaissance-Mensch besinnt sich auf seine römischen Vorfahren. Kurven sind wieder Statussymbol. Bis 1863 der erste Diätratgeber erscheint und zum Weltbestseller wird, damals noch unisex. Kaiserin Sisi macht das ­Hungern erst zum Frauentick. Ihr Wespentaillenumfang von 46 Zentimetern wird zum Schönheitsideal. Mittags isst sie nur zwei Orangen. ­Danach geht sie stundenlang reiten, fechten und zum Hantel­training ins Fitnesszimmer. Zwanghaft protokolliert sie ihr ­Gewicht. Klarer Fall von Magersucht, würde man heute sagen.

20. Jahrhundert 

Erleichterung: Das Korsett gerät aus der Mode. Also, das aus Draht und Stoff. An seine Stelle tritt leider ein geistiges, in Form von Radikalkuren wie William Hay’s Trennkost oder Kalorienzählen nach Dr. Lulu Peters. Dralle Kurven werden erst mit dem Wirtschaftsaufschwung der 1950er wieder chic, siehe Marilyn Monroe. Halbwertszeit des Drallheits-Revivals: ultrakurz. Wie die Röcke von Twiggy, die ab den 60ern den neuen Magerwahn auslöst.

Kate Moss.

1990er – Weniger ist weniger: Dürr ist das neue dünn. Modeln wird mit Kate Moss ein Knochenjob. 


Heute 

Wer denkt, tiefer als Kate Moss’ Heroin-Chic der 90er kann das Schönheitsideal nicht sinken, erlebt in den Nullerjahren mit Size Zero ein Rekordtief. Und 2018? Is(s)t noch immer keiner wieder normal. Jaja, Body Positivity – der Diätmarkt macht trotzdem über zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. ­Wöchentlich werden alte Diätmythen widerlegt und neue etabliert. Weight Watchers klingt längst retro, Clean Eating und Paleo aber auch schon ziemlich 2013. Das neueste Ding ist angeblich ­Intuitive Eating. Einfach essen, worauf man Appetit hat. Genial.

Frau mit Pizza in der Hand.

2018 – Geschmäckle: Pizza ohne schlechtes Gewissen? Geht! Mit „Intuitive Eating“ – einfach essen, was schmeckt.