Die Geschichte des Parfums

Wie konnte es nur so weit kommen?

Kleopatras einparfümierte Schiffssegel, Goethes getränkte Taschentücher und verrückte Layering-Kompositionen – riecht nach einer heißen Story. Hier kommt die Kulturgeschichte des Parfums.

Veröffentlicht am 09.06.2018


3000 v. Chr.

Man muss schon Gott oder tot sein, um in Ägypten in den Genuss von wohlriechenden Substanzen zu kommen. Der Rauch verbrannter Kräuter und Harze soll die Götter gnädig stimmen, daher der Name: per fumum. Verstorbene Herrscher werden dermaßen ambitioniert einbalsamiert, dass den Archäologen der Geruch noch Jahrhunderte später aus den Sarkophagen entgegenschlägt. Pharaonin Hatschepsut verwendet Öle und Salben aus Anis, Rosmarin und Zitrone als Körperpflege. Und Kleopatra parfümiert angeblich sogar die Segel ihres Schiffs, damit Marcus Antonius ihre Ankunft übers Meer erahnt, bevor er sie erblickt. 

15. bis 17. Jahrhundert

In Europa indes müffelt man munter vor sich hin. Erst durch den Aufstieg Venedigs gelangen die Duftgeheimnisse des Orients in den Okzident und ätherische Öle in den Handel. Düfte sollen allerdings noch vorrangig die Luft desinfizieren, man glaubt, Krankheiten verbreiten sich durch Gestank. Aus Angst vor schmutzigem Wasser trauen sich weder Pöbel noch Adel zu baden. Daher auch das Wort Eau de Toilette: Man wäscht sich nicht, man träufelt, pudert und cremt einfach drüber. Duftnote: Hauptsache schwer. 

17. Jahrhundert: Am Hof König Ludwigs XIV. werden strenge Gerüche einfach überpudert. 


18. bis 20. Jahrhundert

Die Hygiene macht Fortschritte, und Düfte werden leichter. Ein italienischer Parfumeur mixt in Köln ein Wasser mit Zitrusnote und nennt es: Eau de Cologne. Goethe schwört auf die belebende Wirkung und hält in „Kölnisch Wasser“ getränkte Taschentücher zur Inspiration bereit – inspirieren heißt schließlich einatmen. Um 1900 entstehen synthetische Duftstoffe (Aldehyde) wie Kumarin und Vanillin. 1920 kreiert Ernest Beaux für Coco Chanel „Chanel No. 5“, das erste synthetische Parfum. Jetzt will jedes Modehaus so was! 

Kölnisch Wasser.

1709: Das erste Massenprodukt der Parfum-Geschichte: „Kölnisch Wasser". 


2000 bis heute

Spätestens seit den Nullerjahren vertragen sich Düfte von der Stange nicht mehr mit dem hyperindividuellen Zeitgeist. Concept-Stores beweisen mit Boutique-Düften in aufwendigen Flakons ein gutes Näschen. Luxusmarken legen limitierte Kollektionen auf, und wer kann, lässt sich gleich seinen eigenen Duft komponieren. Neuester Schrei: „Layering“, mehrere Düfte übereinandersprühen, bis eine unverwechselbare Note entsteht. Kann natürlich gehörig schiefgehen, aber alles hat eben seinen Preis. 

Moschino Flakon.

Heute: Bei Moschino und anderen Labels versprühen die Flakons Humor.