Wohnreportage

Eine Portion Drama

Reduzierte Klassik versus barocke Üppigkeit: Wie Interiorprofi Marianne Evennou mit einer gewagten Farbkomposition diese Pariser Wohnung zum Schmuckstück machte.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Paris matcht: Clémence und Bruno mit ihren Kindern Oscar, Philomène und Jeanne in ihrem Esszimmer. 


Reduzierte Klassik und Helligkeit versus barocke Üppigkeit mit einem Touch Drama. Clémence und ihr Mann Bruno hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie ihre Wohnung im 16. Arrondissement von Paris nach der Renovierung aussehen sollte. Sie waren sich allerdings einig, dass das „shabby-schicke belgische Greige“ nach 18 Jahren aus den 180 Quadratmetern weichen müsste. Neben den großzügig dimensionierten Räumen hat die Wohnung der fünfköpfigen Familie noch mehr Luxusattribute zu bieten: Die Nähe zum „Bois de Boulogne“ und die Ruhe im Schlafzimmer, das auf einen Schulhof mit altem Baumbestand hinausgeht, sind schon eine Sensation in Paris. „Wir wachen hier mit Vogelgezwitscher auf“, schwärmt die Hausherrin.

Sturmblau und Dunkelgrau: Im Salon hat auf Wunsch des Hausherrn Drama Einzug gehalten. Rein farblich, natürlich. 


Drunter und drüber: Das eingebaute Etagenbett macht Spaß – und schafft Stauraum. 


Cross-over: Gegessen wird französisch, der satinierte Stahltisch ist belgisch, die Obstschale stammt aus Indien. 


Statt wie zunächst geplant in diesem Idyll selbst Hand anzulegen, hat das Paar Interiorprofi Marianne Evennou engagiert – vor allem wegen deren Farbkompositionen, die mutig, aber niemals aggressiv wirken. „Ich kenne keinen Ort, der sturmblaue Wände und eine dunkelgraue Decke hat“, sagt Bruno und fügt hinzu „außer vielleicht Nachtclubs“. Im Wohnzimmer der Familie sorgt dieses auf den ersten Blick düstere Duo für eine behagliche Atmosphäre – mit der gewünschten Portion Drama.

Süß! Das Mädchenzimmer von Tochter Jeanne. „Himbeere“ und „Pistazie“ heißen die Wandfarben der französischen Traditionsmarke Ressource. 


Filmreif: Der Flur wird mit Szenen aus „Gainsbourg: A Heroic Life“ und Vintage-Stücken zum Set.


Aquanuancen im Schlafzimmer wiegen in sanften Schlummer. Die krakenarmigen Lampen sind von Wo & Wé. 


Wabi-Sabi im Esszimmer. Japanischer Minimalismus trifft auf dezent Unperfektes wie den Teppich aus Hanfflicken. 


Clémence und Bruno wünschten sich ein Bad, das an New Yorker Luxushotels erinnert. Mission completed! 


Clémence mag dagegen das lichte Ambiente des Esszimmers, in dem, wie im Rest der Wohnung, afrikanisches Kunsthandwerk und Tuareg-Objekte als exotische Hingucker arrangiert sind. Das Highlight hat sich die Inneneinrichterin jedoch für das Kinderzimmer der Zwillinge Philomène und Oscar aufgehoben: ein Etagenbett, das an ein Baumhaus erinnert. Nicht nur die Kinder lieben es, sich wie Tarzan aus dem oberen Bett zu schwingen, auch Bruno und Clémence halten sich hier oft auf. „Es ist zu einem zweiten Wohnzimmer geworden, in dem wir alle gemeinsam sitzen und uns erzählen, wie der Tag war.“ Klingt doch nach einem Happy End.