Über die neue Liebe zu den Makeln

Body Positive: Anders ist das neue Schön

Frauen mit unterschiedlichem Körperbau und Haarfarbe | © iStock | Delmaine Donson
Die Body-Positive-Bewegung feiert die Vielfältigkeit.
Foto: iStock | Delmaine Donson

Speckrollen, Falten, Pickel oder Körperbehaarung sind kein Grund zur Scham. Ganz im Gegenteil, im Sinne der Body-Positive-Bewegung werden die angeblichen Makel nun sogar gefeiert. "Echte Körper" erobern die sozialen Kanäle. Frauen zeigen stolz ihren Körper nach der Geburt. Auf Instagram scrollt man sich von einem Cellulite-Schnappschuss zum nächsten und Dehnungsstreifen, Falten, Narben und Speckrollen werden nun mit einer Liebe in Szene gesetzt, die man sonst nur von Influencern und ihren Avocado-Toasts kennt. Zu den eigenen Makeln stehen ist gerade angesagt – Schwächen annehmen und mit ihnen leben, sich nicht von der häufig männlich-dominierten Sicht von Schönheit taktieren lassen. Genau das hat sich die Body-Positive-Bewegung auf die Fahnen geschrieben - eine Gegenbewegung zum allgemeinen Drang nach Optimierung und dem gängigen Schönheitsideal. Und sie hat erfreulich viele Anhänger - Tendenz steigend! Allen voran Lena Dunham. Ihr Instagram-Post zum Thema Body Positivity ging gerade viral. 

Body Positivity vs. Bodyshaming

Es sind die unschönen Auswüchse unserer Leistungsgesellschaft: Abfälliges Gerede über das Erscheinungsbild anderer, die scheinbar nicht in das gesellschaftliche Raster passen. Besonders in sozialen Netzwerken ist Bodyshaming weit verbreitet - und das trifft nicht nur Übergewichtige (Fatshaming), auch besonders schlanke (Skinny-Shaming) oder auffällig anders aussehende Menschen werden gerne zum Opfer.

Body Positivity: Diese Influencer propagieren Selbstliebe

Melodie Michelberger macht sich für Body Positivity stark | © Erik Cesla

Selbstliebe: Für viele Frauen ein Fremdwort

Als schön und erstrebenswert gilt immer noch das schlanke, blonde und supersexy Model aus der Werbung. Dabei sollten wir es eigentlich besser wissen und unsere Makel und Macken zu schätzen lernen – die Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeit der Menschen zelebrieren. Genau dazu will die Body Positive Bewegung aufrufen.

Love yourself - lieben statt haten!

Denn gerade mit der Selbstliebe tun sich bekanntlich viele Frauen nicht leicht - zu schwer lastet der gesellschaftliche Schönheitsdruck, zu dem häufig noch selbst auferlegter dazu kommt. Frauen wie beispielsweise Melanie-Jasmin Jeske alias melodie_michelberger wollen bei Instagram mit ihren Fotos und Texten zu mehr Selbstliebe ermutigen und geben der Body-Positive-Bewegung ein Gesicht.

Pixie statt langer Haare, Sneaker statt High Heels 

Der kurze selbstbewusste Pixie-Cut stößt die als besonders sexy geltenden langen Haare vom Frisuren-Thron und in der Mode sind Unisex-Schnitte angesagt. Vorbei die Zeiten, in denen sich Frauen in unbequeme High Heels quetschen – Sneaker sind die neuen Heels und inzwischen sogar bürotauglich. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Keine Frage, es findet gerade ein Umdenken statt. Es geht nicht mehr nur darum anderen gefallen zu wollen – sondern sich selbst. Zu verdanken haben wir das u.a. starken Frauen, die die Body-Positive-Bewegung erst ins Rollen gebracht haben, u.a. Lena Dunham. Deren Instagram-Post zum Thema gerade viral ging. 

Lena Dunham zeigt, was Body Positivity und Selbstliebe wirklich bedeuten 

Wir sehen Lena Dunham auf einem Vorher-Nachher-Bild. Auf der linken Seite wiegt sie 62 Kilo, auf dem rechten Bild sind es einige Kilos mehr. 11 Kilo genau genommen. Die hat sie zugenommen, seit sie sich von ihrem straffen Sport- und Ernährungsprogramm verabschiedet hat und beschlossen hat sich nicht weiter dem Selbstoptimierungsdrang zu unterwerfen.  

"Ich hab mich nur von kleinen Mengen Zucker, tonnenweise Kaffee und Medikamenten ernährt. Ich bekam ständig Komplimente von Männern und war auf dem Cover eines Magazins über Diäten zu sehen. Aber ich war krank. Körperlich und mental." 

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Heute, ein Jahr und 11 Kilo später ist Lena rundum glücklich:

"Heute esse ich normale Mahlzeiten und fühle mich glücklich und frei."

Lena Dunham zeigt damit ein weiteres Mal, dass in Zeiten von hitzigen Gender-Diskussionen und MeeToo selbstbewusste Frauen auf dem Vormarsch sind – und die unterwerfen sich nicht länger dem Schönheitsdiktat der Gesellschaft. Das zumindest will die Bewegung langfristig erreichen. 

Body Positive: Kritisch hinterfragt

Keine Frage, die Body-Positivity-Bewegung ist als durchaus positiv zu bewerten, will sie doch Frauen den Rücken stärken und dazu ermutigen sich nicht von falschen Schönheitsidealen leiten zu lassen. Endlich mal eine Gegenbewegung zu dem ganzen Körperwahn - könnte man meinen. Doch ist es nicht eigentlich nur eine neue Stufe von Körperwahn? 

Plötzlich werden Falten, überschüssige Kilos oder andere vermeintliche Makel als schön gefeiert – und wer nicht mitfeiert wird gerne als Anti-Feministin verschrien. Womit das das ganze Vielfältigkeits-Konzept einmal ab absurdum geführt wird. 

Es ist dem Menschsein geschuldet, dass wir uns gerne vergleichen. Bilder sorgen unweigerlich dafür, auch die der Body-Positive-Bewegung. Aber sollte nicht genau der ständige Vergleich mit anderen vermieden werden? Denn der macht bekanntlich nie glücklich.  

Eine Lösung des Desasters könnte lauten: Körper einfach mal Körper sein lassen! Die Body-Positive-Bewegung könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.