Das Pfeifen im Ohr loswerden

Tinnitus: Was steckt hinter Ohrgeräuschen?

Frau hält sich wegen Tinnitus und Schmerzen die Ohren | © iStock | vitapix
Es rauscht, pfeift, zischt oder rattert im Ohr und im Kopf: Vor allem in Ruhe treten die Ohrgeräusche hervor.
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Es summt, klingelt oder pfeift im Ohr: Die Rede ist von Tinnitus. Dabei hört meist nur der Betroffene selbst die Ohrgeräusche. Hinter dem lästigen Symptom im Ohr können viele verschiedene Ursachen stecken.

Was ist ein Tinnitus?

Ohrgeräusche werden medizinisch unter dem Begriff Tinnitus zusammengefasst. Sie treten in ganz unterschiedlichen Varianten auf. Charakteristisch für Ohrgeräusche ist, dass sie meist ohne äußere Schallquelle entstehen. Tritt ein Pfeifen, Fiepen oder Rauschen im Ohr auf, lohnt sich die Suche nach den Ursachen. Denn: Wer sie kennt, kann was dagegen unternehmen und später einem erneuten Tinnitus vorbeugen.

Hauptursache für Tinnitus ist Lärm

Tinnitus ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Man könnte auch sagen, dass Ohrgeräusche ein Hinweis darauf sind, dass Körper oder Seele aus der Balance geraten sind. Durch ein Rauschen im Ohr macht der Körper sozusagen darauf aufmerksam.

Die einem Tinnitus zugrundeliegenden Ursachen sind sehr unterschiedlich. So reichen die Möglichkeiten von seelischen Belastungen bis hin zu ernsthaften Krankheiten:

  • Zu laute Musik über Kopfhörer oder auf einem Konzert

  • Stress und psychischer Druck

  • Arbeit mit lauter Geräuschkulisse, zum Beispiel Lehrer, Erzieher oder Bauarbeiter

  • Hörsturz

  • Alkohol, Nikotin oder Drogen

  • Zu viel Ohrenschmalz und Ohrpfropf

  • Probleme im Kiefergelenk oder in der Nackenwirbelsäule

  • Entzündungen im Ohr, zum Beispiel Mittelohrentzündung oder Innenohrentzündung

  • Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Infektionen durch Viren oder Bakterien wie Gürtelrose

  • bestimmte Medikamente wie Acetylsalicylsäure

  • Tumor im Ohr

  • Drehschwindel

Am häufigsten tritt ein Tinnitus durch Lärm auf, zum Beispiel nach einem Konzertbesuch oder einer Party im Club. Hier wird die Musik oft sehr laut aufgedreht – wer dann seine Ohren nicht schützt, riskiert einen akuten Tinnitus. In der Regel verschwindet dieser jedoch nach kurzer Zeit wieder. Anders kann es aussehen, wenn man seine Ohren dauerhaft lauter Musik aussetzt. Deshalb den Ohren am besten immer wieder Ruhepausen gönnen und die Lautstärke von Kopfhörern nicht voll aufdrehen.

Auch nach einem Hörsturz entwickeln sich häufig Ohrgeräusche. Bei einem Hörsturz kommt es plötzlich zu einem Hörverlust, der bis zur Taubheit reichen kann. Meist ist nur ein Ohr betroffen. Die Ursache ist eine mangelnde Durchblutung im Innenohr, wobei die Gründe dafür noch nicht geklärt sind. Während sich der temporäre Hörverlust und das unangenehme Taubheitsgefühl im Ohr gut behandeln lässt, kann ein Tinnitus bestehen bleiben.

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Frau gibt Spinatblätter in einen Mixer für einen Smoothie | © iStock | nerudol

Wenn die Ursache für den Tinnitus im Körper liegt

Neben diesen Ursachen, die typisch für einen subjektiven Tinnitus sind, können die Ohrgeräusche auch durch eine tatsächliche Schallquelle entstehen. Der sogenannte objektive Tinnitus tritt jedoch selten auf. So kann eine verengte Halsschlagader die Geschwindigkeit des Blutflusses erhöhen oder Muskelzuckungen im Hals- und Ohrenbereich auftreten. Das führt dann zu einem Rauschen, Knacken oder Schmatzen im Ohr.

Akuter oder chronischer Tinnitus?

Beim Tinnitus unterscheiden Ärzte zwischen der akuten und chronischen Form. Ein akuter Tinnitus besteht höchstens für drei Monate, chronische Ohrgeräusche halten dagegen länger als drei Monate an. Etwa 25 Prozent der Deutschen haben schon Geräusche im Ohr gehabt, laut der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) kommt es hierzulande jährlich bei 10 Millionen Erwachsenen zu einem Tinnitus.

Grundsätzlich gilt: Tritt der Tinnitus erstmalig auf, sollte man möglichst schnell einen HNO-Arzt aufsuchen. Je früher nämlich die Behandlung eines akuten Tinnitus beginnt, desto besser stehen die Chancen, dass der Tinnitus wieder verschwindet. Das ist übrigens in 80 Prozent der Fälle so!

Einteilung in Schweregrade

Der Tinnitus wird in vier Schweregrade eingeteilt – das soll dem behandelnden Arzt bei der Beurteilung helfen, in wie weit die Ohrgeräusche das Leben des Betroffenen beeinträchtigen.

  • Grad 1: Der Tinnitus wird zwar wahrgenommen, wird aber nicht als besonders störend empfunden. Kein Leidensdruck der Betroffenen.

  • Grad 2: Der Tinnitus besteht hauptsächlich in Stille, wird bei Belastung und Stress verstärkt und dann als störend empfunden.

  • Grad 3: Der Tinnitus führt zu dauerhaften Beeinträchtigungen im privaten und beruflichen Leben. Betroffene leiden emotional und körperlich sehr unter den Ohrgeräuschen.

  • Grad 4: Der Tinnitus beherrscht das Leben des Betroffenen vollständig und führt zur Berufsunfähigkeit.

Warum die Behandlung von Tinnitus so wichtig ist

Die gute Nachricht: Die meisten Betroffenen können gut mit den Ohrgeräuschen leben, sodass der Leidensdruck durch den Tinnitus eher gering ist. Doch gerade in stärker ausgeprägten Fällen kann der Tinnitus die Betroffenen sehr belasten – das gilt vor allem dann, wenn die Ohrgeräusche nicht gut kompensiert werden können. Meist konzentrierten sich die Betroffenen dann sehr auf den Tinnitus, wodurch sich dieser verstärkt. In der Folge leiden die Betroffenen unter Schlafstörungen oder sind unkonzentriert und gereizt.

Gerade bei einem akuten Tinnitus ist die Behandlung wichtig, denn so kann man im besten Fall vermeiden, dass die Ohrgeräusche chronisch werden. Welche Möglichkeiten zur Behandlung bestehen?

  • Medikamentöse Behandlung des akuten subjektiven Tinnitus, meist Kortison als Tablette oder Infusion

  • Behandlung der zugrundeliegenden Ursache beim objektiven Tinnitus

  • Entspannungsübungen und Meditation

  • Pflanzliche Präparate, welche die Durchblutung des Ohres verbessern

  • Bei chronischem Tinnitus kann auch eine Psychotherapie oder die Teilnahme an Selbsthilfegruppen helfen

· Online-Informationen der Deutschen Tinnitus-Liga: Was ist Tinnitus?: https://www.tinnitus-liga.de/pages/tinnitus-sonstige-hoerbeeintraechtigungen/tinnitus/akuter-tinnitus.php (Abruf: 05/2020)
· Online-Informationen von Amboss: Tinnitus: https://www.amboss.com/de/wissen/Tinnitus (Abruf: 05/2020)
· Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.: Chronischer Tinnitus. AWMF-Registernummer 017 – 064, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/017-064.html (Stand: 02/2015, in Überarbeitung)
· Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.: Hörsturz (Akuter idiopathischer sensorineuraler Hörverlust), AWMF-Registernummer 017 – 064, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/017-010.html (Stand 31.01.2014, in Überarbeitung)
· Online-Informationen der Deutschen Tinnitus-Liga: Hörsturz: https://www.tinnitus-liga.de/pages/tinnitus-sonstige-hoerbeeintraechtigungen/hoersturz.php (Abruf: 05/2020)

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