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Verstopfung: Was hilft, wenn der Darm streikt?

Nicht nur die Schmerzen sind bei Verstopfung belastend - auch das Sozialleben vieler Betroffener leidet darunter. | © iStock | Tharakorn
Nicht nur die Schmerzen sind bei Verstopfung belastend - auch das Sozialleben vieler Betroffener leidet darunter.
Foto: iStock | Tharakorn

Klingt harmlos, kann den Alltag von Betroffenen aber zur echten Belastungsprobe machen. Die Rede ist von Verstopfung, mit der besonders häufig Frauen zu kämpfen haben. Aus Scham leiden viele Betroffene still vor sich hin - dabei gibt es Abhilfe! #GesundOhneTabus

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Verstopfung

Eine gesunde Verdauung ist wichtig, aber kein Thema, über das man gerne spricht. Warum eigentlich? Verstopfung und Begleiterscheinungen wie Blähungen oder Völlegefühl sollten keine Tabuthemen sein – denn sie sind alles andere als selten und insbesondere viele Frauen sind betroffen. 

Eine erschreckend hohe Zahl an Frauen leidet in Deutschland unter Verstopfung - genau genommen fast vier Millionen zwischen 20 und 59 Jahren. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass vor allem die moderne Lebensweise mit viel Stress, wenig Bewegung und schlechter Ernährung die Verdauung empfindlich beeinträchtigen kann.  

Verstopfung ist mehr als nur, nicht auf die Toilette können. Wenn der Darm streikt und man sich mit einem Blähbauch durch den Arbeitsalltag kämpft, werden Klamotten ohne Gummizug plötzlich zum größten Feind. Und aus Angst, ständig Luft ablassen zu müssen, werden Verabredungen mit Freunden gecancelt. Nicht selten leidet auch das Liebesleben enorm unter der Belastung, wenn man sich im eigenen Körper einfach nicht mehr wohlfühlt. Umso wichtiger, dass mit dem Tabu gebrochen wird - und sich Betroffene Hilfe holen. Denn die gibt es glücklicherweise.

Was ist Verstopfung genau?

Von Obstipation (also Verstopfung) sprechen Mediziner bei zu seltenem bzw. zu hartem Stuhl. Da fragt man sich natürlich: Was bedeutet selten? Wie oft der Darm entleert wird, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich - als grober Richtwert gilt hier weniger als drei Mal Stuhlgang in der Woche. Doch nicht nur die Häufigkeit, auch die harte Konsistenz in Kombination mit starkem Pressen und das ungute Gefühl, sich nicht vollständig entleeren zu können, zählen zu den Symptomen.

Akute vs. chronische Verstopfung

Man unterscheidet zwischen einer akuten (auf wenige Tage beschränkt, meist bei Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf oder bei übermäßigem Stress) und einer chronischen Verstopfung, die ständig vorliegt (länger als drei Monate).

 

Symptome bei Verstopfung

Unter Verstopfung leidet fast jeder mal. Sei es in stressigen Phasen, wenn man sich den Stuhlgang verkneift oder man zu wenig trinkt. Die klassischen Symptome sind dann ein harter Stuhl, starkes Pressen, eine Entleerung unter Schmerzen und ein ungutes Völlegefühl durch die unvollständige Darmentleerung. In aller Regel hat sich das Problem mit dem nächsten Toilettengang wieder gelöst. Problematisch wird es, wenn die Symptome regelmäßig und wiederholt auftreten. Besonders lästig sind außerdem Blähungen, die häufig auch das Sozialleben belasten und auch das allgemeine Unwohlsein schränkt die Lebensqualität vieler Betroffener stark ein.

Ursachen von Verstopfung

Die Ursache einer Verstopfung ist in vielen Fällen harmlos (z. B. Stress, Schichtarbeit oder mangelnde Bewegung). Manchmal werden Probleme und Schmerzen beim Stuhlgang aber auch durch Erkrankungen wie Diabetes oder Darmausstülpungen (Divertikel) ausgelöst.

Häufige Ursachen im Überblick:

  • Mangelnde Flüssigkeitsaufnahme

  • zu wenig pflanzliche Kost - zu viele tierische Lebensmittel

  • Ernährungsumstellung bei Reisen, Jetlag

  • Bewegungsmangel/ Bettlägerigkeit 

  • übermäßiger Stress, Überforderung oder Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf (z.B. durch Schichtarbeit)

  • Unterdrückung der Stuhlgangs ("keine Zeit")

  • Hormonelle Veränderungen, z.B. beim Eintreten der Wechseljahre oder bei einer Schwangerschaft

  • Organische Erkrankungen (z.B. Reizdarmsyndrom, Darmverschluss oder Karzinome)

  • Schilddrüsenunterfunktion

  • Diabetes

  • Erkrankungen der Psyche (z.B. Demenz oder Depressionen)

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Frau am Gemüsestand | © iStock | Obradovic

Akute Verstopfung, was tun? Hausmittel, um den Darm am Laufen zu halten

Nichts geht mehr? Folgende Maßnahmen können den Darm am Laufen halten:

  • Nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser oder Fruchtsaft trinken. Außerdem auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag achten (1,5 bis 2 Liter pro Tag).

  • Koffein: Eine Tasse Kaffee am Morgen bringt den Darm in Schwung, denn das enthaltene Koffein wirkt stimulierend auf Stoffwechsel und Verdauung. 

  • Bauchmassagen - im Uhrzeigersinn, ausgehend vom rechten Unterbauch kreisförmig bis zum linken Unterbauch.

  • Ballaststoffreich essen, z.B. Joghurt mit Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamenschalen. Auch Trockenfrüchte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse sowie viel frisches Obst und Gemüse sind hilfreich.

  • Probiotische Lebensmittel, z.B. Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi

  • Bewegung, z.B. 30 Minuten zügig walken

  • Olivenöl: Ein Esslöffel hochwertiges Olivenöl vor oder nach dem Essen ölt die Darmschleimhaut und macht harten Stuhl gleitfähiger. Leinöl oder Rizinusöl sind ebenfalls geeignet.

  • Entspannung: Stress ist ein häufiger Auslöser für Verstopfungen. Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, den sensiblen Darm zu beruhigen.

  • Auch ein Einlauf mit Klistierball kann eine akute Verstopfung lösen. Dafür werden ein halber Liter lauwarmes Wasser oder Kamillentee durch ein Klistier oder einen Irrigiator über den After in den Darm gespült, was eine Entleerung bewirkt.

Verstopfung lösen mit Abführmitteln

Oft reichen Ballaststoffe und Bewegung nicht aus, um dem Darm auf die Sprünge zu helfen! Dann können Abführmittel helfen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Einnahme: oral oder rektal. Oral eingenommene Abführmittel mit den Wirkstoffen Natriumpicosulfat und Bisacodyl gelten als gut verträglich. Sie bringen den Darm in Schwung und verbessern die Stuhlkonsistenz. Die Wirksamkeit wurde in Studien nachgewiesen. 

Zu den natürlichen Abführmitteln zählen beispielsweise Glauber- oder Bittersalz, das man in lauwarmem Wasser auflöst und trinkt. Die Salze bewirken, dass der Stuhl weich wird und sich der Darm entleert. Die Wirkung tritt relativ schnell ein und hält einige Zeit (manchmal Stunden) an. Man sollte sich auf jeden Fall in der Nähe einer Toilette aufhalten und nach der Anwendung viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen! 

Was tun bei Verstopfung in der Schwangerschaft?

Besonders häufig klagen Schwangere über Verstopfung, weil der umgestellte Hormonhaushalt den Darm träger macht und die wachsende Gebärmutter die Stuhlpassage erschwert. Aber auch die oft empfohlene Einnahme von Eisenpräparaten kann zu Darmträgheit führen. Bewegung, viel Flüssigkeit und eine ballaststoffreichen Ernährung können helfen den Darm zu unterstützen und in Schwung zu halten. Vor allem Haferflocken, Trockenfrüchte, Vollkornprodukte, Basilikum und Rote Beete sollten vermehrt auf dem Speiseplan landen. Hilft das alles nicht weiter, gibt es die Möglichkeit auf Abführmittel zurückzugreifen. Schwangere sollten jedoch vorab Rücksprache mit dem Arzt halten.

Wie kann man Verstopfungen vorbeugen?

Neben gesunder, ballaststoffreicher Kost (mindestens 30 bis 35 Gramm täglich!) und regelmäßiger Bewegung ist ein schlaues Stress-Management empfehlenswert. Außerdem sollte man sich immer ausreichend Zeit für den Toilettengang nehmen. Dann heißt's auch bald wieder: Darm gut, alles gut!

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