Zahnpflege

Warum Zahnseide unser Leben verlängert

Frau benutzt Zahnseide | © iStock | macniak
Wer seine Zähne mit Zahnseide reinigt, gewinnt 6,4 Lebensjahre, so die Statistik.
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Was die Zähne mit dem Herzen oder der Hüfte zu tun haben? Mehr als man denkt! Die neuesten Erkenntnisse und Behandlungen für ein strahlendes Lächeln.

Keiner geht gerne zum Zahnarzt. Dabei kann das sogar das Leben verändern. Und manchmal dient ein Besuch in der Praxis sogar der Entspannung…

Der kranke Zahn und die Hüfte

Ein kranker Eckzahn kann sich in der Hüfte bemerkbar machen, Schneidezähne können eine Blasenentzündung auslösen. Über Blut- und Lymphbahnen gelangen Bakterien von Zähnen, Kiefer und Zahnfleisch in den Körper und können entlang der Meridiane für Entzündungen sorgen – ohne dass der Zahn selbst Symptome zeigt. Erfahrene systemische Zahnmediziner erkennen einen sogenannten dentalen Herd oft schneller als ein Schulmediziner, der Symptome dort lokalisiert, wo sie auftreten. So kann das infizierte Nervengewebe eines wurzelbehandelten Zahns noch Monate später zu Gelenkschmerzen, Kopfweh, Ekzemen, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit führen. Bei länger anhaltenden Beschwerden also ruhig mal zum Zahnarzt gehen.  

Zahnseide schützt

Wer seine Zähne mit Zahnseide reinigt, gewinnt 6,4 Lebensjahre, so die Statistik. Die Prozedur schützt vor Entzündungen, die auch das Herz in Mitleidenschaft ziehen könnten. Eine neue Studie der Universität Helsinki hat bestätigt, dass das Risiko einer koronaren Herzkrankheit für Menschen mit Parodontitis dreimal höher ist. Die im Netz kursierenden Meldungen, auf Zahnseide könne man verzichten, sind für Zahnärzte wie Sebastian Helgert aus München fahrlässig:

„Die Zahnzwischenräume machen 30 Prozent des Gebisses aus. Viel Raum für Bakterien, da eine normale Zahnbürste dort nicht hinkommt.“

Im Idealfall, so Sebastian Helgert, erst Zahnseide verwenden, dann gründlich putzen (eher vier als zwei Minuten lang) und zuletzt Interdentalbürsten für die größeren Zahnzwischenräume benutzen, vor allem wenn Zahnfleisch und Zähne nicht hundertprozentig abschließen. „Am besten sind Bürstchen aus Gummi, Modelle aus Draht können das weiche Dentin schädigen.“ Bei der Zahnpasta darauf achten, dass die Abrasivität, der Abschleifeffekt, nicht zu stark ist. Die Zahncreme am besten zwischen den Fingern reiben, je sanfter und geschmeidiger die Textur, desto besser für den Zahnschmelz.

Sauger für Knirscher

Jeder zweite Deutsche knirscht (zumindest zeitweilig) mit den Zähnen. Selbst Kleinkinder sind inzwischen offenbar so gestresst, dass sie nachts mahlen. Der sogenannte Bruxismus kann zu Kopf- und Gelenkschmerzen, Verspannungen im Rücken und Hörproblemen führen. Eine individuell angepasste Schiene hilft meistens, um den Knirschautomatismus zu stoppen, weiterem Zahnabrieb vorzubeugen und die Kiefergelenke zu schonen. „Es gibt aber auch andere Therapien zur Unterstützung“, sagt Hubertus von Treuenfels, Zahnarzt in Eutin. Er rät zu Übungen mit einem Erwachsenenschnuller. Der therapeutische Sauger (von Nuk, 5 Euro) löst Spannungen und stärkt den, Achtung!, orofazialen Muskeltonus. 

Die wichtigen Weisheitszähne 

Bei Weisheitszähnen greifen Kieferchirurgen schnell zur Zange. Hubertus von Treuenfels ist skeptisch: „Reduziert man den Zahnbestand, wird das Knochenbett angegriffen. Das führt dazu, dass das Gebiss nicht die vollen Ausmaße erreicht und die Kauflächen reduziert sind.“ Auch optisch hätte es Nachteile: „Die Oberlippe flacht ab, man wirkt älter.“ Der -Glaube, dass die vier Weisheitszähne zu viel Raum einnehmen und sich die Zähne deshalb verschieben, ist nach seiner Erfahrung falsch: „Kieferknochen lassen sich bis über das 40. Lebensjahr hinaus regulieren.“

Neue Glanzleistung

Schöne Zähne sind gesunde Zähne, klar. Schutz vor Parodontitis und ein Glow-Ergebnis bietet eine neue Methode, die poröse Oberflächen glättet. PerioShine ist eine Siliziumdioxid-Verbindung aus zwei Flüssigkeiten, die, miteinander vermischt, Mikrokristalle bilden. Sie remineralisieren die Zähne, glätten optisch und verhindern bis zu einem Jahr, dass sich Plaque und Verfärbungen bilden. Kostet rund 800 Euro und ist ideal für alle, die ein besonders strahlendes Lächeln wollen.

… und zum Schluss eine Massage

Der Besuch beim Zahnarzt kann auch sehr angenehm verlaufen, zum Beispiel wenn anschließend ein Facial auf einen wartet. Der Münchner Zahnmediziner Hans-Joachim Gath bietet so was im Palais Beauté an. Nach Check-up, professioneller Reinigung und Glättung des Gebisses massiert eine Kosmetikerin die verspannten Kiefergelenke mit Kräuterstempeln und bringt auch das Gesicht zum Strahlen. Kostet rund 170 Euro und ist bis jetzt nur in München zu kriegen.   


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