Der Tod hat nicht das letzte Wort

Das letzte Wort: Warum wir die neue Netflix-Serie jetzt schon lieben

Anke Engelke läuft in der Netflix-Serie "Das letzte Wort" durch einen Räum mit mehreren Särgen. | © Netflix
Die Netflix-Serie "Das letzte Wort" zeigt auf eine herzerwärmende Weise, worauf es in Zeiten der Trauer wirklich ankommt.
Foto: Netflix

Gibt es einen richtigen Weg zu trauern? Diese Frage stellen sich die meisten Hinterbliebenen nach einem Todesfall von geliebten Menschen. Die neue Netflix-Serie "Das letzte Wort" setzt sich mit genau diesem Thema auseinander und schafft es, auf eine lustige und herzerwärmende Weise in dieses dunkle Thema Licht zu bringen und zeigt, worauf es in Zeiten der Trauer wirklich ankommt.

Das letzte Wort: Darum geht’s

25 Jahre Ehe sind eine lange Zeit voller Liebe, Freude, Streit, Versöhnung und vielen weiteren Emotionen. Das weiß auch Karla Fazius (gespielt von Anke Engelke), die mit ihrem Ehemann Stefan seit 25 Jahren glücklich verheiratet ist. Doch sein plötzlicher Tod versetzt Karla einen extremen Seitenhieb und wirft sie aus ihrem sonst so sicheren Umfeld. Unerwartet muss sie sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen und die Beerdigung ihres Mannes planen. Doch wo ein Ende ist, ist meist auch ein Anfang. Und so entdeckt die zweifache Mutter, wenn auch aus der Not heraus, ihre Berufung in der Arbeit als Trauerrednerin und erhofft sich darin Trost zu finden. Zum Leidwesen ihrer Kollegen ist sie jedoch der Meinung, dass Beerdigungen keine trostlose Angelegenheit sein sollten und dass jedes Leben und jeder Tod eine Geschichte haben, die sich lohnt, erzählt zu werden. Somit gibt sie sich alle Mühe darin, trauernden Hinterbliebenen einen individuellen Abschied zu ermöglichen und dabei jede Regel der Bestattungsbranche zu brechen. Zu allem Überfluss stößt sie mit der Zeit auch noch auf einige Geheimnisse ihres Mannes, mit denen sie nicht gerechnet hätte. Das bringt sie jedoch nicht davon ab, das Bestattungsunternehmen und das Leben ihres neuen Kollegen Andreas Borowski (Thorsten Merten) gehörig auf den Kopf zu stellen.

In den sechs Folgen der Serie werden die unterschiedlichen Blickwinkel von Trauer, Tod und Leben auf eine lustige, traurige und manchmal auch auf eine absurde Art und Weise erzählt, wie es nicht besser sein könnte.

-> Staffel 1 von "Das letzte Wort" ab dem 17. September 2020 auf Netflix

 

 

Es gibt keinen richtigen Weg zu trauern 

Das Thema "Tod" betrifft jeden Menschen und dennoch gehört es bis heute zu den Tabuthemen. Um dem entgegenzusteuern, wird in der Serie "Das letzte Wort" der Tod mit all seinen Facetten gezeigt – und das mit folgenden vier Schlüsselthemen.

Das Leben nach dem Tod:

Der Tod ist ein Ereignis, mit denen viele Menschen zu kämpfen haben. Doch sind es hierbei nicht die Verstorbenen, sondern die Zurückgebliebenen. Der bekannte Ausdruck "Das Leben nach dem Tod" betrifft meist nicht diejenigen, die von uns gehen, sondern die, die zurückbleiben. Sie müssen mit dem Verlust zurechtkommen und diesen schnellstmöglich verarbeiten. Denn: Für sie geht das Leben weiter – samt Alltagsstress.

Familie und Zusammenhalt:

In Zeiten der Trauer kommt es vor allem auf eins ganz besonders an: die Familie und der gemeinsame Zusammenhalt. Verstirbt eine Person, kommt die ganze Familie zusammen und trifft aufeinander. In diesen traurigen Momenten ist es besonders wichtig, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu stärken. Wie wichtig dieser Zusammenhalt ist, wird in der Serie besonders gut aufgegriffen.

Manchmal muss man die Regel brechen:

Wie mit dem Tod umzugehen ist, wird von der Gesellschaft vorgeschrieben – allein schon durch all die Regeln und Vorschriften einer Beerdigung. Doch was passiert, wenn man genau diese Vorschriften ignoriert? Wie reagieren die Menschen, wenn der Abschied eines geliebten Menschen von der Norm abweicht? Genau dieses Thema schafft die Serie gekonnt zu verarbeiten und dem Zuschauer aufzuzeigen, dass jeder Mensch individuell Abschied nimmt.

Nach dem Ende kommt auch ein Anfang:

Der Tod muss nicht immer das Ende bedeuten. Das zeigt vor allem die Geschichte von Karla Fazius in der Serie. Zwar leidet sie stark unter ihrem Verlust, doch dieser leitet sie auch in eine ganz neue Richtung. So stellt man fest, dass es am Ende eines langen Tunnels auch immer Licht und Hoffnung gibt.

Das ist der Cast der Netflix-Serie

Anke Engelke in ihrer Rolle als Karla Fazius in "Das letzte Wort" | © Netflix
Anke Engelke begeistert den Zuschauer und ist die perfekte Wahl für die Rolle als Karla Fazius.
Foto: Netflix

Anke Engelke konnte in der Rolle als Karla Fazius mit ihrem Humor und ihrem Charme zeigen, dass der Tod immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachtet werden kann. "Es war wichtig, dass wir jemand finden, der Komik in sich trägt, aber dem wir auch zutrauen, Drama zu spielen", so Aron Lehmann, Drehbuchautor der Serie.

Auch mit Thorsten Merten war von dem Angebot der Rolle des Trauerredners Andreas Borowski hellauf begeistert. In der Filmwelt ist Thorsten Merten kein Unbekannter. So war er unter anderem über mehrere Jahre als Tatort-Kommissar Kurt Stich aus Weimar zu sehen oder ermittelte als Ortpolizist Martin Fichte in den Spreewaldkrimis.

Nina Gummich, die in "Das letzte Wort" in die Rolle der Tochter von Karla Fazius schlüpft, hat bereits mit ihren jungen Jahren eine erachtliche Filmografie vorzuweisen. Julia Fazius wird in den sechs Folgen neben ihrem anstrengenden Job, dem Verlust ihres Vaters, der Sorge um ihre Mutter und einer Wiederbegegnung mit ihrem Exfreund ebenfalls eine kleine Sinnkrise durchleben.

Juri Winkler in der Netflix-Serie "Das letzte Wort". | © Netflix
Tonio Fazius hat mit dem Tod seines Vaters besonders zu kämpfen.
Foto: Netflix

Auch Juri Winkler, in der Rolle des Tonio Fazius, begann bereits als Kind mit der Schauspielerei. So spielte er zum Beispiel 2018 in dem Frankfurter Tatort "Unter Kriegern" den jüngsten Mörder der Geschichte des Tatorts. Auch er hat in der Rolle des Sohnes von Karla Fazius ein großes Päckchen mit sich herumzutragen und mit dem Verlust seines Vaters zu kämpfen.

Neben der Familie von Karla Fazius stehen auch die Ehefrau Frauke, gespielt von Claudia Geisler-Bading, und der Adoptivsohn Ronnie (Aaron Hilmer) des Trauerredners Andreas Borowski in Fokus. Alle drei arbeiten gemeinsam in dem Familienunternehmen und haben unterschiedlich mit dem Druck des Berufs zu kämpfen.

Aron Lehmann: Das Herz von "Das letzte Wort"

Aron Lehmann zog direkt nach seinem Abitur nach Berlin, wo er seine Liebe für den Film entdeckte. Mit Filmen wie "Das schönste Mädchen", in dem auch Anke Engelke mitspielte, schaffte er es, sich in der Filmwelt einen Namen zu machen. Die Netflix-Serie "Das letzte Wort" war für ihn und das Team eine große Herausforderung. Denn auch wenn das Thema jeden schon einmal betroffen hat, war die Umsetzung doch eine sehr intensive Zeit. Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse:

"Trauer ist ein chaotischer Prozess. Da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Es läuft bei jedem Menschen anders. Genauso kommt der Tod in den seltensten Fällen zum richtigen Zeitpunkt. Und wir fangen auch nicht an uns plötzlich angemessen und würdevoll zu verhalten, wenn jemand stirbt oder wir trauen. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Auch in den traurigsten Momenten gibt es Komik in unserem Leben."

Anke Engelke steht in der Netflix-Serie "Das letzte Wort" am Rednerpult einer Beerdigung. | © Netflix
Karla Fazius ist der Meinung, dass der Tod zwar eine trostlose Angelegenheit ist, doch Beerdigungen müssen es deswegen nicht auch sein.
Foto: Netflix

Die Menschen, die uns aufgrund von Tod verlassen, haben nicht damit zu kämpfen – sondern wir, die zurückbleiben. Es gibt keine Regel, wie man diesen Verlust auf beste Weise verarbeitet, auch wenn es die Gesellschaft anders vorzuschreiben versucht. Eben genau das zeigt die Serie "Das letzte Wort". Der Tod ist kein Tabuthema, das schnell unter die Erde gebracht wird. Vielmehr sollte es jedem selbst überlassen sein, wie und wie lange der Prozess des Abschieds gestaltet werden kann.

Übrigens: "Das letzte Wort" ist nicht die einzige Serie, die aufzeigt, dass das Thema "Tod" nicht immer mit Dunkelheit und Traurigkeit zusammenhängen muss. Auch Produktionen wie "After Life" und "Dead to Me" beschäftigen sich mit den Zurückgebliebenen und zeigen aufs Neue, dass Trauer unterschiedliche Wege geht.

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