"Ich will kein Haus. Keinen Hund. Ich will uns."

"Was wir wollten": Warum mehr Tabuthemen auf die Leinwand gehören

Elyas M'Barek und Lavinia Wilson in dem Film "Was wir wollten". | © Netflix
Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt viele Beziehungen auf die Probe.
Foto: Netflix

Nur mit Kindern ist man als Familie perfekt! Ein Gedanke, den viele Paare haben. Doch was passiert, wenn dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht? In Deutschland haben viele Beziehungen mit einem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen. So ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Und dennoch gehört es zu den absoluten Tabuthemen. Der Film "Was wir wollten" – ab dem 11.11.2020 auf Netflix – gibt gefühlvoll Einblick in das Leben eines betroffenen Paares und sorgt bei diesem prekären Thema für Hoffnung und Zuversicht, dass am Ende doch immer alles so kommt, wie es kommen soll.

Unerfüllter Kinderwunsch: Warum noch immer ein Tabu?

Viele Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos. Die Gründe sind vielfältig, allen gemeinsam ist jedoch: Der Weg bis zur Gewissheit, dass es kein leibliches Kind geben wird, ist hart, oft ein psychischer Kraftakt und vor allem eine Belastungsprobe für die Beziehung. Hormontherapien, Sex nach Termin und vielen weiteren Methoden müssen sich die Paare dann unterziehen. Schlägt diese Behandlung nicht an, setzen sich die Betroffenen schnell unter psychischen Druck. Ein Gefühl des Versagens sowie einige Selbstzweifel stellen sich da nicht selten ein. Zudem gelten kinderlose Paare auch heute noch weltweit in einigen Gesellschaften als unvollständig und unglücklich – ganz egal, ob diese Paare gewollt oder ungewollt kinderlos sind. Vor allem Frauen werden noch immer mit der Rolle als Mutter gleichgesetzt. Alles Gründe, warum Betroffene über ihre Situation Stillschweigen bewahren und das Thema unerfüllter Kinderwunsch bis heute zu den Tabuthemen gehört. Dabei sucht laut WHO jedes sechste Paar mindestens einmal wegen einem unerfüllten Kinderwunsch einen Arzt bzw. Experten auf.

Warum so viele Paare ungewollt kinderlos bleiben

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig, nicht immer steckt Unfruchtbarkeit dahinter. Faktoren wie Stress, ungesunde Lebensweisen, schlechte Ernährung oder Krankheiten wie das PCO-Syndrom, Gelbkörperschwäche, Endometriose, Chlamydien und Co. können häufig zu Kinderlosigkeit bei Paaren führen. Auch spielt vor allem bei Frauen das Alter eine große Rolle. Nicht ohne Grund spricht man von der sogenannten "biologischen Uhr". Der Hormonhaushalt im Körper verändert sich und eine Schwangerschaft ist nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren. Aber auch die körperliche Verfassung des Mannes kann ein Grund dafür sein. Eine unzureichende Spermienbeschaffenheit, anatomische Probleme, Chromosomenstörungen sowie ebenfalls das Alter können dafür sorgen, dass eine erfolgreiche Befruchtung nicht stattfinden kann. Oft warten Paare aus verschiedenen Gründen zu lang mit der Kinderplanung. Die Folge daraus: Beide minimieren die Fruchtbarkeitswahrscheinlichkeit durch ihr Alter. Doch nicht nur heterosexuelle Paare haben häufig mit dem unerfüllten Wunsch nach einem eigenen Kind zu kämpfen. Gleichgeschlechtliche Paare sowie Singles sehnen sich ebenso nach eigenen Familien und können diesen Traum nicht immer verwirklichen.

Zudem kommt die Tatsache, dass eine Kinderwunschbehandlung für viele Betroffene eine hohe finanzielle Belastung darstellt. Alternative: Adoption. Doch diese Option kommt nicht für alle Paare in Frage und ist nur unter strengen Auflagen möglich.

"Was wir wollten": Ein Film über den Traum eines eigenen Kindes 

Das Thema des unerfüllten Kinderwunsches und die damit zusammenhängende Krise eines Paares, das versucht endlich loszulassen, wird auch in dem Film „Was wir wollten“ aufgegriffen. Denn eigentlich könnte das Ehepaar Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M'Barek) nicht glücklicher sein. Gerade haben sie sich ihren Traum vom Eigenheim in Wien erfüllt, sind erfolgreich und lieben einander von Herzen. Doch es gibt eine Tatsache, die ihre Beziehung von Tag zu Tag mehr belastet: Sie bekommen einfach kein Kind. Nachdem sie es über einen langen Zeitraum erfolglos auf dem natürlichen Weg probiert haben, unterzieht sich das Paar mehreren In-Vitro-Behandlungen. Doch auch das bleibt erfolglos. Um den Kopf frei zu bekommen, entscheiden sich die beiden auf Empfehlung ihrer Ärztin für einen gemeinsamen Urlaub auf Sardinien. Doch dort angekommen erwartet sie eine böse Überraschung: Im Ferienhaus nebenan zieht die scheinbar perfekte Familie ein, die auf den ersten Blick genau das hat, was sich Alice und Niklas so sehr wünschen. Die ewige Sehnsucht von Lavinia und Niklas nach einem eigenen Kind sorgt für viel Streit und Missmut. Doch der Schein trügt und mit der Zeit zeigt sich, dass ein perfektes Familienleben mit Kindern und Co. nicht automatisch für sie das Lebensglück bedeutet. 

"Was wir wollten": Das Team

Ulrike Kofler feiert mit der Verfilmung der Kurzgeschichte von Peter Stamm ihr Langfilm-Debüt als Regisseurin und begeistert die Zuschauer mit großer Feinfühligkeit, mit der an dieses Tabuthema herangegangen wird. Ihr war es mit diesem Film besonders wichtig zu zeigen, dass Menschen nicht nur mit dem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen haben, sondern vor allem dass das Loslassen ein sehr schwieriger Prozess ist. Das intime Thema dieser gefühlvollen Liebestragödie setzen die beiden Schauspieler Lavinia Wilson und Elyas M’Barek perfekt um. Vor allem Elyas M'Barek betritt mit dem Film "Was wir wollten" Themen-Neuland, denn bisher waren er hauptsächlich in Komödien zu sehen.

© Netflix
Foto: Netflix

Ist ein Paar wirklich erst mit Kindern vollkommen? Ist das Leben mit Kindern immer perfekt? Und warum ist diese Denkweise in der heutigen Gesellschaft noch so stark verankert? Mit diesen Fragen und den jeweiligen Antworten haben viele Paare zu kämpfen – auch Alice und Niklas. Der von Netflix präsentierte Film „Was wir wollten“ setzt genau dieses intime Thema zwar emotional um, doch wird der Zuschauer in kein hoffnungsloses Tief gezogen. Vielmehr wird einem genau bewusst, worauf es in einer Beziehung wirklich ankommt und dass der Schein des Perfekten ganz schnell trügen kann.

Mehr zum Thema