Kolumne

Zelebrieren statt kaschieren

Tanja Marfo von Kurvenrausch | © Kurvenrausch by Tanja Marfo
Hinter Kurvenrausch steckt die Powerfrau Tanja Marfo. Sie ist Unternehmerin sowie Influencerin und gibt hier ihre Meinung zum Besten.
Foto: Kurvenrausch by Tanja Marfo

Wir kennen alle diese wohlwollenden Ratschläge, die wir jeden Tag in Zeitschriften lesen oder gar von der Verwandtschaft hören.
"Trag das nicht mit deiner Figur. Weiß trägt auf – Schwarz lässt dich schlanker aussehen. Querstreifen machen dick, die solltest du meiden." Auf den Social Media Kanälen wird gemeckert, kritisiert und manchmal beleidigt. Die Modepolizei, die sich sehr gerne hinter mit Strass besetzten "Glitzer-Tiger-Pullis" versteckt, holt die große Kritik-Keule raus und ist sich für nichts zu schade.
Doch warum?

Woran liegt es, dass dicke Körper immer verbessert werden sollen?

Kaschieren, verstecken oder optimieren - alles keine Fremdwörter für Frauen und Männer mit Mehrgewicht. Bei diesen gut gemeinten Ratschlägen könnten wir fast die Lust an der Mode verlieren oder wir erklären der Modepolizei, dass wir unsere ganz eigenen Regeln aufstellen und unseren Körper gut finden, so wie er gerade ist. Ganz ehrlich! Punkt.

Kaschieren ist ein "UNWORT" für mich geworden, welches mich bei meiner eigenen Fashion Reise immer eingeschränkt hat. Denn ich als Vollweib, ich, die 186cm große Frau kann mich einfach nicht verstecken. Auch nicht in kompletter schwarzer Klamotte oder Ganzkörper-Camouflage-Einteiler. Und weil ich das verstanden habe, habe ich mich irgendwann dafür entschieden, dass ich auffalle. Und war so richtig: "Gib Ihm" - wie Shirin David immer so schön sagt.

Ich möchte heute auffallen und finde mich spitze. Doch das war nicht immer so. Also schmiedete ich einen Masterplan: Meine braunen Haare wurden Kupferrot, die Leggings kamen in die "kann ich zum Schlafen anziehen Schublade" und die schwarzen Strumpfhosen wurden eingetauscht gegen Hautfarbene und Netzstrümpfe. Als ich erkannte, das mir meine ganzen Moderegeln nicht geholfen haben fand ich zu mir selbst. Heute bin ich einfach CURVILICIOUS!

Sichtbarkeit schaffen, dort wo wenig ist

Dank Instagram und Facebook hat die Plus Size Community eine Plattform gefunden, in der sie sich zeigen kann. Immer mehr Events, wie meine Plus Size Fashion Days, Castings und auch Magazine sorgen für mehr Sichtbarkeit. Trotzdem stehen wir noch ganz am Anfang. Quasi in den Startlöchern für den Plus Size Sichtbarkeits-Marathon!


Vielfalt und unterschiedliche Körperformen in der Print- und Medienlandschaft zu finden und abzubilden, scheint ein riesiges Problem zu sein. Wir wollen also weiterhin daran glauben, dass alle Menschen Haut ohne Poren haben und über perfekte Maße verfügen. Konfektion 42/44 ist nach wie vor das Höchste aller Zugeständnisse. Wir machen jetzt auch große Größen -lach.

Wie dankbar bin ich doch für Instagram und Co. Für gelebte Vielfalt, die wir jeden Tag aufs Neue dort sehen. Diversity ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, doch leider sind Mehrgewichtige Körper auch hier im Abseits. Denn echte Diversity ist weiterhin Mangelware.

Ich möchte so gerne von den Worten "kaschieren" und "vorteilhaft" wegkommen, weil sie mich soooo sehr nerven. Denn "dick" bedeutet für mich nicht gleich, dass ich versuchen muss, schlanker zu wirken. Auch wenn ich schwarz trage oder Längssteifen mich in Shapewear quetsche, die meine Gedärme verschieben kann. Ich bleibe eine Konfektion 54 – so oder so.

Verstecken war gestern - meine Einzigartigkeit und Bodypositivity sind heute

Ich verstecke mich generell nicht mehr und bin es gewohnt, dass mir manch einer hinterher guckt.

Ob jetzt aus Entsetzen oder voller Bewunderung. Erlaubt ist was MIR gefällt.
Wie beruhigend ist es doch zu wissen, dass wir unsere eigene Sichtweise auf unseren Körper ändern können – jederzeit. Das ist unfassbar viel Arbeit, die aber letztendlich dazu führt, dass wir uns wohler fühlen.

Wie wäre es, wenn du dir folgende Sätze als Mantra verinnerlichst und dir täglich vor dem Spiegel aufsagst?

1. Du bist immer gut genug!

2. Du bist wertvoll und einzigartig!

3. Nehme dich und deinen Körper an, so wie er gerade ist!

4. Sei dankbar für alles, was du hast!

5. Lobe dich und sei gut zu dir!

6. Akzeptiere alle Gedanken, die du hast, auch die schlechten!

7. Nehme dir täglich Zeit für dich!

8. Nimm deine Grenzen wahr!

9. Stehe für dich ein!

10. Schaffe dir ein liebevolles Umfeld!

11. Tue, was dich erfüllt!

12. Finde deinen eigenen Weg, deine Bestimmung!

Selbstliebe umzusetzen, ist wohl die schwerste Aufgabe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir jeden Tag daran arbeiten müssen. Auch eine Auszeit für uns selbst ist wichtig. Ich habe vor einiger Zeit meinen ersten Urlaub alleine auf Fanø, einer kleinen dänischen Insel, verbracht. Im letzten Jahr war ich für eine Woche in einem modernen Kloster, eine tolle, stille Erfahrung. Diese Reisen waren für mich selbst das beste Geschenk, das ich mir machen konnte.

Du kannst noch mehr Inhalte, die Dir auf Deiner Reise helfen werden, in meinem liebevoll designten Workbook finden. Dieses kannst Du hier einsehen.

Und was hat das jetzt mit Mode zu tun?

Ich möchte dir sagen, dass du dich nicht verstecken brauchst. Vergiss die selbsternannte Modepolizei. Trage die weiße Hose, das Shirt mit Streifen, den Rock oder das enge Kleid. Zeige dich und deinen Körper und gehe weiter mutig deinen Weg. Denn wenn wir mit uns im Reinen sind, stehen wir zu uns und strahlen auch eben genau das aus.

Mode sollte immer Spaß machen und niemals eine Last sein.
Und liebe Redakteure - traut euch doch mal mehr Abwechslung zu zeigen. Ich kenne viele tolle Frauen und Männer aller Körper- und Konfektionsgrößen. Sie alle sollten gesehen und gehört werden – niemand muss sich verstecken!

 

Autorin: Tanja Marfo

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