Schönheitschirurgie

Was man über Beauty-OPs wissen sollte

Schönheitsoperation. | © iStock | Robert Daly
Der beliebteste nichtchirurgische Eingriff? Botox!
Foto: iStock | Robert Daly

Sehen wir der Tatsache ins Gesicht: Beauty-OPs sind kein Tabu mehr, trotzdem bleiben eine Menge Fragen offen. Von Microneedling bis hin zu Meghan Markles Nase: Was man über Schönheitseingriffe wissen sollte.

Ein bisschen Botox in die Zornesfalte, ein Hauch Hyaluronsäure in die Oberlippe, alles kein großes Ding mehr. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie machen Faltenbehandlungen mit Botox und Hyaluronsäure 40 Prozent aller Schönheitstreatments aus, Tendenz steigend. Deutschland spritzt sich jung – oder zumindest in eine glattere Version seiner selbst.

Früher hat das automatisch zu einer kollektiven Ächtung geführt, wo nachgeholfen wurde, war das Etikett „Tussi“ schnell zur Hand (und auch wir hatten, ehrlich gesagt, so unsere Vorbehalte). Doch die Zeiten ändern sich. Botox-Bashing scheint billig. Denn wer entscheidet, wie viel Optimierung okay ist? Graue Haare abdecken, Zähne bleachen – alles noch im Konsensbereich. Wo verläuft die Grenze? Eine gute Gelegenheit, ein paar Fragen zu stellen. Grundlegende und grundsätzliche. Was richtig und was falsch ist? Entscheidet ab sofort jede Frau für sich selbst. 

Warum beurteilen wir Frauen danach, ob sie Botox in der Stirn haben oder nicht?

Weil es typisch deutsch (und übrigens auch menschlich) ist. „Im Gegensatz zu den USA, wo Beauty-Eingriffe als Zeichen wirtschaftlichen Wohlstands gelten, ist es in unserer Kultur verpönt, offensichtlich eitel zu sein“, meint die Psychologin Ada Borkenhagen. Hinzu käme ein angeborener Selbstschutzmechanismus: „Indem ich abwerte, dass jemand künstlich nachgeholfen hat, nehme ich mir selbst den Druck, das auch tun zu müssen.“ Interessant, oder? 

Ab welchem Alter sind solche Eingriffe überhaupt sinnvoll?

Wer den Ehrgeiz hat, mit glatter, makelloser Haut durchs Leben zu gehen, startet am besten, wenn sich die ersten Fältchen zeigen: Regelmäßige Botox-Injektionen verhindern, dass sie sich tiefer eingraben. Die Muskeln „verlernen“ mit der Zeit das An- und Entspannen. Selbst in kurzen botoxfreien Zeiten fällt das Stirnrunzeln dann milder aus. Auch Akne-Narben, erweiterte Äderchen oder Pigmentflecken müsste man lasern lassen, sobald sie auftreten. „Rechtzeitige und damit meist kleinere Eingriffe wirken natürlicher. Entscheidet man sich erst mit 60, ist die To-do-Liste für den Beauty-Doc ziemlich lang“, meint die Münchner Dermatologin Anja Swoboda.

Gibt es Behandlungen, die sich nicht miteinander vertragen?

Die meisten lassen sich gut kombinieren, bei manchen muss aber eine Pause von einigen Tagen oder sogar Wochen eingeplant oder eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden. Beispiel: Filler und Botox können gut in einer Sitzung gespritzt werden, bei einer zusätzlichen Laserbehandlung ist dann meist ein Abstand von drei bis vier Wochen erforderlich. 

Ständig neue Geräte und Methoden – bin ich als Patientin ein Versuchskaninchen?

„Alle Geräte in deutschen Praxen unterliegen strengen Kontrollen der Medizinprodukteverordnung, da muss man sich keine Sorgen um unkalkulierbare Langzeitfolgen machen“, sagt die Münchner Dermatologin Dr. Patricia Ogilvie. Bei Anwendungsmethoden (z. B. Fadenlifting, Filler- und Botox-Injektionen) sollte man sich an Ärzte wenden, die theoretische und manuelle Zusatzqualifikationen von fachärztlichen Gesellschaften nachweisen können. Für Laser sind sie sogar Pflicht. 

Warum haben nur wenige Ärzte ein Simulationsprogramm für solche Eingriffe?

„Weil sie aktuell noch extrem teuer sind“, sagt der Münchner Dermatologe Daniel S. Müller. Außerdem könne man Filler-und Botox-Behandlungen sowie so nie so exakt simulieren wie eine Brustvergrößerung oder ein Lifting. Der Grund: Die Ergebnisse von minimalinvasiven Behandlungen unterscheiden sich individuell, weil sie von der Beschaffenheit des Hautgewebes, der Injektionstechnik und des verwendeten Materials abhängen.

Gibt es etwas, das man nicht korrigieren kann?

„Aus einer Frau mit breiten Hüftknochen kann man keine filigrane Gazelle formen“, erklärt Sonja Sattler, Dermatologin und Leiterin der Rosenparkklinik Darmstadt. Knochenstruktur und Muskelmasse begrenzen die Möglichkeiten. Ein gutes Beispiel sind die popolären, Pardon, populären Po-Vergrößerungen: Ein bisschen mehr Volumen ist machbar, wenn die Figur aber zu zierlich sei, lasse sich aufgrund der fehlenden Muskelmasse auch kein Hintern à la Kim Kardashian formen. 

Machen Frauen das für sich selbst, für Männer – oder für andere Frauen?

99 Prozent der gebotoxten Frauen würden darauf wohl antworten, dass sie es einzig und allein für sich selbst tun. Psychologin Ada Borkenhagen ist skeptisch: „Wer sich ästhetischen Eingriffen unterzieht, tut das auf einer unterbewussten Ebene für ein Gegenüber. Unser Idealbild ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde durch andere geprägt, etwa durch Medien.“ Professor Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe und Präsident der German Society of Anti- Aging Medicine aus Nürnberg, widerspricht. Er glaubt an die „Mach ich für mich selbst“-Theorie und sagt: „Dass wir länger jung aussehen wollen, passt zu der Tatsache, dass wir länger jung sind. Wenn das Spiegelbild nicht dem biologischen Alter entspricht, passen wir es eben an.“ Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. 

Warum wollen jetzt alle eine Nase wie Meghan Markle?

Seit bekannt wurde, dass die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle den lässigsten aller Prinzen (nämlich Harry) heiraten wird, sind die Gesichtszüge der Kardashian-Schwestern endlich entthront: Keine Promi-Nase ist derzeit beliebter als die der Duchess of Sussex. Auch bei Professor Werner Mang, dem „König der Nasen“, häufen sich die Anfragen. Und das, obwohl sie nicht mal dem Ideal entspricht: „Mit dem leichten Höcker und der eher spitzen Form ist Meghans Nase nicht perfekt, aber sie hat Charisma.“ Immerhin erfreulich, dass sich Frauen authentischere Vorbilder als die Kardashians suchen. Dass sie stattdessen wie Prinzessinnen aussehen wollen, bleibt dennoch fragwürdig. 

Warum finden manche Frauen kein Ende – und sehen irgendwann wie ein Zombie aus?

Weil Schönheits-OPs Suchtpotenzial haben. Und es Ärzte wie Michael Obeng gibt. Der Amerikaner, der mit Slogans wie „Wir machen sogar Barbie neidisch“ wirbt und dem deutschen Starlet Sophia Wollersheim mehrere Rippen für eine 42-Zentimeter- Taille entfernt hat, behandelt mit Vorliebe Patientinnen, die beim Psychotherapeuten besser aufgehoben wären. Mit der sogenannten Dysmorphophobie, der krankhaften Angst davor, hässlich zu sein, haben Operateure öfter zu tun. Betroffene beschäftigen sich permanent mit vermeintlichen Makeln – und hören nicht auf, sie zu bekämpfen. Die Folge: das berühmte Geisterbahn-Gesicht. Dass diese Über-Operierten hierzulande dennoch selten sind, verdanken wir verantwortungsvollen Ärzten. Und der deutschen Zurückhaltung beim Thema Beauty-OP.

Warum unterscheiden sich die Preise für Filler-Treatments und Co. von Arzt zu Arzt?

Die Kosten sind abhängig von Menge und Art der verwendeten Produkte, den Betriebskosten der Praxis und Investitionen des Arztes in Fortbildungen: „Hinzu kommt, dass z. B. Filler nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen. Sie dürfen auch von Heilpraktikern gespritzt werden, die sie oft günstig anbieten, weil sie billige, flüssigere Produkte verwenden. „Die sind unkomplizierter in der Anwendung, halten aber nicht besonders lange“, warnt Dr. Sonja Sattler. 

Die beste Antwort auf die Frage: Hast du was machen lassen?

Psychologin Ada Borkenhagen rät zu entwaffnender Ehrlichkeit: „Ja, sieht toll aus, oder?“ Wer nichts verraten will, orientiert sich an George Clooney, der darauf antwortet: „Nicht im Gesicht. Aber ich habe mir die Hoden straffen lassen.“ Humor hilft. 

Die heute Geborenen werden im Schnitt 100 Jahre. Werden sie auch langsamer altern?

Ja, sagt der Altersforscher Tony Wyss-Coray. Letztes Jahr veröffentlichte er seine neuesten Erkenntnisse, wonach sich das Gedächtnis alter Mäuse verbessert, wenn man ihnen menschliches Nabelschnurblut injiziert. Die „Young Blood Therapy“, die – wen wundert’s – längst auch Schönheitsmediziner beschäftigt, könnte Skalpell und Spritze irgendwann überflüssig machen. Aber auch ohne solche Eingriffe altern wir langsamer als unsere Vorfahren: „Jemand, der heute 65 ist, hat das biologische Alter eines 55-Jährigen von vor 30 Jahren“, weiß Professor Bernd Kleine-Gunk. Die Gründe? Steigender Wohlstand, medizinischer Fortschritt und eine bewusstere Lebensweise. 

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Neue Methoden

Das gibt es heute:

Mikrofokussierter Ultraschall

Die Energie des Ultraschalls gelangt in tiefere Hautschichten, erzeugt dort kleine Verletzungen und regt so die Neubildung von Kollagen und Elastin an – das Bindegewebe wird fester, die Haut straffer. Bisher nur für Gesicht, Hals und Dekolleté. Kosten: ab ca. 300 Euro (Partie über der Oberlippe), Gesicht ca. 3000 Euro. 

Laser

Mit ihrer Energie lassen sich eine ganze Reihe von Problemchen lösen: Laser arbeiten mit unterschiedlichen Wellenlängen und können erweiterte Äderchen, Narben, Warzen, Härchen und Pigmentflecken entfernen, Fältchen glätten und Poren verfeinern. Kosten: z. B. Pigmentflecken entfernen ab ca. 130 Euro. 

Skinbooster

Sie päppeln die Haut sozusagen von innen mit Feuchtigkeit auf. Dafür werden Mikrodepots eines weichen Hyaluronsäure-Gels injiziert, die wie kleine Wasserspeicher funktionieren. Die Haut sieht danach praller und glatter aus und bekommt einen frischen Glow. Hält sechs Monate. Kosten: ab ca. 350 Euro. 

Das bringt die Zukunft: 

Ganzkörper-Ästhetik

Um schlaffe Körperhaut zu straffen und das darunterliegende Gewebe zu festigen, wird in Asien bereits seit drei Jahren mikrofokussierter Ultraschall eingesetzt. Diese Geräte gibt es bei uns bisher nur für Gesicht, Hals und Dekolleté. Wann die All-over-Treatments auch in Deutschland für den ganzen Körper angeboten werden, ist nur eine Frage der Zeit. Einen ähnlichen Effekt haben auch Kollagen-Stimulantien, die mit Energie aktiviert werden. Für diese Kombi-Behandlungen wird zum Beispiel Calciumhydroxylapatit (Filler) sehr stark verdünnt unter die Haut gespritzt und anschließend mit mikrofokussiertem Ultraschall oder Radiofrequenz behandelt. „Ein aussichtsreiches Verfahren, um die Körperhaut zu verdicken. Allerdings steckt es noch in den Anfängen, weitere wissenschaftliche Studien sind nötig“, sagt Dr. Sonja Sattler. 

Plasmatechnologie

Sogenannte Plasmapens zum Straffen der Oberlider gibt es schon länger. Die Methode hat sich allerdings enorm weiterentwickelt und wird bald auch zum Faltenglätten im Gesicht, an Hals, Dekolleté und zum Entfernen von Narben und Schwangerschaftsstreifen eingesetzt. Dafür betäubt der Arzt die Haut mit einer Salbe. Anschließend bearbeitet er sie mit Plasmaenergie, die aus der Spitze des Stiftes in Form einer Plasmawolke aus elektrisch geladenen Partikeln entweicht. Das eliminiert dünne Hautschichten und strafft sichtbar. Dabei bildet sich eine Kruste, die aber nach ein paar Tagen abheilt. 

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Text: Ina Küper-Reinermann und Marie-Luise Wenzlawski