Der Bader-Komplex

Selbstversuch: Anti-Aging-Creme

Frau trägt Creme auf | © iStock | Squaredpixels
Das Innovative an der neuen Anti-Aging-Creme: Sie basiert auf Erkenntnissen der Stammzellen-Wissenschaft.
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Stammzellen-Biologe Augustinus Bader ist vor ein paar Jahren ein Scoop in Sachen Wundheilung gelungen. Wie gut ist seine erste Anti-Aging-Creme?

Immer wenn ich einen neuen Tiegel mit Anti-Aging-Creme aufschraube, geht meine Fantasie ein kleines bisschen mit mir durch: Ich stelle mir vor, wie ich ein paar Wochen später in meinen (siebenfachen!) Vergrößerungsspiegel blicke und vergeblich nach Fältchen suche. Ist noch nie passiert. Bei diesem Testobjekt ist meine Erwartungshaltung besonders hoch. Die Creme im blauen Pumpspender hat Augustinus Bader entwickelt.

The Cream“ und „The Rich Cream“ von Augustinus Bader 

Im Beautybereich ist der Mann noch weitgehend unbekannt – im Gegensatz zur regenerativen Medizin. Der Professor für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie von der Uni Leipzig sorgte 2010 für Aufsehen: Er fand heraus, wie die Natur bei Verletzungen körpereigene Stammzellen steuert. Mit diesem Wissen entwickelte er ein Hydrogel, das bei Verbrennungen die Reparaturmechanismen der Haut unterstützt, sodass die Wunden schneller heilen, weniger Narbengewebe entsteht und Hauttransplantationen überflüssig werden. Es besteht unter anderem aus Botenstoffen des Immunsystems, sogenannten Zytokinen. Auch bei schweren Wundheilungsstörungen wie etwa bei Diabetes und Knochendefekten hat sein Ansatz bereits funktioniert.

Und jetzt also Gesichtscremes. Eine mit leichter, eine mit reichhaltiger Textur. Beide sollen kleine Linien und Fältchen verschwinden lassen sowie Rötungen und Altersflecken mindern, wenn man sie morgens und abends aufträgt. Ich entscheide mich für die reichhaltige Variante mit Argan-, Avocado- und Nachtkerzenöl, schnuppere dran (kein Parfum) und verreibe sie zwischen den Fingerkuppen: keine Silikone. Das ist gut. Die sorgen nämlich für dieses pseudoweiche Hautgefühl, das ich unangenehm finde, weil es sich künstlich anfühlt und keinen wirklichen Nutzen hat – außer eben dem pseudoweichen Hautgefühl.

Diese Textur aber ist bestens, die Creme lässt sich super verteilen und enthält ausreichend Fette, die meine Haut sofort aufsaugt. Danach ist sie weich, gesättigt und braucht keine zusätzliche Pflege. Augustinus Baders Cremes kommen ohne Serum- oder Ampullen-Vorbehandlung aus: Reinigung, Gesichtswasser, Creme – fertig. Um zu überprüfen, ob und was passiert, suche ich mit Blick in den Vergrößerungsspiegel eine Referenz-Falte. Die Auswahl ist groß. Ich nehme ein Knitterfältchen links unterhalb des Mundwinkels. Mit bloßem Auge betrachtet fällt es kaum auf, aber weil Kosmetika bestenfalls Mini-Falten glätten, kommt eine richtig tiefe Falte fairerweise nicht in Betracht.

Die Bader-Hautpflege basiert auf Erkenntnissen der Stammzellen-Wissenschaft

Das Innovative an Augustinus Baders Hautpflege: Sie basiert auf Erkenntnissen der Stammzellen-Wissenschaft. Was aber nicht bedeutet, dass Stammzellen in seiner Kosmetik steckten. Weder humane – was ohnehin gesetzlich verboten wäre – noch pflanzliche. „Apfelstammzellen können zum Beispiel ausschließlich Apfelzellen herstellen“, erklärt Bader. „Deshalb habe ich mich mit den Mechanismen der körpereigenen Regeneration beschäftigt.“ Seine Creme sorge dafür, dass das Mikromilieu der Hautstammzellen mit genau den Bausteinen versorgt wird, die es braucht, um die richtigen Botenstoffe herzustellen, die einen Regenerations- und Verjüngungsprozess in den Zellen auslösen.

„Diese Reparatur funktioniert bei junger Haut gut, wird aber schlechter, je älter wir werden“, sagt der Wissenschaftler, der in über 25 Jahren Forschung entschlüsselt hat, warum und wie Haut heilt. Von diesen Erkenntnissen profitiert nun seine Creme, genauer gesagt der badersche Trigger Factor Complex, kurz TFC8. „Er besteht aus 40 verschiedenen Substanzen, sozusagen ein Drei-Sterne-Menü aus Aminosäuren, Vitaminen und synthetisierten Molekülen, wobei die körpereigenen Stammzellen die Köche sind“, erklärt er. Wenn dann UV-Strahlung, Umweltgifte, Alkohol oder Nikotin den Hautzellen zusetzen und ihren Reparaturmechanismus anregen, stelle TFC8 ihnen Bausteine zur Verfügung, um elastische Fasern wie bei junger Haut zu produzieren statt verhärteten Kollagens, das zu Elastizitätsverlust und Falten führt.

Erstes Testergebnis - vielversprechend

Zwei Jahre hat der Mann an dieser Mixtur getüftelt. Er ist viel unterwegs, reist durch die ganze Welt, um seine Forschungen voranzutreiben. Zehn Prozent des Gewinns fließen in neue medizinische Forschungsprojekte. Mein privates Forschungsprojekt läuft nun seit drei Wochen. Das erste Ergebnis ist vielversprechend: Die roten Äderchen in der Nasenfalte sind blasser, und auch die kleine rote Vertiefung auf der Wange (ein Überbleibsel einer etwas ruppig ausgeführten Pickelentsorgung) ist verschwunden. Offensichtlich hat sich die Nachricht, dass genug Material für den Bau hübscher, junger Zellen vorhanden ist, im Mikromilieu herumgesprochen. Auch die Referenz-Falte ist weniger sichtbar geworden, kann aber für die abschließenden Umbauten durchaus noch eine Zugabe vertragen. Soll sie haben. Im Pumpspender ist noch genug Creme für weitere drei Wochen. An die Arbeit!

Text: Marie-Luise Wenzlawski