Schön wie Kleopatra & Twiggy 

Lidstrich schminken: Augen Make-Up in Perfektion

Lidstrich | © iStock | deniskomarov
Den Lidstrich gab es schon im alten Ägypten.
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Kleopatra, Kurt Cobain und Twiggy konnten nicht ohne. Der Lidstrich hat eine lange Geschichte, und ein Ende zeichnet sich nicht ab.

Die Geschichte des Lidstrich

Der Lidstrich: 2000 v. Chr.

Im alten Ägypten ist der Lidstrich vor allem eins: Aberglaube. Weil das Auge als Symbol für das Göttliche gilt, versprechen sich Bauernkinder von der dunklen Umrandung ebenso Schutz vor dem bösen Blick wie die großen Pharaonen. Diese ersten Eyeliner mischte man aus Tierfett und Mineralien wie Galenit, Malachit oder Kupfererz. Die eindrucksvolle Bemalung in Schwarz oder Grün soll außerdem Krankheiten, unliebsamen Insekten und aggressiven Sonnenstrahlen Einhalt gebieten. 

Der Lidstrich: 1900 bis 1920er-Jahre

Mutige Damen experimentieren um 1840 mit Kajal und dunklem Augenpuder. Um die breite Masse vom Zauber düster geschminkter Augen zu überzeugen, muss 1909 aber erst noch das russische Ballett in London gastieren. Die Tänzerinnen fliegen mit spektakulärem Augen-Make-up über die Bühne, die Nachfrage nach Eyeliner, Lidschatten und Mascara schnellt in die Höhe. 1922 entdeckt man Tutanchamuns Grab – und plötzlich ist die Welt besessen von der Ästhetik der Ägypter. Kleopatra mit ihrem Katzenaugen-Lidstrich wird zur Beauty-Influencerin der Roaring Twenties. 

1862: Mit dem Kohl-Eyeliner von Guerlain stellen russische Ballerinas herkömmliches Make-up in den (Lid-)Schatten.  | © Imago
1862: Mit dem Kohl-Eyeliner von Guerlain stellen russische Ballerinas herkömmliches Make-up in den (Lid-)Schatten.
Foto: Imago

Der Lidstrich: 1960er - bis 1990er-Jahren

In den Sechzigern pinselt sich Twiggy künstliche Wimpern unter die Lider, Edie Sedgwick färbt sich gleich die ganze Augenpartie schwarz, und auch Männer können nicht mehr so tun, als wäre ihnen Make-up egal. Mit David Bowie, Mick Jagger und Steven Tyler wird der „Guyliner“ geboren. Auch Nirvana-Sänger Kurt Cobain kann in den Neunzigern von dem schwarzen Zeug nicht die Finger lassen. 

Der Lidstrich: 2000 bis heute

Anfang der Nullerjahre verschwinden Kajal und Co. kurz in der Versenkung. Glücklicherweise holen Amy Winehouse und Adele ihn da wieder raus, und zwar nach dem Kleopatra-Motto: Wenn, dann richtig! Mit den „Tribute von Panem“-Filmen kündigt sich später der aktuelle Lidstrich-Hype an: der goldene Strich, ganz ohne Katzenschwung, präsentiert von niemand Geringerem als Lenny Kravitz. Nicht nur zeitlos also, sondern auch ziemlich postgender, dieser Lidstrich. 

Adele mit Lidstrich | © A-Way
2010er: Sängerin Adele holt den Lidstrich ins 21. Jahrhundert.
Foto: A-Way

Lidstrich ziehen: So geht's

Den perfekten Lidstrich zu ziehen gehört in Sachen Beauty und Make-up zur absoluten Königsdisziplin. Es benötigt schon etwas Übung und eine ruhige Hand, doch hat man einmal den Schwung raus, gibt es kaum ein wirkungsvolleres Augen Make-Up.

Schritt 1: Die Vorbereitung

Das Augenlid reinigen, so dass es möglichst fettfrei ist. Optimalerweise kann man etwas Primer auftragen, damit der Eyeliner optimal haftet.

Schritt 2: Den Eyeliner richtig ansetzen

Gerader Blick, ruhige Hand, dann mit dem Eyeliner an der Mitte des Augenlids ansetzen und in Richtung des äußeren Augenwinkels nach außen ziehen. Geht mal was daneben, einfach ein Wattestäbchen mit Make-Up-Entferner befeuchten, ausbessern und nochmal von vorn. Übung macht bekanntlich den Meister! Wichtig für einen wachen, geöffneten Blick: Am äußeren Augenwinkel sollte die Spitze des Lidstrichs nicht nach unten auslaufen, sondern immer nach oben.

Schritt 3: Den halben Lidstrich vollenden

Um den Lidstrich zu vollenden, setzt man nun idealerweise am inneren Auge an und ziehst den Lidstrich zum Ausgangspunkt in der Mitte. Das ermöglicht eine bessere Kontrolle. Besonders schön wird das Ergebnis, wenn der Lidstrich nach außen hin dicker wird. Am inneren Auge deshalb nur eine ganz sanfte Linie ziehen. 

Weitere Lidstrich-Techniken

Wer nicht mittig ansetzen möchte und eine relativ ruhige Hand hat, kann natürlich auch am inneren Auge starten und den Lidstrich in einem Schwung ziehen. Es gibt auch Frauen, die außen starten - hier muss jeder herausfinden, was ihm am besten liegt.

Top-Tipp: Erst kleine Punkte entlang des oberen Augenlids setzen, die man dann nach und nach miteinander verbindet. Ist ein bisschen wie "Malen nach Zahlen" und besonders für Anfänger hilfreich!

Kajal oder Eyliner? 

Ob Kajal oder Eyeliner die bessere Wahl ist, hängt vom gewünschten Ergebnis und den eigenen Fähigkeiten ab. Kajal lässt sich etwas leichter auftragen und verzeiht kleine Ungenauigkeiten, daher ist er für viele Anfänger die bessere Wahl. Das Ergebnis verwischt allerdings auch wesentlich schneller und hat eine andere Wirkung als ein akurat gezogener Lidstrich mit Eyeliner. Für verruchte Smokey Eyes eignet sich Kajal dagegen optimal. Je weicher und stumpfer die Mine, desto breiter und grober wird der Lidstrich.

Wer einen klassisch stilvollen Lidstrich-Look schminken möchte, sollte auf einen flüssigen oder gelförmigen Eyeliner setzen. Der Lidstrich wird damit akurater und härter, man sollte daher präzise arbeiten und kleine Patzer schnell ausbessern. Eine Lidstrich-Schablone kann dabei helfen, die gewünschte Form zu zeichnen. Idealerweise übt man einfach einige Zeit, dann geht der Lidstrich irgendwann ganz einfach von der Hand - auch ohne Hilfsmittel.

Wichtig: Ist die perfekte Linie mit flüssigem Eyeliner geglückt, sollte man ihn einige Sekunden mit geschlossenen Augen trocknen lassen, um das Ergebnis nicht zu verschmieren. 

Der passende Lidstrich zur Augenform

Je nach Größe und Form der Augen, eignen sich unterschiedliche Lidstriche. Bei großen, runden Augen sind dominante, breite Lidstriche eine gute Wahl. Die Linie sollte aber auch hier nach außen hin breiter werden.

Bei kleinen Augen sollte man von breiten Lidstrichen lieber absehen. Schmale Varianten sind hier die bessere Wahl, am inneren Augenlid unbedingt nur eine ganz sanfte Linie ziehen und nach außen entscheidend breiter werden. Man kann den Lidstrich auch erst mittig ansetzen, das vergrößert die Augen optisch. Ein wenig Highlighter im Augeninnenwinkel öffnet den Blick zusätzlich. 

Bei Schlupflidern empfehlen sich ebenfalls schmale Lidstrich-Varianten, die optisch möglichst im Wimpernkranz verschwinden. Am Ende kann man den Bogen ein wenig nach oben außen auslaufen lassen und so das Auge optisch verlängern.

Bei mandelförmigen oder hängenden Augen, sollte man den Lidstrich nicht bis an den Augenrand ziehen, sondern schon früher etwas nach oben verlaufen lassen. Das hebt das Auge optisch an.

Tipps & Tricks für den perfekten Lidstrich

  • Den Lidstrich möglichst nah am Wimpernkranz ziehen. Das wirkt besonders natürlich und verdichtet optisch die Wimpern.

  • Mit einer dünnen Linie innen beginnen und nach außen breiter werden. Ein dicker Lidstrich über dem ganzen Lid staucht das Auge optisch.

  • Am äußeren Augenwinkel sollte die Spitze des Lidstrichs niemals nach unten auslaufen, sondern immer nach oben.

  • Für besonders dramatische Looks kann man zusätzlich Kajal auf das Unterlid auftragen. Im Alltag wirkt das schnell überladen.

  • Wer eine unruhige Hand hat, kann versuchen im Sitzen einen Lidstrich zu ziehen - dabei den Ellbogen aufstützen, das gibt mehr Stabilität.

  • Kleine Patzer passieren jedem - ein mit Make-Up-Entferner getränktes Wattestäbchen ist der Helfer in der Not. 

  • Wenn der Kajal im Sommer zu heiß geworden ist, einfach eine Viertelstunde vor Benutzung in den Kühlschrank legen. Dann lässt er sich besser auftragen.

  • Für besseren Halt kann man Puder oder Primer auftragen, bevor man einen Lidstrich zieht

  • Für einen besonders wachen und aufgeweckten Blick, kann man etwas Highlighter im inneren Augenwinkel auftragen - das öffnet den Blick zusätzlich.

  • Am besten wirken Lidstrich-Looks, wenn der Rest des Make-Ups eher dezent ausfällt. In Kombination mit knalligem Lidschatten oder Lippenstift wirkt der Look schnell überschminkt und überladen.

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