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Stimmungsschwankungen: Wenn die Gefühle verrückt spielen

Brünette Frau steht lächelnd vor blauer Wand und bedeckt mit den Händen ihr Gesicht | © Getty Images | Westend61
Kein Grund, sich zu verstecken: Stimmungsschwankungen sind völlig normal und treten hin und wieder selbst bei normalerweise ausgeglichenen Frauen auf.
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Gerade noch bestens gelaunt, im nächsten Moment zu Tode betrübt: Das Auf und Ab der Gefühle kennen viele Frauen nur zu gut, doch die wenigsten sprechen offen darüber. Dabei können Stimmungsschwankungen zur echten Belastung im Alltag werden - nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für deren Partner, Familie und Freunde. Höchste Zeit also, dass wir offen über das Tabuthema sprechen: Welche Ursachen hinter Stimmungsschwankungen stecken und wie man die Emotionen wieder in den Griff bekommt. #GesundOhneTabus

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Stimmungsschwankungen

Viele Frauen schämen sich für auftretende Stimmungsschwankungen, dabei sind es häufig die Hormone oder körperliche Erkrankungen, die für das Gefühlschaos verantwortlich sind. Ein offener Umgang mit dem Thema ist das A und O. Wir machen den Anfang - und sprechen ganz offen über das Leiden vieler Frauen.

Was sind Stimmungsschwankungen?

Wie der Name schon sagt: Von Stimmungsschwankungen spricht man, wenn sich die Laune unvermittelt und grundlos ändert und vom Positiven ins Negative (oder umgekehrt) umschlägt. Ist der abrupte Gefühlsumschwung besonders stark ausgeprägt, ist medizinisch auch von Stimmungslabilität oder Affektlabilität die Rede. Häufig wird das emotionale Auf und Ab innerhalb kürzester Zeit von weiteren Symptomen begleitet: Für Stimmungsschwankungen typisch sind unter anderem depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, innere Unruhe, Unzufriedenheit und Nervosität.

Wechseljahre, Periode und Co.: Häufige Ursachen für Affektlabilität

Ob körperliche oder psychische Gründe für Stimmungsschwankungen verantwortlich sind, ist in der Regel nicht eindeutig diagnostizierbar. In den meisten Fällen gibt es allerdings psychische Gründe für das Gefühlschaos. Neben Depressionen und psychischen Erkrankungen sind oft Stress und ungelöste Konflikte die Auslöser. Ein heftiger Streit in der Familie, eine unglückliche Partnerschaft, beruflicher Druck oder Selbstzweifel können insbesondere sensible Charaktere in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzen. Verpasst man dann noch den Bus oder ärgert sich über die nicht ausgeräumte Spülmaschine, schlägt die Laune oftmals innerhalb von Sekunden um.

Die Rolle der Hormone

Häufig sind hormonelle Umstellungen für das emotionale Ungleichgewicht verantwortlich. Das ist zum Beispiel in den Wechseljahren der Fall, wenn der Östrogenspiegel im weiblichen Körper absinkt. Gefühlsschwankungen können sich auch in der Schwangerschaft oder während der Periode verstärkt bemerkbar machen – immer dann also, wenn die Hormone einem auf der Nase herumtanzen. Frauen, die die Pille wechseln oder auf eine andere hormonelle Verhütungsmethode umsteigen, sollten ebenfalls im Hinterkopf behalten, dass als Folge vorübergehend Stimmungsschwankungen auftreten können. 

 

Körperliche Erkrankungen

Daneben können körperliche Erkrankungen, zum Beispiel Tumore, Suchterkrankungen oder Schilddrüsenprobleme, die Emotionen aus dem Gleichgewicht bringen und Stimmungslabilität begünstigen. Doch auch weniger schwerwiegende Krankheiten oder eine unzureichende Versorgung des Körpers mit Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium oder Natrium wirken sich auf den Kreislauf und damit auf die Gefühlslage aus.

Häufig unterschätzt wird die Tatsache, dass körperliches Unwohlsein einen starken Einfluss auf die Laune hat. Selbst wenn man einen Traumtag mit der Familie verbracht oder beim Chef erfolgreich eine Gehaltserhöhung ausgehandelt hat: Wenn einen Verstopfung, Völlegefühl oder unerwartete Schmierblutungen plagen, leidet darunter auch die Stimmung – und die Emotionen legen womöglich von einer Minute auf die andere eine Kehrtwende hin.

Was man bei Verstopfung, Blutungen in den Wechseljahren oder fiesen Menstruationskrämpfen auf keinen Fall tun sollte? Sich wegen der Beschwerden oder Stimmungsschwankungen auch noch selbst unter Druck setzen. Es ist unter diesen Umständen völlig normal, dass man sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt – kein Grund also, an sich selbst zu zweifeln oder gute Miene zum bösen Spiel zu machen, obwohl einem nicht danach ist. Offen darüber zu sprechen sorgt außerdem für Verständnis eurer  Mitmenschen. Den alten Spruch "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" solltet ihr also schnellstens vergessen. 

Wie Stimmungsschwankungen diagnostiziert werden

Theoretisch ist Stimmungslabilität einfach feststellbar. Spätestens wenn ihr selbst bemerkt, dass eure Laune immer wieder in kürzester Zeit von Himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt umschlägt, ist das ein klares Anzeichen dafür, dass ihr an Stimmungsschwankungen leidet. Wenn das Gefühlschaos nur hin und wieder auftritt und keine Auswirkungen auf Partnerschaft, Familie oder Freundschaften hat, besteht kein Grund zur Sorge (oder dazu, sich ärztlich untersuchen zu lassen).

Hält das Auf und Ab der Gefühle über einen längeren Zeitraum an oder habt ihr Schwierigkeiten, aus einem emotionalen Tief aus eigener Kraft herauszukommen, solltet ihr allerdings einen Arzt aufsuchen. Notiert euch vorab, wie oft und in welchen Situationen die plötzlichen Stimmungswechsel auftreten und welche Symptome sich dabei gegebenenfalls noch bemerkbar machen. Das erleichtert dem Mediziner die Diagnose. Daneben wird im Zuge der Untersuchung ein Bluttest gemacht, um körperliche Ursachen und Mangelerscheinungen auszuschließen.

Braucht man eine Therapie, wenn die Gefühle verrückt spielen?

Genauso vielfältig wie die Ursachen für Stimmungsschwankungen sind die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Grundsätzlich gilt: Eine Therapie oder ärztliche Untersuchung ist in der Regel nur dann notwendig, wenn das Gefühlschaos sehr häufig oder stark ausgeprägt auftritt und euch oder euer soziales Umfeld im Privat- und Berufsleben beeinträchtigt. Sind körperliche Ursachen, etwa eine Hormonstörung oder Schilddrüsenunterfunktion, für den abrupten Stimmungsumschwung verantwortlich, sollten diese medizinisch behandelt werden, um das physische und damit auch das psychische Gleichgewicht wiederherzustellen. Lösen Depressionen oder andere schwerwiegende psychische Probleme die Stimmungslabilität aus, ist eine Therapie unbedingt empfehlenswert.

Stimmungsschwankungen: was man selbst tun kann

  • Geht regelmäßig euren Hobbys nach und trefft euch mit Menschen, die euch guttun – gerade in emotional belastenden Phasen. Das lenkt ab und trägt dazu bei, dass es erst gar nicht zu Stimmungsschwankungen kommt.

  • In Stressphasen treten gefühlsmäßige Ups und Downs besonders häufig auf. Nehmt euch deshalb gezielt Auszeiten und nutzt die beruhigende Wirkung von Heilpflanzen wie Baldrian, Melisse oder Lavendel, um das Gedankenkarussell zu stoppen und bewusst abzuschalten.

  • Sonne und Bewegung an der frischen Luft pushen den Serotoninspiegel und können das Auftreten von Stimmungstiefs reduzieren.

  • Achtet auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Lebensmittel mit vielen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, zum Beispiel Fisch oder Nussöle, haben einen stabilisierenden Effekt auf die Laune. Käse, Milch, Kartoffeln, Geflügel, Nüsse und andere Nahrungsmittel mit hohem Tryptophan-Gehalt fördern die Bildung des Glückshormon Serotonin.

  • Meidet zuckerreiche Speisen – die erhöhte Insulinausschüttung und das anschließende Absinken des Blutzuckerspiegels können Stimmungsschwankungen begünstigen.

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