Unterschätzte Nahrungsmittelunverträglichkeit

Fructoseintoleranz: Anzeichen erkennen & Beschwerden lindern

Frau hält Obst in den Händen | © iStock | CoffeeAndMilk
In vielen Fällen lässt sich eine Fructoseintoleranz heilen oder zumindest bessern.
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Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall nach dem Essen? Dass hinter diesen Beschwerden der eigentlich als so gesund geltende Fruchtzucker stecken kann, vermuten die Wenigsten. Dabei gibt es einfache Tests, um eine Fructoseintoleranz festzustellen. Alles über Symptome, Diagnosemethoden – und was wirklich gegen die Nahrungsmittelunverträglichkeit hilft. 

Gerade im Sommer locken frisches heimisches Obst oder exotische Früchte - doch die bekommen vielen ganz und gar nicht. Darmbeschwerden und Magenkrämpfe sind die Folge einer Fructoseintoleranz. Das Problem: Viele Betroffene wissen gar nicht, dass der Fruchtzucker Schuld an ihren Verdauungsbeschwerden ist. Während Unverträglichkeiten gegen Lactose oder Gluten bereits gut erforscht sind, herrscht in Sachen Fruchtzuckerunverträglichkeit sogar bei Ärzten nach wie vor große Unwissenheit. Schwer zu glauben, denn Fructoseintoleranz kommt in Deutschland gar nicht so selten vor – nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind immerhin zwei von drei Kindern und jeder dritte Erwachsene davon betroffen. 

Viele Betroffene leiden jahrelang unter den Beschwerden einer Fructoseintoleranz – dabei ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, um Langzeitschäden zu verhindern. Steht nach einem Test fest, dass eine Fruchtzuckerunverträglichkeit der Grund für Magenschmerzen und Co. ist, nehmen oft Frust und Angst überhand: Kann ich mich nun nie wieder gesund und vollwertig ernähren? Und was kann ich überhaupt noch essen? Fruchtzucker steckt schließlich nicht nur im Obst, sondern auch in Gemüse, Brot und vielen anderen Lebensmitteln.

Fruchtzucker und Fructoseintoleranz: Was ist das eigentlich?

Fruchtzucker, die sogenannte Fructose, ist ein Einfachzucker, der von Natur aus vor allem in Honig und Obst zu finden ist. Auch der als Glucose bekannte Traubenzucker ist ein Einfachzucker, jedoch mit geringerer Süßkraft. Im gewöhnlichen Haushaltszucker stecken ebenfalls Fructose und Glucose – je zu einem Anteil von 50 Prozent. Der gesunde Ruf des Fruchtzuckers ist schon lange ins Wanken geraten, vor allem durch die Herstellung des industriell-hochkonzentrierten Fructose-Sirups, der in zahlreichen Getränken und Fertigprodukten zum Einsatz kommt und nachweisbar eine große Rolle bei Volkskrankheiten wie Diabetes spielt.

Wer übermäßig viel davon konsumiert, kann kurzfristig an einer Fructose-Malabsorption leiden. Die ist aber eher auf eine totale Darmüberforderung zurückzuführen und nicht mit einer Intoleranz zu verwechseln. Und auch bei der Unverträglichkeit von Fruchtzucker gilt: Fructoseintoleranz ist nicht gleich Fructoseintoleranz. Medizinisch werden hier nämlich zwei Arten unterschieden – die hereditäre und die intestinale Fructoseintoleranz.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Bei der hereditären Fructoseintoleranz (HFI) handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselstörung, bei der dem Körper das Enzym Adolase B fehlt, das für den Fructoseabbau verantwortlich ist. Da Muttermilch keinen Fruchtzucker enthält, zeigen sich die ersten Beschwerden meist nach dem Abstillen, wenn Babys an Durchfall und Erbrechen leiden. Wenn die Unverträglichkeit nicht behandelt wird, kann das schwere Folgen haben: Darm- und Bauchproblemen, Apathie, Unterzucker, Krampfanfälle bis hin zu schweren Nieren- und Leberschäden. Zum Glück kommt die vererbte Fructoseintoleranz nicht häufig vor, Betroffene dürfen jedoch ihr ganzes Leben lang keinen Fruchtzucker zu sich nehmen.

Intestinale Fructoseintoleranz

Viel weiter verbreitet als die vererbbare Variante ist die Intestinale Fructoseintoleranz (IFI), bei der die Aufnahme des Fruchtzuckers ins Blut gestört ist. Was bei dieser Resorptionsstörung im Darm geschieht? Normalerweise sorgen bestimmte Transporteiweiße – das sogenannte GLUT-5 – mit dafür, dass der Fruchtzucker aus der Nahrung über die Dünndarmschleimhaut in die Blutbahn gelangt. Funktioniert dieser Transport nicht gut, verbleiben Zuckermoleküle im Darm und rutschen dort immer tiefer. Erst im Dickdarm sorgen Bakterien dafür, dass die Fructose abgebaut wird – die dabei entstehenden Gase sind für Betroffene aber alles andere als angenehm. Und auch die wasserbindende Eigenschaft der Fructose, die dafür sorgt, dass dem Nahrungsbrei keine Flüssigkeit entzogen wird, löst unangenehme Beschwerden aus. Da die Leistungsfähigkeit dieses Transportsystems bei jedem Menschen anders ist, gibt es verschiedene Ausprägungen der Fructoseintoleranz. Während viele Fruchtzucker noch in gemäßigten Mengen zu sich nehmen können, setzen bei anderen bereits nach einem Bissen die Beschwerden ein.

Über die Ursachen der IFI sind sich die Forscher noch nicht einig. Auslöser können Infektionen im Magen- und Darmbereich, die Einnahme von Antibiotika oder anderen Medikamenten, die den Verdauungstrakt belasten, sein. Oder Pilzinfektion, die die Darmflora angreift. Zusätzlich spielen wohl auch chronische Belastungen wie Stress, ungesunde Ernährung und der übermäßige Konsum von Fruchtzucker eine große Rolle.

Symptome einer Fructoseintoleranz

  • Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall

  • Übelkeit, Verstopfung und Stuhldrang

  • Kopfschmerzen und Sodbrennen

Die Symptome treten meist wenige Stunden nach dem Verzehr von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken auf, können sich aber auch erst nach 24 Stunden bemerkbar machen. Wenn die Unverträglichkeit nicht erkannt und behandelt wird, führt das zu weiteren Beschwerden und kann sogar ernste Erkrankungen zur Folge haben: Schwindel, Erschöpfung, Depressionen oder eine erhöhte Infektionsanfälligkeit durch Nährstoffmangel (zum Beispiel Zink und Folsäure). Obendrein können weitere Nahrungsmittelintoleranzen auftreten und die Darmflora so aus dem Gleichgewicht bringen, dass die Beschwerden sogar dann auftreten, wenn gar kein Fruchtzucker mit im Spiel ist. 

Diagnose: So wird eine Fructoseintoleranz festgestellt

Wer mit den typischen Symptomen zum Arzt geht, wird oft erst auf alles Mögliche untersucht: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, eine Bauchspeicheldrüsenschwäche oder ein Gallenproblem. Häufig schließt der Mediziner auf einen Reizdarm, in manchen Fällen wird das Krankheitsbild auch als „psychosomatisch“ gedeutet. Was man selbst unternehmen kann, um eine Fructoseintoleranz ans Licht zu bringen? Zum Glück eine ganze Menge – zum Beispiel ein Ernährungstagebuch führen. Mindestens zwei Wochen lang werden darin alle verzehrten Lebensmittel und Getränke bis aufs Kleinste notiert, dazu die Uhrzeit, der aktuelle Gesundheitszustand und eventuelle Beschwerden. Bereits nach kurzer Zeit kann so eingegrenzt werden, was für das Grummeln im Bauch verantwortlich sein kann. Immer Probleme nach einem großen Glas Fruchtsaft oder einem Müsli mit Obst und Honig? Dann ist eine Unverträglichkeit auf Fruchtzucker wahrscheinlich. Zusätzlich können Selbsttests durchgeführt werden. Jede Menge Fragenkataloge zu Ernährungsweise und Beschwerden gibt es im Internet – einen Arztbesuch ersetzen sie jedoch nicht. Denn nur ein Experte kann eine eindeutige Diagnose zur Fructoseintoleranz stellen.

Egal ob Hausarzt des Vertrauens oder Internist: Mit einem H2-Atemtest oder einem Fructose-Provokationstest können Mediziner Fructoseintoleranz zuverlässig testen. Beim Wasserstoff-Atemtest wird die Menge an H2-Gasen erst ohne, dann mit Fruchtzuckereinnahme getestet. Alternativ trinkt der Patient beim Provokationstest eine spezielle Lösung, die mit 25 Gramm Fructose versetzt ist. Wenn Beschwerden auftreten (oder eben nicht), kann der Arzt eine eindeutige Diagnose stellen. 

Heilbar? Das sollte man bei Fructoseintoleranz tun

Die schlechte Nachricht vorweg: Eine Heilung der Fructoseintoleranz ist leider (noch) nicht möglich. Trotzdem können Betroffene ein beschwerdefreies Leben führen. Und jetzt die gute Nachricht: Auf Obst und Co. muss man nicht gänzlich verzichten – je nach Verträglichkeit und Darmflora dürfen ausgewählte süße Früchtchen mit ihren Ballaststoffen, Mineralien und Vitamin in Maßen auf den Speiseplan. Doch zuerst sollte ein Experte aufgesucht werden, der einen neuen individuellen Ernährungs-Fahrplan erstellt. Zu Beginn der Ernährungsumstellung sollte man über mehrere Wochen überhaupt nichts zu sich nehmen, das Fructose enthält. Bis es zur Linderung der Beschwerden kommt, kann fast ein Jahr vergehen. Anschließend geht es in die nächste Phase: Ein paar Lebensmittel mit geringer Fruchtzuckermenge dürfen dann wieder auf den Teller, allerdings sollte genau beobachtet werden, bei welchem Nahrungsmittel die Beschwerden sich zurückmelden.

Neben der Ernährungsumstellung kann die Sanierung der Darmflora helfen, die Fructoseintoleranz einzudämmen. Am besten bringt man den Darm mit speziellen Probiotika und einer sorgfältig durchgeführten Darmreinigung wieder in Schwung. Zur Stärkung der Darmschleimhaut, die für den Transport von Fruchtzucker ins Blut mitverantwortlich ist, eignet sich Gerstengras – und auch die Mineralerde Bentonit unterstützt den Darm durch die Regulierung des Gas- und Bakterienhaushalts. Eine gründliche Entsäuerung trägt ebenfalls dazu bei, dass die Verdauungsbeschwerden nicht mehr auftreten.

Fructosefreie Lebensmittel: Was kann ich essen?

Wer was genau essen kann, hängt von der persönlichen Toleranzschwelle und Ausprägung der Unverträglichkeit ab. Ein paar Dinge sollte man bei einer bestehenden Fructoseintoleranz aber grundsätzlich beachten: 

Ernährung mit Fructoseintoleranz – die Do’s

• Die richtigen Lebensmittel: Besonders geeignet sind fructosearme Lebensmittel wie Kartoffeln, Vollkorn, Fleisch (keine Wurst!), Fisch, Kerne, Zucchini, Avocados, Pilze, Knollensellerie, Buchweizen sowie grünes Blattgemüse.

• Der richtige Zucker: Da Haushaltszucker zu 50 Prozent aus Glucose besteht, die die Fruchtzuckeraufnahme begünstigt, vertragen ihn viele Betroffene in Maßen. Besser sind aber Steviaprodukte oder Reissirup. Die DGE warnt vor Zuckeraustauschstoffen wie Sorbit, da er die Aufnahme der Fructose verhindern kann.

• Auf den Inhalt achten: Es gibt zwar einige fructosereduzierte Lebensmittel, bei einer Unverträglichkeit sollte man beim Einkaufen aber trotzdem gut auf die Etiketten schauen. Nur so lässt sich herausfinden, ob sich Fruchtzucker in einem Produkt versteckt. Sogar auf Labels wie „fructosefrei“ oder „ohne Fruchtzucker“ ist kein Verlass – so gekennzeichnete Lebensmittel können trotzdem Haushaltszucker enthalten.

Ernährung mit Fructoseintoleranz – die Don’ts

• Das sollte vom Speiseplan fliegen: Tabu sind industriell erzeugte Süß- und Backwaren, verarbeitete Milcherzeugnisse, Müsliriegel, Honig, die meisten Fruchtsorten und damit verarbeitete Produkte wie Säfte oder Joghurt, Wein, Liköre, Fertigsaucen wie Ketchup und Fertigprodukte.

• Die Sache mit dem Obst: Am besten ganz auf Äpfel, Birnen, Mangos, Trauben und vor allem Trockenfrüchte verzichten – lieber auf Bananen, Mandarinen, Beeren und Zitronen zurückgreifen. Andere Obstsorten mit Vorsicht genießen und Früchte nie auf nüchternen Magen essen.

Weitere Infos gibt es in der DGE-Infothek „Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Eine Fructose-Tabelle mit 100 Lebensmitteln im Vergleich findet man im Web zum Beispiel auf lebensmittlunvertraeglichkeit.de.