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So schön ist nachhaltige Mode

Nachhaltige Mode | © iStock, Oksana_Bondar
Faire Mode ist stylish und angesagt – da wird jede Fashionista fündig.
Foto: iStock, Oksana_Bondar

Nachhaltige Mode ist nicht nur gut für die Umwelt und fair zu den Menschen, die sie produzieren – sie ist auch wunderhübsch, trendy, vielseitig und längst nicht so teuer, wie viele denken. Wir haben alle Infos und die besten Shoppingtipps.

Was ist nachhaltige Mode

Drei wichtige Kriterien kennzeichnen Fair Fashion: Die Materialien sind nachhaltig (bio, recycelt etc.), die Produktion ist umweltfreundlich (möglichst wenig Giftstoffe, ressourcenschonend) und die Menschen, die in der Produktion arbeiten, werden angemessen bezahlt und behandelt. On top gibt’s noch Variablen wie kurze Lieferwege, Unterstützung sozialer Projekte, Less-Waste-Verpackung, Abbaubarkeit der Kleidungsstücke, vegane Materialien etc.

Warum nachhaltige Mode?

Irgendjemand bezahlt immer. Bei extrem günstiger Mode sind's oft die Menschen in der Produktionskette – und die Umwelt. 1,2 Billionen Tonnen CO2 setzt die Fast-Fashion-Industrie um, mehr als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Das ist erschreckend, bietet aber auch eine lohnende Perspektive für individuellen Einsatz. Denn wenn wir alle in Sachen Konsum kürzertreten und dafür weniger und mehr nachhaltige Mode gekauft wird, kann viel erreicht werden. Und das, ohne das Budget zu überziehen oder beim persönlichen Style-Level Abstriche zu machen, versprochen!

Wer einen genaueren Blick hinter die Kulissen der Modeindustrie werfen will, dem sei die Dokumentation "The True Cost" (verfügbar bei Amazon Video) empfohlen:

Siegel für nachhaltige Mode

Es gibt einige Siegel, die Nachhaltigkeit und/oder Fairness in der Mode kennzeichnen – mit unterschiedlichen Vorgaben. Vergeben werden sie von Regierungsseite oder unabhängigen Organisationen. Manche zertifizieren fast die ganze Produktionskette eines Kleidungsstücks, andere "nur" die verwendeten Textilien oder die Arbeitsbedingungen.

So sehen sie aus:

Kriterien und Unterschiede im einzelnen aufzuführen, würde an dieser Stelle zu weit führen (bei Utopia.de gibt es eine hilfreiche Übersicht). Wichtig zu wissen: Es geht um das Verbot von Pestizidanbau beim Baumwollanbau und gesundheitsschädlichen Chemikalien bei der Herstellung von Fasern und Stoffen. Es geht um ressourcenschonende Produktion, um den Anteil der verwendeten Naturfasern und die Einhaltung weiterer ökologischer Aspekte. Andere Siegel garantieren die Beachtung sozialer Standards wie fairen Handel, faire Arbeitsbedingungen, die Festschreibung von Mindestlohn oder sogar existenzsichernden Löhnen. Die höchsten Anforderungen für  Chemikalienmanagement, Recycling und Arbeitnehmerrechte erfüllen laut Greenpeace der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Best), der Global Organic Textile Standard (GOTS) und „Made in Green“ von Oeko-Tex.

Ist nachhaltige Mode immer teurer?

Klar, faire Shirts gibt es nicht für 5 Euro. Die Rechnung geht einfach nicht auf. Aber wer bewusster shoppt, gönnt sich eben statt drei Tops für 15 Euro eins für 45, das man dank guter Qualität oft länger tragen kann. Es gibt durchaus hochpreisige Teile, doch mittlerweile auch viel Erschwingliches. Die Option Second Hand ist außerdem eine budgetschonende Variante fürs nachhaltige Shoppen. 

Wo kann man nachhaltige Mode kaufen?

Die ganze Fülle nachhaltiger Mode findet man im Web. In markeneigenen Angeboten und in Shops, die eine Auswahl diverser Labels bieten – wie Avocadostore, Glore oder Loveco. Ein idealer Ort für die Suche nach internationalen Newcomerlabels ist Instagram.

Natürlich kann man Fair Fashion auch in ganz normalen Läden shoppen – darunter große Marken wie Hess Natur, die in einigen Großstädten vertreten sind. Manch kleineres Label bietet ebenso das traditionelle Einkaufserlebnis. Last but not least gibt's immer mehr Concept Stores mit  fairem Modeangebot.

Weitere Anlaufstelle für alle, die nachhaltiger leben wollen: Second-Hand-Läden. Denn am umweltfreundlichsten ist es letztlich immer, bereits produzierte Kleidungsstücke bis zum Ende ihrer Tragbarkeit zu nutzen.

Shopping-Inspiration

Wer faire Mode für sich entdeckt, wird schnell feststellen, dass die Auswahl mittlerweile groß und jeder Stil vertreten ist. Wie man da den Überblick behält und gezielt neue Lieblingssachen findet? Zum Beispiel mit unseren Shopping-Inspirationen! Die vorgestellten Labels kann man alle über eigene Web-Shops (Links dazu finden sich auf den jeweiligen Instagram-Seiten), aber auch im stationären Handel und in Online-Conept-Stores kaufen.

1. Nachhaltige T-Shirts

Shirts sind eine prima Einstiegsinvestition für alle, die sich neu mit dem Thema Fair Fashion beschäftigen – nicht so teuer und einfach zu kombinieren. Es gibt Kreationen lokaler Designer, langlebige Mode-Basics, Statement-Pieces und Gutelaune-Teile. Gefertigt aus Bio-Baumwolle, der innovativen Baumfaser Tencel und anderen Materialien. Hier eine Auswahl:

Thinking Mu ist ein Label aus Spanien, das beweist, wie cool nachhaltige Mode sein kann. Hier mit dem bekanntesten Physiker aller Zeiten.

Ohne Ringelshirt geht im Sommer (fast) nix. Dieses hier ist aus Tencel und von Recolution, einem deutschen Eco-Fashionlabel der ersten Generation.

Das Hamburger Label Hey Soho gibt es seit 2017, die Spezialität sind Shirts mit schönen Botschaften.

2. Nachhaltige Blusen

Auch bei Blusen punkten nachhaltige Labels mit aktuellen Designs und der einen oder anderen avantgardistischen Kreation.

Vettas "The Girlfriend"-Top kann man wie hier gezeigt auch umgekehrt tragen. Gefertigt werden die zeitlos schönen Entwürfe des US-Labels in New York und Los Angeles.

Dieses kleine Denimkunstwerk stammt vom deutschen Label wunderwerk, das viermal jährlich eine Kollektion launcht. Generell gibt's kein Fair-Fashion-Label, das wie die Fast-Fashion-Ketten alle sechs, vier oder sogar zwei Wochen neue Kleidungsstücke auf den Markt wirft.

Zauberhaftes Plissee-Design von der nachhaltigen schwedischen Brand Filippa K, die zu jedem Kleidungsstück im Website-Shop transparent die Herkunft angibt. 

3. Nachhaltige Sweatshirts

Mode für Kuscheltage zwischen straßentauglich und bürogeeignet. 

Lanius bietet hübsche Basics wie diesen Sweater. Neben Biobaumwolle und Tencel kommen beim GOTS-zertifizierten Kölner Label auch Hanf und Leinen zum Einsatz.

Weil die beiden Hamburgerinnen von Jan 'n June auf dem Markt kein Eco-Label fanden, das ihrem Geschmack entsprach, gründeten sie 2013 kurzerhand selbst eines. Sweatshirt Toulon ist aus organischer Baumwolle.

Für Fans von Skandi-Mode lohnt sich der Blick aufs cleane, grafisch geprägte Angebot von House of Dagmar. Drei Schwestern sind die Chefinnen des schwedischen Unternehmens, der Label-Name ist eine Verneigung vor ihrer Großmutter, die selbst schon für sich Kleider designte und ihre Enkelinnen zur Modekarriere inspiriert hat. 

4. Nachhaltige Strickmode

Im Winter geht nix ohne Strick und schöne Kreationen aus Wolle. Auch hier gibt es gravierende Unterschiede in der Produktion. Wichtiger Faktor beim Material ist unter anderem die tierfreundliche Gewinnung.

Miro heißt der schlichte Strickpulli von Blanche, einem dänischen Unternehmen, das den Ecomarkt 2018 via Instagram eroberte. 2019 eröffnete es als erstes nachhaltiges Label die Kopenhagener Fashion Week.

Auch die zarten Kreationen von Maiami sind absolute Blogger-Lieblinge. Handgefertigt, mit wunderschönen Farbkombinationen. Kreativer Kopf hinter den weltweit gefragten Designs ist eine Berlinerin.

Schlichter, aber nicht weniger schön ist Gabriel – so der Name dieses extragroßen Unisex-Merino-Modells. Gefertigt wird in kleinen Familien-Workshops in Spanien, der aktuellen Heimat der französischen Gründerin von L'Envers.

5. Nachhaltige Kleider

Feminin, schlicht, avantgardistisch: Auch bei fair produzierten Kleidern findet sich die ganze Bandbreite an Styles.

Von Frauen für Frauen gefertigt werden die besonderen Designs von KM by Lange, einem in Barcelona und Kiew angesiedelten Label. 

People Tree ist ein Pionier unter den fairen Modemarken, wurde vor über 20 Jahren gegründet. Dieses Kleid im Animalprint gehört zu einer Capsule Kollektion, die die Briten zusammen mit TV-Naturdoku-Sender BBC Earth entwickelten.

Diese Ärmel! Außergewöhnliches Design ist das Markenzeichen von D.Efect, einem litauischen Label, das die Schönheit von Menschen und Mode gern auch im Besonderen und Unperfekten sucht.

6. Nachhaltige Jeans

Gerade bei konventionellen Jeans ist der Wasserverbrauch enorm hoch (allein ca. 160 Liter für die Waschung) und für manche Looks werden gesundheitsgefährdende Techniken und Chemikalien eingesetzt. Letzteres ist bei einer fairen Jeans nicht der Fall und der Wasserverbrauch wird auch gesenkt. Bei der sparsamsten Jeans des deutschen Labels Wunderwerk beispielsweise auf erstaunliche 0,7 Liter.

Die Kings of Indigo stammen aus den Niederlanden. Ihr Ziel ist es, puristisch-japanischen Denim-Stil mit der Strapazierfähigkeit einer amerikanischen Jeans zu verbinden.

Jung, nachhaltig und aus Köln ist das Label Dawn Denim. Produziert wird seit 2015  in der eigenen Fabrik in Saigon.

7. Nachhaltige Jacken und Mäntel

Warm halten und uns gut dabei aussehen lassen – das können nachhaltige Mäntel und Jacken zu jeder Jahreszeit auch ohne Leder und Daunen. 

Wer auf der Suche nach einem Trenchcoat oder einer schlicht-schönen Winterversion dieses eleganten Klassikers ist, sollte beim polnischen Label Elementywear vorbeischauen.

Daunenfrei, aus recycelten PET-Flaschen und in coolem Design findet man diesen und andere interessante Modelle beim Essener Label Embassy of Bricks and Logs.

Auf Funktionalität und Langlebigkeit setzt man auch bei LangerChen. Das deutsche Outerwear-Label produziert fair und nachhaltig in China.

8. Nachhaltige Schuhe

Pumps, Boots, Sandalen, Sneaker – fair produziert und mit oder ohne Leder. Hier ein paar schöne Modelle.

Wenn's mal klassisch sein soll: Die Pumps Amari sind von Matt und Nat. Alle Taschen und Schuhe des kanadischen Unternehmens sind vegan, also lederfrei.

Auch diese Sneaker sind vegan und vom spanischen Label Ecoalf, das sich der Produktion von Mode aus recycelten Materialien verschrieben hat.

Seit 2009 gibt es die Hamburger Brand Alina Schuerfeld, die mit sehr femininem Schuhwerk zwischen Sandalen, Boots und High Heels punktet.

9. Nachhaltige Unterwäsche

Bezaubernd, aus feinstem Material und ziemlich raffiniert präsentieren sich faire Dessous.

Beim dänischen Label Under Protection kann frau zwischen erstaunlich vielen originellen Designs und innovativen Farben wählen.

Made in Germany sind die vorrangig schwarzen Modelle von Lovjoi, die besonders mit ihrer wunderschönen Spitze überzeugen.

Und wenn es mal ein bisschen schlichter sein soll, kann man beim dänischen Label Organic Basics auf Entdeckungstour gehen, das auch für den Bereich Sport und Yoga Funktionales bietet.

10. Nachhaltige Taschen

Eco-Leder oder gleich vegan – in Sachen Taschendesign hat sich in der letzten Zeit ebenfalls einiges getan und es gibt viele hübsche Modelle, die es locker mit bekannteren Labels aufnehmen können.

In Deutschland handgefertigte und nachhaltig produzierte Bags bietet das Label Alexandra Svendsen.

Das kanadische Unternehmen Matt and Nat ist uns bei den Schuhen schon begegnet. Auch die Taschen und Rucksäcke sind alle vegan.

Ebenso lederfrei produziert Inyati. Das Londoner Label zeichnet sich durch aktuelles Design und günstige Preise aus.

Autorin: Katharina Happ



 
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