Wenn alles grau erscheint

Depression: Symptome, Ursachen, Behandlung

Brünette Frau sitzt an Fenster und umarmt mit traurigem Blick ihre Tasse | © iStock | yulkapopkova
Antriebslosigkeit, Trauer, Selbstzweifel: Depressionen haben viele Gesichter.
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Jeder kennt diese Phasen im Leben, in denen alles grau erscheint. Es nichts gibt, worauf man sich freut, Unlust und Niedergeschlagenheit den Tag bestimmen. Solche Stimmungstiefs sind in der Regel vorübergehend und treten bei fast jedem mal auf. Spricht man hingegen von einer Depression im medizinischen Sinne, handelt es sich um eine ernstzunehmende Krankheit, die sich auf das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen auswirkt. Woran man eine Depression erkennt, welche Ursachen es gibt und wie man sie in den Griff bekommt.

Was ist eine Depression?

Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs Depression kann irreführend sein. Denn schon das Wetter, ein schlechter Tag im Job oder eine private Krise können als „deprimierend“ wahrgenommen werden. Bei diesen alltäglichen, meist vorübergehenden Stimmungsschwankungen handelt es sich aber nicht um eine Depression im medizinisch-therapeutischen Sinn. Sie gehören zum Leben dazu, bessern sich durch Ablenkung oder Aufmunterung und verschwinden nach einiger Zeit ganz von allein.

Im Gegensatz dazu sind „echte“ Depressionen schwere seelische Erkrankungen, von denen sich Betroffene in der Regel nicht ohne professionelle Behandlung befreien können.

Arten von Depressionen

Depression ist nicht gleich Depression. Die psychische Erkrankung kann viele Gesichter haben und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch stark in Form, Schwere und Verlaufsmuster. Die drei häufigsten Erkrankungsformen sind:

  • Unipolare Depression: Erkrankung mit einer oder mehreren depressiven Episoden. Treten im Verlauf des Lebens wiederkehrende depressive Phasen auf, spricht man von einer rezidivierenden, also wiederkehrenden unipolaren Depression.

  • Bipolare Depression (manisch-depressive Erkrankung): Dabei kommt es neben depressiven auch zu manischen Episoden, die meist mit übermäßig guter Stimmung, starkem Tatendrang, Ruhelosigkeit oder übertriebenem Optimismus einhergehen.

  • Dysthymie: Bei dieser Ausprägung sind die depressiven Symptome weniger stark, bestehen aber über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren.

Typische Symptome 

„Belastende Gefühle wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit gehören bis zu einem gewissen Maß zu unserem Leben dazu und erfüllen wichtige Funktionen – beispielsweise bei der Verarbeitung von Ereignissen und in der Verhaltenssteuerung“, erklärt die Berliner Psychotherapeutin Anna Schmied. „Wenn Symptome wie Traurigkeit, Motivationslosigkeit und Interessenverlust jedoch über mindestens zwei Wochen nahezu durchgängig bestehen, ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu suchen.“

Folgende drei Hauptsymptome deuten auf eine Depression hin:

  1. Niedergeschlagenheit: Die depressive Stimmung ist fast ununterbrochen vorhanden, stark ausgeprägt und hält mindestens zwei Wochen an.

  2. Innere Leere, Gefühlslosigkeit, Verlust von Interesse: Der Betroffene fühlt sich innerlich leer, gefühlstot und hat kein Interesse mehr an sozialen Kontakten, am Job, Hobbys usw.

  3. Erschöpfung und Antriebslosigkeit werden zum Normalzustand: Die Bewältigung von alltäglichen Aufgaben fällt depressiven Menschen besonders schwer oder wird unmöglich. Geistige und körperliche Erschöpfung sind an der Tagesordnung, sodass sogar das Aufstehen zum Kraftakt wird – manche Betroffene verlassen das Bett gar nicht mehr.

Nebensymptome von Depressionen

Diese drei Hauptsymptome können von weiteren Krankheitszeichen begleitet werden. Dazu gehören:

  • Appetitverlust

  • extremes Schlafbedürfnis

  • Schlafstörungen

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen

  • Sexuelle Unlust, Libidoverlust

  • starke Selbstzweifel und Gefühle der Wertlosigkeit

  • Selbstvorwürfe und Schuldgefühle

  • Suizidgedanken

Ursachen und Auslöser für Depressionen

Eine Depression ist meist nicht auf eine einzige Ursache oder einen einzigen Auslöser zurückzuführen. Sie entwickelt sich vielmehr aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die biologischer, genetischer als auch psychosozialer Natur sein können. Wie groß der Einfluss der verschiedenen Faktoren ist, unterscheidet sich von Patient zu Patient.

Psychosoziale Faktoren

Die Vulnerabilität – oder auch Verletzlichkeit – beschreibt, wie anfällig ein Mensch für seelische Störungen ist. Bei Personen mit hoher Vulnerabilität kann schon wenig Stress Depressionen auslösen. Kann eine Person gut mit belastenden Erlebnissen umgehen, bezeichnet man sie als resilient, also widerstandsfähig.

Ob man anfällig für Depressionen ist, wird erheblich von den Erfahrungen beeinflusst, die man in seinem Leben gemacht hat. Traumatische Erlebnisse wie Missbrauch oder Vernachlässigung in frühen Lebensphasen erhöhen das Risiko, später eine Depression zu entwickeln. Darüber hinaus können folgende negative Erfahrungen und Ereignisse das Risiko für eine depressive Episode erhöhen:

  • Jobverlust und Arbeitslosigkeit

  • Trennung vom (Ehe-)Partner

  • Spannungen im sozialen Umfeld

  • Tod eines geliebten Menschen

  • eine schwere Krankheit

  • Überlastungssituationen und Stress

Tatsächlich berichten Betroffene in vielen Fällen von schwierigen Ereignissen vor Ausbruch der Krankheit. Depressive Episoden können aber auch ohne erkennbare äußere Auslöser scheinbar aus dem Nichts auftreten.

Körperliche Faktoren

Neben psychosozialen Auslösern gibt es auch körperliche Ursachen, die das Entstehen einer Depression begünstigen können. Ist beispielsweise der Noradrenalin-, Cortisol- und/oder Serotoninspiegel im Gehirngewebe nicht im Gleichgewicht, stört das den Austausch zwischen den Nervenzellen. Und das wiederum beeinflusst Gefühle und Gedanken negativ.

Zuckendes Augenlid, eingerissene Mundwinkel & Co.: Was der Körper sagen will

Frau fasst sich an den Mund | © iStock | simarik

Genetische Veranlagung

Wenn es um die Ursachen einer Depression geht, kommt meist die Frage auf, welche Rolle die Gene für die Entstehung einer Depression spielen – und ob die psychische Erkrankung vererbbar ist. Wissenschaftlich belegt ist, dass manche Menschen eine genetische Veranlagung für Depressionen haben und andere nicht. Eine Vielzahl von Studien (z.B. aus der Zwillings- und Adoptionsforschung) zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, dreimal so hoch ist, wenn nahe Blutsverwandte davon betroffen sind. Das bedeutet aber auch, dass es kein einzelnes Gen gibt, das hauptverantwortlich für die Krankheit ist. Es müssen zusätzlich Faktoren hinzukommen.

Häufigkeit: Wer ist betroffen?

Laut der Deutschen Depressionshilfe erkranken Frauen etwa zwei- bis dreimal so häufig an Depressionen wie Männer. „Die Ursachen der unterschiedlichen Erkrankungshäufigkeit sind bisher noch nicht eindeutig erforscht“, schildert Psychotherapeutin Anna Schmied, „wir wissen aber, dass sich das Gehirn von Frauen und Männern in seiner Struktur und Funktionalität unterscheidet.“

Für die Unterschiede werden diverse soziale, psychologische und biologische Gründe diskutiert. Beispielsweise gehen Frauen mit Problemen und psychischer Labilität anders um und holen sich bei Schwierigkeiten eher Hilfe von außen als Männer. Außerdem sind Frauen sozio-ökonomisch häufig schlechter gestellt, was durchaus einen Risikofaktor für psychische Erkrankungen darstellt.

Nimmt die Anzahl der Betroffenen in Deutschland zu?

Burnout, Panikattacken, Depressionen – gefühlt leiden immer mehr Menschen an einer psychischen Krankheit. Auch die Krankenkassen berichten von häufigeren Diagnosen psychischer Erkrankungen, vermehrten Krankschreibungen und steigenden Behandlungszahlen. „Wissenschaftliche Studien hingegen zeigen keine steigenden Zahlen“, versichert Anna Schmied. Dass psychische Erkrankungen gefühlt zugenommen haben, liegt ihrer Meinung nach daran, dass Depressionen heutzutage häufiger erkannt, diagnostiziert und behandelt werden. „Das heißt, die Zahl der Diagnosen nähert sich der Zahl der tatsächlichen Erkrankungen immer mehr an“, erklärt die Expertin. „Insgesamt sprechen wir also einfach offener und öfter über dieses Thema und Betroffene haben heute eher den Mut, sich professionelle Hilfe zu suchen.”

Behandlung: Depression, was tun?

Wird eine Depression diagnostiziert, ist es wichtig, sie zügig zu behandeln, denn die Betroffenen leiden sehr unter ihrem labilen Zustand. Abhängig von der Schwere der Krankheit werden Depressionen in der Regel mit Psychotherapie, Antidepressiva oder einer Kombination aus beidem behandelt. Die Kombinationstherapie kommt besonders bei chronischen und wiederkehrenden Depressionen zur Anwendung.

Darüber hinaus gibt es für Menschen mit Depressionen zahlreiche psychotherapeutische Angebote, die zur Verbesserung der Symptomatik, der Alltagsbewältigung und der Lebensqualität beitragen können. Die Krankenkassen übernehmen jedoch nur die Kosten für die kognitive Verhaltenstherapie und für sogenannte psychodynamische Psychotherapien.

Medikamente gegen Depression

Die medikamentöse Behandlung lässt die Ursachen der Depression, beispielsweise Stress, eine schmerzhafte Trennung oder schwierige Lebenssituation, zwar nicht einfach verschwinden. Psychopharmaka beeinflussen aber die Wirkungsweise der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn und können bestehende Funktionsstörungen korrigieren. Folglich bewirken Antidepressiva, dass Symptome wie Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit abklingen und bestehende Probleme wieder lösbar erscheinen. Die Pharmakotherapie gilt daher als unverzichtbarer Bestandteil bei der Behandlung depressiver Erkrankungen.

Sport als Antidepressivum

Sport gegen Depressionen und Angst? Ja, das kann tatsächlich wirken. Regelmäßige Bewegung und Sport wirken quasi wie ein natürliches Antidepressivum. Daher empfehlen Experten bei Depressionen regelmäßige sportliche Betätigung. Dadurch lassen sich depressive Symptome sowohl kurz- als auch langfristig erheblich reduzieren. Sport baut Stress ab und hat einen positiven Effekt auf die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Wer sich körperlich auspowert, kommt darüber hinaus leichter aus der negativen Spirale von Lust- und Antriebslosigkeit heraus.

Außerdem bei Depressionen immer beliebter: CBD Tropfen und Öl!

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Frau bei Fitness Übungen | © iStock | PeopleImages

Hilfe zur Selbsthilfe ohne Therapeuten

Aktuelle Studien haben ergeben, dass auch Hilfsangebote ohne regelmäßigen Therapeutenkontakt positiv zur Behandlung einer Depression beitragen können. Eine Möglichkeit sind Anleitungen zur Selbsthilfe, mit denen Betroffenen sich selbst in das Thema einlesen und nur gelegentlich Kontakt zu einem Experten haben.

Eine weitere Option ist eine professionelle Therapie über das Internet. Eine Online-Psychotherapie wie beispielsweise über die Online-Plattform Minddoc sei vor allem dann eine gute Alternative, wenn man sich nicht wohl damit fühlt, einem Fremden unmittelbar gegenüber zu sitzen und ganz offen über Probleme zu sprechen, so Schmied. Da die Sitzungen per Videocall stattfinden, kann man in seiner vertrauten Umgebung bleiben und leichter über seinen Seelenzustand reden. Wichtig ist, immer darauf zu achten, dass die Therapiesitzungen von einem qualifizierten Psychotherapeuten durchgeführt werden.

Austausch mit Leidensgenossen

Auch Online-Foren können hilfreich sein, um sich an das Thema psychischer Erkrankungen heranzutasten und für sich festzustellen, dass man mit dem Problem nicht allein ist. „Vielen Betroffenen kann das schon sehr helfen“, berichtet die Berliner Psychotherapeutin. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, da in Internetforen nicht nur fachlich korrekte Auskünfte kursieren. Außerdem sollte man sich gut überlegen, welche privaten Informationen man trotz der angeblichen Anonymität in einem Forum teilen möchte.

Depressions-Test

Fragen wie „Bin ich depressiv?“ oder „Habe ich eine Depression?“ sind nicht leicht zu beantworten, da Depressionen häufig nicht eindeutig zu erkennen sind. Deshalb wurden sogenannte Depressions-Tests entwickelt, mit deren Hilfe man depressive Zustände aufdecken können soll. Dabei werden verschiedene Haupt- und Nebensymptome einer Depression abgefragt, die auf den in Deutschland gängigen Diagnosekriterien nach dem sogenannten ICD-10 basieren. Dieser Selbsttest kann und sollte eine fachliche Diagnose aber keinesfalls ersetzen und dient nur zur Orientierung. Für eine professionelle Diagnose muss ein entsprechender Facharzt oder Psychotherapeut konsultiert werden.

Depressions-Diagnose mittels Smartphone-App

Mittlerweile gibt es medizinische Apps, mit deren Hilfe eine Diagnose möglich sein soll. „Eine wissenschaftlich fundierte App kann in der Tat für Orientierung sorgen und dabei helfen, das erste Gefühl von ‚mit mir stimmt etwas nicht‘ besser zu verstehen“, erklärt Anna Schmied.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise die App Moodpath Depressionen nahezu genauso verlässlich erkennen kann wie der reguläre Fragebogen eines Therapeuten. Bei der medizinischen App muss der Nutzer über einen Zeitraum von zwei Wochen dreimal täglich Fragen über sein Wohlbefinden beantworten. Die Antworten werden dann statistisch ausgewertet und der Nutzer bekommt eine Empfehlung, ob professionelle Hilfe notwendig ist. Zusätzlich ist es möglich, eine Übersicht für den behandelnden Arzt zu erstellen, die Auskunft über die Symptomatik und den Befund gibt.

Apps wie Moodpath können aber lediglich einen ersten Überblick verschaffen und einschätzen, welche Symptome Bestandteil einer Depression sein können. Um eine genaue Diagnose zu stellen und die nachfolgende Behandlung zu planen, ist immer ein persönliches Gespräch mit einem Experten notwendig. Insbesondere bei länger andauernden Erkrankungen wird deutlich, dass der persönliche Kontakt zu einem Therapeuten unerlässlich ist und nicht durch eine App oder andere Tools ersetzt werden kann.

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